Theaterszenen zu Nachtwächterrundgängen

Lästern über „Plästerer“

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Lokalhistorie zum Miterleben: Das Theaterensemble des Heimatvereins präsentiert als Höhepunkt der Nachtwächterrundgänge Szenen aus der Dieburger Pflasterer-Epoche.

Dieburg - Wie lässt sich Lokalhistorie kurzweiliger erleben als im Gefolge des Nachtwächters durch die vorweihnachtliche leuchtende Altstadt zu pilgern? Ganz klar: Bei einem Abstecher zu Familie Baumgart in die Schlossgasse 4. Von Ursula Friedrich 

Dort wurde das Publikum am Freitag zu Zeitzeugen, die Gartenlaube zur Bühne. Und die Aktiven des Heimatvereins zum Theaterensemble. „Also ihr Leit!“...so begann bereits traditionell das muntere Schaustück, dass alle Gäste – dem Nieselregen zum Trotz – zurück in die Epoche der „Plästerer“ entführte. Die Zeitreise begann im 18. Jahrhundert, als Dieburgs Handwerker halb Süddeutschland pflasterten, bis hin in luftige Höhe von Alpenpässen.

„Im Sommer häwwe mer koi Männer un im Winter koi Geld“, klagten die Plästererweiber – wobei das Fehlen des Letzteren das schlimmere Manko schien. Statt mit der Lohntüte schließlich direkt Heim und Familie anzusteuern, steuerte das Mannsvolk die nächste Kneipe an. „Die Lunkenheimers Marie fängt die Männer uf de Frankfurter Stroß’ regelrecht ab“, wetterten die Hausfrauen wider die geschäftstüchtige Wirtin. In eine ganz andere Richtung ging die Klage der Gatten: „Des Gebrebel geht mer uff de Geist!“. Herzerfrischende Dialoge mit zeitlichen Bezügen hatte die Autorin der Szenen, Sonja Werner, ihren Darstellerkollegen in den Mund gelegt – und vielen schien ihre Rolle direkt auf den Leib geschneidert zu sein. Kinder ab neun Jahren und Laienspieler jenseits des 80. Lebensjahres führt die gemeinsame Passion des Theaterspiels in der Vorweihnachtszeit zusammen.

Am kommenden Freitag, 18. Dezember, 18 und 18.30 Uhr geht es mit dem Nachtwächter des Heimatvereins noch zweimal durch Dieburg - als Höhepunkt zeigt das Laienensemble erneut sein rund zwanzigminütiges Volkstheater. Dessen Mundartdialoge haben durchaus auch philsophischen Wert, wie Ausscheller Michel lautstarl bewies: „Denkt dran: Man kann sich drehe und wende wie mer will – de Oarsch is immer hinne.“

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