Weihnachtsbäume aus dem Dieburger Wald

Tanne mit kurzen Wegen

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Die Größe bestimmt den Preis des Weihnachtsbaumes. Hier wird das gute Stück vermessen.

Dieburg - Hübsch aussehen und nicht nadeln, soll er, der Weihnachtsbaum. Die frisch geschlagenen Tannen, die die Dieburger Werkstätten für Behinderte gestern im Forstamtshof feilboten, kommen diesem Anspruch am nächsten. Der Andrang war entsprechend groß. Von Katrin Muhl 

Die ganz Fixen hatten ihre Tanne schon in der Stube stehen, vielleicht sogar Lametta und Kugeln herausgekramt und waren bereit zum Schmücken, als der Weihnachtsbaumverkauf der Dieburger Werkstätten im Forstamtshof um 11 Uhr offiziell startete. Über den großen Andrang ab 9 Uhr freute sich Förster Thomas Schmalenberg einerseits, äußerte aber Bedenken darüber, dass zu eifrige Kunden im nächsten Jahr noch früher auf der Matte stehen könnten. Ein bisschen muss man die Hektik auch verstehen. Schließlich sind die Dieburger Nordmanntannen auf rund 560 Exemplare limitiert und nur von gestern bis heute Vormittag zu haben. Frisch geschlagen versprechen sie eine extra lange Haltbarkeit. „Von allen Sorten behält die Nordmanntanne ihre Nadeln am längsten. Und weil unsere nicht seit Monaten rumstehen, hat man an ihnen viel länger Freude als an importierter Ware, die im Wohnzimmer ruckzuck vertrocknet“, sagte Schmalenberg. Den Stamm ins Wasser zu stellen, wirke nicht gegen das Braunwerden, denn „die Bäume nehmen im Winter kein Wasser mehr auf“, erklärte der Förster. Bis vor sieben Jahren ist man für so einen regional gewachsenen Qualitätsbaum noch ins Industriegebiet gepilgert. „Dank einer glücklichen Fügung“, so Schmalenberg, arbeitenWerkstätten und Forstamt mittlerweile zusammen und die Bäume wechseln in der Ringstraße den Besitzer. Damals wie heute kümmert sich die Garten- und Waldgruppe der Behindertenwerkstatt unter der Leitung von Heike Zache und Achim Karn darum, dass die Tannen nach Kundenwunsch gestutzt, angespitzt und ins Netz gepresst werden. Einigermaßen handlich verpackt, verließen die ein bis zweieinhalb Meter langen Bäume dann als dunkelgrüne Kegel den Hof: auf Autodächer geschnallt, in Kofferräumen verstaut, an Fahrräder gezurrt, im Bollerwagen oder über die Schulter gelegt.

Hand-in-Hand arbeiten Forstamt und Behindertenwerkstatt auch außerhalb der Vorweihnachtszeit. „Zum Beispiel bestellt die Wald- und Gartengruppe den Forstamtsgarten und beteiligt sich an der Landschaftspflege in unserem Forstamtsbereich“, berichtete Schmalenberg.

Ein Ehepaar, das sich gerade beim Abtransport helfen ließ, sagte: „Wir könnten auch bei einem x-beliebigen Händler kaufen, aber hier ist die Atmosphäre so schön, mit unserem Geld unterstützen wir einen guten Zweck und woher die Tanne kommt, wissen wir auch.“ Gezogen wurden die „Bäume der kurzen Wege“, wie Schmalenberg sie nannte, in Weihnachtsbaumkolonien in Dieburg oder am Otzberg.

Ihr Abverkauf ist in der Stadt fast schon eine Tradition und hat sich vom reinen Vertrieb zu einem kleinen Weihnachtsmarkt gewandelt. Zwar sind die Tannen weiterhin der Renner, doch Brennholz, Fackeln und in wochenlanger Arbeit hergestellte Dekoartikel und Geschenke aus der Behindertenschreinerei erweiterten das Angebot. „Die Fackeln sind aus Kiefernholz gemacht. Das ist schön harzig und brennt deshalb gut“, wusste Schmalenberg. Um die Mittagszeit gab es am Freitag Glühwein, dazu deftige Wildschweinbratwurst vom Fleisch zweier Tiere aus dem Dieburger Wald. Auf Regionalität wird bei der Weihnachtsbaumaktion eben Wert gelegt – auch beim Essen.

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