Legendäre Gesangsgruppe nie wieder auf KVD-Bühne

Stumme Speeslochfinken

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Mit dem „Fluch der Gersprenz“ hatte das Narrenschiff der Speeslochfinken in den KVD-Sitzungen des Jahres 2014 zu kämpfen. Zudem verdrehte eine Meerjungfrau (rechts: Lothar Wolf) den Seeleuten den Kopf. Jetzt geht der Kapitän (links: Dr. Werner Thomas) mit seiner Mannschaft von Bord des Narrenschiffes. Es wird keine Sitzung mehr mit den Speeslochfinken geben.

Dieburg - Sie werden nie mehr närrische Patienten in ihrer Schönheitsklinik behandeln oder sturmgeschüttelt mit graubärtigem Kapitän über die Bretter der Römerhalle schippern: Die Speeslochfinken sagen der Narrenbühne adieu. Von Jens Dörr 

Die Dieburger Fastnacht und die großen Sitzungen als wichtiges Aushängeschild des Karnevalvereins müssen künftig ohne die Beiträge der Gesangsgruppe Speeslochfinken auskommen. Die siebenköpfige Besetzung unter der musikalischen Leitung von Werner Utmelleki hat mit der „Fünften Jahreszeit“ abgeschlossen. Dies bestätigte dem DA Dr. Werner Thomas, Dieburgs Bürgermeister, der zugleich Mitglied der Gruppe und ihr Sprecher ist.

„Wir treten an Fastnacht nicht mehr auf“, sagte Thomas. Mit Blick auf die tollen Tage sei dies inzwischen entschieden worden. Auch der Karnevalverein Dieburg (KVD) hat davon bereits Kenntnis erlangt. Dass sich die Gruppe nun, nachdem sie mit vier ihrer Sänger mehrmals ihr neues Musical „Mann über Bord“ in der Römerhalle aufgeführt hatte, unmittelbar auflöse, verneinte Thomas aber. Eine weitere Vorstellung des Musicals sei für den 8. Januar 2017 in der Römerhalle geplant. „Vielleicht führen wir es zudem noch einmal außerhalb der Stadt auf – je nachdem, wo eine Bühne das hergibt, denn wir brauchen für unsere Requisiten ja entsprechenden Platz.“

Bei der Suche nach den Gründen für die Entscheidung der ehemals „Hofsänger des KVD“ betitelten Musiker scheint man nicht am Vorfall aus der vergangenen Fastnachtskampagne vorbeizukommen. Da begaben sich die Speeslochfinken wie jedes Jahr – die wenigen Auftrittspausen einmal ausgenommen – mit anderen Bühnenaktiven und dem KVD-Vorstand zur Klausurtagung in den Spessart. Dort fiel ihr vorbereiteter Vortrag, in dem sich die Sänger als Mönche verkleidet hatten, durch. Moniert wurden Passagen „unter der Gürtellinie“ und insgesamt fehlender Witz der Darbietung. KVD-Präsident Friedel Enders hatte hernach herausgestellt, dass es sich dabei nicht um das Urteil einzelner Personen aus der KVD-Regie gehandelt habe, sondern um die „klare Entscheidung der Bühnenaktiven“. Der KVD hatte den Speeslochfinken allerdings angeboten, mit einem komplett geänderten Vortrag doch noch einmal ins Rennen zu gehen. Das ließ sich aber offenbar auch aus zeitlichen Gründen nicht mehr umsetzen.

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Thomas sagte nun: „Unsere Entscheidung hat damit weniger zu tun. Es ist nicht primär die Verärgerung über die letzte Kampagne.“ Näher ging er auf die Gründe nicht ein. Thomas hatte allerdings schon im Vorjahr angekündigt, zumindest selbst als Speeslochfink letztmals 2017 auf der Narrenbühne zu stehen. Nun sieht es danach aus, als hätten Thomas und die gesamte Gruppe ihren letzten derartigen Auftritt bereits gehabt.

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