Steinerne Zeitzeugen und Denkmäler im und am Museum

Beim Neidkopf beißt das Böse auf Granit

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Museumsleiterin Maria Porzenheim zeigt bearbeitete Steinblöcke aus historischen Dieburger Gebäuden, die teilweise als Halter für Türpfosten dienten.

Dieburg - Einen Pflock gegen Vergänglichkeit und Vergessen einschlagen – das hat Menschen seit altersher dazu bewegt, steinerne Denkmäler zu setzen. Von Lisa Hager 

Die neue Sonderausstellung „Steinzeit II“ im Museum Schloss Fechenbach begibt sich auf die Suche nach diesen gemeißelten Botschaften – und wird im Dieburger Stadtgebiet vielfach fündig. Steinerne Denkmäler bis zurück in die Römerzeit zeigt die Sonderausstellung im Museum aus Dieburg. Besonders interessant aus dieser Epoche: ein Dianarelief, das die eindeutige Handschrift des Künstlers trägt, der den berühmten Mithrasstein gestaltet hat. Dieses doppelseitige Relief, das den römischen Mysterienkult beschreibt, zählt zu den spektakulärsten römischen Dieburger Funden und zu den Hauptattraktionen des Museums.

Im später überwiegend katholischen Dieburg findet man naturgemäß auch viele religiöse Steindenkmäler: Auch heute noch sind beispielsweise Feldkreuze in der Dieburger Gemarkung Zielpunkte von Pilgern. „Viele Bildstöcke zeugen vom religiösen Reichtum der Stadt“, sagte Museumsleiterin Maria Porzenheim bei der Präsentation der Ausstellung. Aber auch Profaneres wie eine steinerne Aschekiste oder kantig bearbeitete Sandsteine, die bei historischen Bürgerhäusern als Träger für Türpfosten dienten, sind zu sehen. Interessant der bei Erdarbeiten am Marktplatz gefundene dreigesichtige „Neidkopf“, der aus dem 17. Jahrhundert stammt. Eventuell gehörte er zum ehemaligen Renaissance-Rathaus, vermutet man. Er streckt dem neidischen Betrachter nicht nur die Zunge heraus, sondern sollte dem Volksglauben nach auch Unheil und das Böse abwenden.

Eine eigene Abteilung gilt den Steindenkmälern des Fechenbach-Parks, wo beispielsweise die Wasserpforte und die Stadtmauerreste beschrieben sind. Steinerne Rechtsdenkmäler. die vielfach in der Stadtgemarkung zu entdecken sind, regelten vormals die Besitzverhältnisse. Auch Bildstöcke wurden des öfteren zur Begrenzung von Gemarkungen eingesetzt.

Aber nicht nur in den Museumsräumen kann man auf steinerne Entdeckungsreise gehen. Eröffnet wurde mit der Ausstellung auch der neue Skulpturengarten rund um den Brunnen im Museumshof. Dort haben unter anderem einige zentnerschwere Sandstein-Skulpturen aus dem Schlossgarten eine neue Heimat gefunden. Sie schmückten einst die Terrasse und den Garten von Schloss Stockau.

Die Sonderausstellung ist noch bis 17. Juli zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet derei Euro. Kinder, Jugendliche bis 15 Jahren und Inhaber der Seniorencard A oder S des Landkreises sind befreit.

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