Volker Resch, einer der letzten Patienten

„Da stirbt ein Stück Dieburg“

+
Wehmütig schaut Volker Resch als einer der letzten Patienten im St. Rochus dem Ende des Traditionskrankenhauses entgegen.

Dieburg - Volker Resch (73) ist ein Mann der klaren Worte. „In erster Linie ist die Kirche, in zweiter Linie die Politik verantwortlich dafür, dass es so weit gekommen ist. Man hätte viel früher die richtigen Konsequenzen ziehen müssen“, sagt er. Von Lisa Hager 

Allein in einem Zweier-Zimmer des St. Rochus Krankenhauses war er bis zu seiner Entlassung am heutigen Montag wohl einer der letzten Patienten in der Kratzengasse. Als Patient von Dr. Gerald Grohe wurde er wegen seines Bandscheibenschadens behandelt und genoss die – laut seiner Aussage – vorzügliche und einfühlsame Betreuung des Pflegepersonals. „Auch um die Mitarbeiter hier tut es mir total leid“, sagte er, der – wie seine drei Geschwister auch – im St. Rochus geboren wurde. „Das Krankenhaus und der Katholizismus hat immer zu Dieburg gehört“, sagt Resch. Von seinem Bett aus kann er auf die Stelle schauen, wo einst sein Kindergarten stand, den auch die Bühler Schwestern leiteten.

Für Resch hat der Niedergang des Krankenhauses mit der Schließung der viel versprechenden Geburtsabteilung begonnen. „Gerade als es doch eindeutig aufwärts ging, hat man die Bremse gezogen“, kritisiert er. Als ehemaliger Vertriebsleiter eines Großunternehmens versteht er einiges von Betriebs- und Personalführung und schüttelt über die Vorgänge in der Leitung des Krankenhauses nur den Kopf. „Viele gute Leute sind vergrault worden“, sagt er, und bei der Wahl der Geschäftsführer habe man nicht immer ein gutes Händchen gehabt.

Die Leidtragenden sind jetzt die Bürger Dieburgs und die engagierten Mitarbeiter des Hauses. Eine Krankenschwester beispielsweise, die ihn betreute, landet in der Transfergesellschaft, bekommt trotz allgemeinen Pflegenotstands, von dem immer so viel die Rede ist, vorerst keine Stelle am Klinikum Darmstadt, dem das insolvente St. Rochus zu 90 Prozent gehört. Sie sei mit ihren 58 Jahren wohl zu alt, sagt sei traurig. Und das, obwohl sie seit 26 Jahren hier ihre Arbeit sehr gern mache – bis zum bitteren Ende am Donnerstag. Und Patient Resch fügt hinzu: „Mit der Schließung des Rochus stirbt etwas für mich – da stirbt ein Stück Dieburg.“

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Kommentare