Bürgerversammlung

Schwimmbadsanierung nicht so dringend wie befürchtet

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Während die Sonne hinterm Sprungturm untergeht, inspiziert der Schwimmbadbausschuss die Anlage. - Fotos (2): Hager Während die Sonne hinterm Sprungturm untergeht, inspiziert der Schwimmbadbausschuss die Anlage.

Dieburg - Das war wohl der ungewöhnlichste Ort, an dem jemals ein Dieburger Ausschuss tagte: Die Sitzung des Schwimmbadausschusses setzte sich nach einer Ortsbegehung im Umkleidebereich fort. Von Lisa Hager 

Das gute Fazit am Ende: Die Sanierung des Ludwig-Steinmetz-Bades ist nicht so dringend wie angenommen. Die Wasserverluste, die zum Fehlstart in die Saison geführt haben, gehen hauptsächlich auf Kosten der überalterten Technik. Bei einer Führung durchs Bad erklärte Schwimmmeister Monty Römmelt, was bei der angesetzten Untersuchung der Anlage festgestellt wurde. Im Technikraum wurde schnell klar, wodurch sich ein Teil der Wasserverluste erklären, die im Mai zum Entzug der Betriebserlaubnis durch die Wasserbehörde geführt hatten (wir berichteten). „Wir haben es mit einer veralteten Technik zu tun“, sagte Römmelt. In drei Meter hohen Kesseln wird das Schwallwasser, das aus den Schwimmbecken in die Roste schwappt, aufbereitet. Die Klappen dieser Schwallwasserbehälter sind aber nicht mehr dicht: Auch beim Besuch des Technikraums tröpfelt es unablässig – Wasser, das kontinuierlich verloren geht. Dass der Wasserverlust von rund 30 bis 40 Kubikmetern pro Tag größtenteils diesen Verschleißteilen zuzuordnen ist, hatte auch ein Gutachter bereits festgestellt. Zudem sind die PVC-Rohre, die das Wasser von den Becken zu- und abführen, über 30 Jahre alt. „Man geht von einer durchschnittlichen Haltbarkeitsdauer von zehn Jahren aus“, so Römmelt. Auch hier kommt es zu Verlusten.

Nach der Begehung nahmen Ausschussmitgleider und interessierte Zuhörer im Raum vor den Umkleidekabinen Platz, um das weitere Vorgehen zu diskutieren. Bürgermeister Dr. Werner Thomas zeigte in einer Art „Schadenschronik“ noch einmal auf, wie es zum Entzug der Betriebserlaubnis im Mai kurz vor dem geplanten Eröffnungstermin kam. Schon seit mehreren Jahren beschäftige sich die Verwaltung mit den Wasserverlusten des Freibads, sagte er. Da man bei einer Tagung Kontakt zu einer speziellen Fachfirma gefunden hatte, wurde diese im April beauftragt, nach Leckagen zu suchen. „Und dazu muss eben das Wasser im Becken sein“, so Thomas. Verschiedene lecke Stellen wurden gefunden und abgedichtet. Aber bald war klar, dass das nicht die einzige Ursache für den immensen Wasserverlust gewesen sei. So entschied Thomas Mitte Juli, das Bad erneut zu schließen, als ihm Römmelt an einem Wochenende von erneutem immensen Wasserverlust berichtete. Dann habe man das Wasser drei Tage stehen lassen. „Wenn es Verlust aus dem Becken gegeben hätte, hätte sich das jetzt auswirken müssen“, so der Bürgermeister. Tat es aber nicht: Der Wasserspiegel nahm kaum ab.

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Inzwischen hat man eine weitere Ursache gefunden, nachdem mit früheren langjährigen Freibadmitarbeitern gesprochen worden ist. Der frühere Schwimmmeister Storck beispielsweise erinnerte sich an einen zusätzlichen Ablauf am Sportbecken, der direkt in den Kanal mündet. „Da lief wohl dann noch der Rest weg“, so Thomas.

Die gute Nachricht: Die Schäden sind nicht so dramatisch, dass sofort gehandelt werden muss. „Ich gehe davon aus, dass der Badebetrieb im kommenden Jahr 2016 ganz normal laufen kann“, sagte er. Eine Aussage, die die anwesenden „Frühschwimmer“ mit heftigem Applaus quittierten. Danach werde man mit einer – wie auch immer gearteten – Sanierung beginnen. Ob es ein Bad mit chemischer oder biologischer Klärung (Naturbad) geben wird, das Bad so bleibt wie es ist und lediglich mit einem Stahlbecken versehen wird – alles ist offen.

Ausschussvorsitzender Renee Exner appellierte, auf jeden Fall die Meinung der Bevölkerung bei einer Bürgerversammlung im November einzuholen. Dabei sollen die verschiedenen Varianten mit Vor- und Nachteilen präsentiert werden. Ansonsten sei ja gottseidank „erst mal der Druck aus dem Kessel“.

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