Sternsinger ziehen durch Dieburg

Türen und Herzen öffnen

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15 Königskinder aus dem Morgenland: Auch in diesem Jahr bringen die Sternsinger den kirchlichen Segen in die Häuser.

Dieburg - Sternenkinder ziehen singend durch die Straßen, schreiben Kreidesegen an die Tür. Pünktlich zum Dreikönigstag ein gewohntes Bild in deutschen Städten. Doch es gibt Nachwuchsprobleme, auch in Dieburg. Von Eva-Maria Lill 

Diesmal sind nur 15 Kinder der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul unterwegs. Gemeindereferentin Jutta Lehmann-Braun schiebt den Rückgang vor allem auf die Ferien und das kurze Schulhalbjahr: „Viele Familien sind noch in Urlaub. Andere Kinder hatten wegen der vielen Klausuren keine Zeit und keine Motivation, sich zu engagieren.“

Für ein paar Sorgenfalten sorgt das schon. Schließlich sind die Haushalte, die gern den Segen der Sternsinger empfangen würden, nicht weniger geworden. Eher im Gegenteil: An 220 Türen klopfen die 15 Kinder – ein straffes Programm für drei Tage Singen. „Deshalb verteilen sich die Gruppen nicht mehr über die ganze Stadt, sondern sind drei Bezirken zugeordnet: Ost, West und Stadtmitte“, erläutert Lehmann-Braun.

Mit vollem Einsatz dabei

Trotz der anstrengenden Aussichten sind die kleinen Könige mit vollem Einsatz dabei. Rasch werden die letzten Umhänge übergeworfen und goldglänzende Kronen auf Wollmützen gedrückt. Unruhig üben die Kinder ein letztes Mal ihre Verse, dann kann es losgehen. Der jüngste Teilnehmer ist gerademal fünf, der älteste 17. Nur einige sind neu, viele bereits echte Sternsingerveteranen.

So auch Torben. Stolz streicht er über seinen blaugrauen Umhang: „Fast wie bei Harry Potter. Der sah auch so aus“, staunt der Zehnjährige. Doch anstatt Zauberlehrling ist der Dieburger heute Melchior, seines Zeichens König aus dem Morgenland. Bereits zum dritten Mal läuft Torben mit: „Es ist schön, Geld für arme Kinder zu sammeln. Außerdem sieht man spannende Ecken von Dieburg. Einmal wurden wir sogar auf einen Kakao eingeladen.“

Seine Mit-Könige sind der siebenjährige Lukas und der neunjährige Jadon. Linus ist Sternenträger und das erste Mal dabei: „Bei meiner Oma waren vergangenes Jahr Sternsinger. Das hat mir so gut gefallen, das ich mitmachen wollte.“ Und wieso? „Weil ich armen Kindern helfen will. Und die Süßigkeiten, die wir von vielen Leuten bekommen, sind auch nicht schlecht“, erklärt der Achtjährige mit einem breiten Grinsen.

Segen bringen, Segen sein

Das Motto der 57. Sternsingeraktion: „Segen bringen, Segen sein. Gesunde Ernährung für Kinder auf den Philippinen und weltweit“ wird auch in Dieburg großgeschrieben. Beim Vorbereitungstreffen im Dezember sahen die Kinder eine Reportage von Willi Weitzel über Armut und Unterernährung. „Es war schon schlimm, festzustellen, dass die philippinischen Kinder teilweise auf Müllkippen leben und nur Reis essen. Hier gehst du einfach in den Supermarkt und kaufst dir einen Berg Schokolade“, sagt Torben. Auch Lehmann-Braun weist beim Entsendungsgottesdienst auf die Missstände hin und lobt das Engagement der Sternsinger: „Ihr seid wertvolle Menschen.“ Sie hofft, dass es im nächsten Jahr vielleicht wieder ein paar mehr sind, die den Dieburgern hinter den Türen die Herzen für arme Kinder öffnen.

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