„Safety Car“ beim Dreiecksrennens

Symbol der alten DDR: Renn, Trabi, renn!

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Voll auf Kurs ist hier Roland Gabeles „Safety-Car“ beim Dieburger Dreiecksrennen. J Fotos:

Dieburg - Auf einmal stand er am Straßenrand, parkte plötzlich vor Supermärkten: der Trabi rollte im November 1989 erstmals nach Westen. Als die Grenzen offen waren, erkundeten viele „Ossis“, die damals noch gar nicht so hießen, mit dem Trabant das unbekannte Terrain. Von Lisa Hager

Und einige Exemplare des DDR-Volksautos aus Zwickau sind sogar geblieben – aus unterschiedlichsten Gründen. Ronald Gabele kam ganz spontan zu seiner „Rennpappe“ – fast wie die Jungfrau zum Kind. „Nicht, dass ich direkt nach einem gesucht hätte“, sagt der Dieburger augenzwinkernd, der Vorsitzender des örtlichen Automobilclubs im ADAC ist und als Chef einer Mietstation auch beruflich viel mit Motorisiertem zu tun hat. Aber als er das im DDR-Volksmund auch „Sachsenporsche“ oder „Fluchtkoffer“ genannte Wägelchen 1998 bei einem Dieburger Autohändler stehen sah, war es doch so etwas wie eine ost-westdeutsche Liebe auf den ersten Blick. Ein Ostberliner hatte sich bei dem Händler ein Fahrzeug westdeutscher Produktion gekauft und den Trabi einfach in Zahlung und ihm den Laufpass gegeben.

Für 600 Euro ging die „überdachte Zündkerze“ (das ist jetzt Spitzname Nummer 4) des Baujahrs ‘88 in Gabeles Besitz über. Aber damit hatte er sich auch die „Edelausstattung“ des „Kombi de Luxe“ eingehandelt: Sie besteht aus Nebelschlussleuchte, zweifarbiger Lackierung und einer Leuchtdiodenreihe, die den Spritverbrauch anzeigt. „Naja, eigentlich zeigen die Lämpchen nur an, dass man viel Gas gibt“, schmunzelt Gabele. Je mehr man das Pedal durchdrückt, umso heller leuchten sie. Und noch etwas gab es gratis dazu: Im Handschuhfach lag eine Deutschlandkarte in Russisch.

Auf dem Firmenhof Gabeles traf der „Mercedes Krenz“ (Spitzname Nummer 5 nach dem Staatsratschef der DDR) dann auf einen echten „Ossi“, der sich seiner annahm: Jörg Nolte war 1991 aus Mühlhausen in Thüringen nah der hessischen Grenze nach Dieburg gezogen. „Ich habe früher selbst einen Trabi gefahren“, sagt der Instandhaltungsmechaniker. „Aber als Limousine, nicht als Kombi.“ Das Innenleben eines Trabanten kennt er wie seine Westentasche, schließlich musste man in der DDR immer viel schrauben, um das Gefährt, auf das oft Jahre warten musste, auch möglichst lange am Leben zu erhalten.

Das Auto der Einheit: 50 Jahre Trabant 601

„Wir haben ihn hier quasi komplett neu aufgebaut“, sagt Nolte und rattert mit dem auch neu lackierten Teil – immerhin 19 kw! – zu Demonstrationszwecken einmal über den Hof. Stimmt es wirklich, dass die Trabis aus Pappe gemacht sind? Die Gretchen-Frage der Westjournalistin beantwortet er ebenso cool wie er die H-Lenkradschaltung betätigt. „Das ist mit Dampf gepresste Duroplaste“, sagt er. Allerdings ist er davon überzeugt, dass dabei auch noch „günstigere“ Fasern mitverarbeitet wurden. Unterm Lack ist der Trabi schmutzigbraun, nach einem Crash sieht er verdächtig nach zerdrückter Pappschachtel aus. Aber Ronald Gabeles stolzem Trabi mit dem Kennzeichen „DI-RG 123“ kann das nicht passieren: Er hat Motorsportgeschichte geschrieben – beim Dieburger Dreiecksrennen mit spektakulären Auftritten als „Safety Car“. Er hat das geschafft, was vielen „rübergemachten“ Neubürgern aus der Ex-DDR nicht gelang: im Westen Karriere machen.

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