Neues Stück an der Alfred-Delp-Schule

Theater-AG spielt „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“

+
Letzter Feinschliff vor der großen Premiere: Die Proben der Theater-AG der ADS fanden ohne Kostüm statt.

Dieburg - Das mittlerweile 15. Stück, das Christian Lampe mit der Theater-AG der Alfred-Delp-Schule (ADS) aufführt, hat es in sich. Von Corinna Hiss

Dabei bereitet den jungen Schauspielern nicht etwa das anspruchsvolle Skript Mühe, sondern etwas ganz Banales: Wie schaffe ich es, beim Wiener Walzer im Takt zu bleiben?. „Licht aus vorne auf der Bühne, Licht an hinterm Vorhang“, sagt Lehrer Christian Lampe in seinen Walkie-Talkie, während sein Blick konzentriert zwischen dem Skript vor sich und seinen Schützlingen auf der Bühne hin und her wandert. Als nichts passiert dreht er sich verwundert um. „Wir hören hier nichts, der Walkie-Talkie funktioniert nicht“, ruft es aus der Technikkabine heraus. Lampe stöhnt leise auf.

In seinem mittlerweile 15. Jahr als Leiter der Theater-AG an der Alfred-Delp-Schule (ADS) muss aber schon mehr passieren, um den Schauspiellehrer aus der Fassung zu bringen. Und dass es nicht von vorneherein reibungslos läuft, wenn Theater- und Bühnen-AG erstmals zusammenarbeiten, ist auch nicht verwunderlich. Dennoch: Es bleiben nur noch wenige Tage, bis das Stück „Die ungeheure Geschichte von Jekyll und Hyde“ in der Aula der ADS Premiere feiert. Seit Beginn des Schuljahrs im September trifft sich die Gruppe der gymnasialen Oberstufe regelmäßig. „Wir sind gewachsen im Vergleich zum Vorjahr“, freut sich Lampe, der gemeinsam mit Tanja Mohrhardt die Leitung übernommen hat. Einige Jugendliche sind bereits zum zweiten oder dritten Mal dabei, manch ein Theater-Neuling wird schon bald zum ersten Mal Bühnenluft schnuppern. Zuerst galt es allerdings, ein passendes Stück auszuwählen. Keine leichte Aufgabe: Die AG besteht seit rund 35 Jahren, in dieser Zeit wurde dem Publikum immer etwas Neues präsentiert. Als die Wahl auf das Stück frei nach der Schauernovelle von Robert Louis Stevenson fiel, wurde ab den Herbstferien wöchentlich geprobt.

Im London Ende des 19. Jahrhunderts ist der Naturwissenschaftler Dr. Jekyll besessen davon, mittels einer Tinktur die Spaltung seiner Persönlichkeit zu erwirken. Das Experiment glückt: Heraus kommt Mr. Hyde, Jekylls dunkle Seite. Doch besessen vom Bösen treibt Hyde immer weiter sein Unwesen. Während Jekyll von einer Person gespielt wird, kommt Hyde sogar in zweifacher Ausführung auf die Bühne. „Hyde erfährt während des Stücks noch eine Steigerung seines dunklen Wesens“, erklärt Lempe.

Maurice Göbel spielt den ganz bösen Hyde. „Die Rolle ist klasse“, schwärmt der Zwölftklässler, der bereits im zweiten Jahr in der Theater-AG ist. „Ich kann dabei völlige Ekstase ausleben.“ Selbstüberschätzung, Konflikte, die mit Gewalt gelöst werden, zurückgewiesenes Ego und Kontrollverlust – Göbel zeigt auf der Bühne facettenreich, wie dunkel das Innerste eines Menschen sein kann. Friedlicher geht es währenddessen bei einer Ballszene zu. Um mehrere Handlungsstränge darzustellen, die zur selben Zeit passieren, frieren die Nachwuchsschauspieler auf der Bühne ein, wenn ihr Part beendet ist. Indes drehen sich die Tanzpaare munter weiter im Kreis. Gelächter ist hier und da zu hören, wenn wieder einer aus dem Takt fliegt oder die Füße des Gegenübers zwischen den eigenen Beinen spürt. „Die Tanzszene ist nicht leicht“, sagt Lampe schmunzelnd. Einige proben aber auch nicht mit ihren eigentlichen Partnern. „Manche sind krank“, sagt Lampe. Von Aschermittwoch bis zur Premiere wird an drei Tagen von 7.45 bis 18 Uhr intensiv am letzten Feinschliff gearbeitet. Einen großen Schritt voran gebracht hat die Gruppe auch eine Probewoche im Januar in Ernsthofen. „Da sind wir zusammen geschweißt und haben unsere Rollen verinnerlicht“, berichtet Lampe.

Wird Hyde sich seiner guten Seite besinnen oder bleibt er am Ende doch böse? Auf das Ende dürfen die Zuschauer gespannt sein – es ist nämlich anders als im Skript von Clemens Allweyer vorgegeben.

Kommentare