Jubiläum des Jugendcafés

„Träume sind die gleichen geblieben“

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Den vollen Durchblick hat Stadt Jugendpfleger Paul Huttarsch: Nach 25 Jahren weiß er wohl am besten, was den Jugendlichen Spaß macht. Dazu zählen auch Klassiker wie Torwandschießen. In einem Graffiti-Kurs wurde das Zielobjekt für die Kicker von kreativen Kids verschönert (siehe Bild).

Dieburg - Ob Ferienspiele oder Filmnachmittage, Mädchentreff oder Malstunde – das Jugendcafé hat für jeden Geschmack etwas im Angebot. Und das seit 25 Jahren. Zum Jubiläum hat Konstanze Löw vom DA mit dem Mann, der von der ersten Stunde an dabei ist, gesprochen.

Stadtjugendpfleger Paul Huttarsch blickt im Gespräch vor und zurück.

Herr Huttarsch, ein Viertejahrhundert Juca ist ein toller Grund zum Feiern. Erinnern Sie sich noch an Ihre Anfänge?

Ja, daran kann ich mich noch gut erinnern. Seit April 1990 bin ich Stadtjugendpfleger. Kurz danach wurde von der Stadt beschlossen, dass ein extra Haus für die Jugendförderung gebaut werden soll. Wir haben die Kinder in die Gestaltung mit einbezogen und am 8. November 1991 sind wir Auf der Leer eingezogen.

Inwiefern haben sich seitdem die Angebote verändert?

Die haben sich sehr gewandelt! Früher stand alles rund ums Kino – von Filmprojekten bis zum Kinoabend – im Vordergrund und war unglaublich gefragt. Heute reicht das nicht mehr aus. Die Kinder und Jugendlichen wollen mehr Projekte und mehr mitgestalten.

Was bedeutet das genau? Der klassische Bastelnachmittag ist uninteressant geworden?

Ja, das kann man so sagen. Durch die neuen Medien hat sich vieles verändert. Die Kids schreiben bei WhatsApp und kommunizieren dort, da brauchen sie das Juca nicht mehr unbedingt als Raum, in dem sie sich treffen können. Kreativangebote wie Bastelnachmittage kommen eher bei den Jüngeren gut an.

Und was erwarten die Teenager?

Bei den Jugendlichen passiert durch Smartphones vieles virtuell. Deshalb versuchen wir, die virtuelle Welt mit Angeboten und Aktionen mit echten Erlebnissen zu ergänzen. Gefragt sind dann vor allem Ausflüge, bei denen man real etwas am eigenen Leib erleben kann – Skifreizeiten oder Graffiti-Kurse zum Beispiel.

Hat sich durch die neuen Medien auch Ihre Arbeit verändert?

Vor allem die Kommunikation mit den Jugendlichen hat sich verändert. Früher haben wir Flyer ausgehängt, heute schreiben wir über Facebook.

Wie sieht es bezüglich der Jugendlichen aus? Gibt es Unterschiede zu den Kids vor 25 Jahren?

Die Jugend selbst hat sich nicht verändert, eher ihre Lebensumstände. Sie stehen mehr unter Leistungsdruck in der Schule und haben weniger Freizeit. Aber ihre Träume und Wünsche sind die gleichen geblieben. Auch beim Verhalten kann ich eigentlich gar keine Unterschiede erkennen.

Haben Sie ein Beispiel dafür?

In jeder Generation gibt es zwei Arten von Jugendlichen. Zum einen die, die kommen und das Angebot wahrnehmen und einfach Unterhaltung suchen. Zum anderen gibt es die, die viel leisten, Teams organisieren und Aktionen mitplanen und durchführen. Von ihrem Einsatz profitieren am Ende natürlich alle.

In Ihrem Büro zieren etliche Bilder von unterschiedlichen Ausflügen und Aktionen die Wände. Können Sie ein paar Highlights nennen?

Da gibt es einige! Ein persönlicher Höhepunkt ist der Aufbau des deutsch-tschechischen Jugendaustauschs mit Mladá Boleslav. Auch Verschiedene Filmprojekte, die über Dieburg hinaus für Begeisterung sorgten, machen mich ganz besonders stolz. Ein immer wiederkehrendes Highlight ist definitiv die Skifreizeit. Es macht Spaß, Jugendlichen den Wintersport näherzubringen.

25 Jahre Juca, 25 Jahre Stadtjugendpfleger. Gibt es da überhaupt noch Herausforderungen in Ihrem Arbeitsalltag?

Ich kann es selbst manchmal auch nicht glauben. Aber ja, es gibt fast täglich neue Herausforderungen – selbst nach 25 Jahren noch. Das Schöne aber auch Anstrengende an meinen Job ist, dass ich alles selber mache: Planung, Kalkulation, Einkauf, Reservierungen und Betreuung. Zu loben ist an der Stelle vor allem, dass die Jugendarbeit in den letzten Jahren viel professioneller geworden ist und mehr Stellen geschaffen wurden. Das sieht man daran, dass ich es vom Ein-Mann-Betrieb in ein Team von fünf Kollegen geschafft habe.

Was wünschen Sie dem Juca für die nächsten 25 Jahre?

Ich wäre vor allem dann zufrieden, wenn auch nach meinem Ausscheiden in die Rente das Juca gepflegt wird. Außerdem wünsche ich mir, dass sich die Stadt weiter für die Jugendarbeit einsetzt und politisch hinter uns steht.

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