„Barrierefreies Dieburg“ plant Stelen mit Piktogrammen

Auch Analphabeten sollen den Weg finden

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So könnte eine Stele mit den Piktogrammen bald an drei Orten in Dieburg stehen: Helmut Schelter und Eva Rosenau mit einer Skizze Schelters.

Dieburg - Es sind bewegte Tage für „Barrierefreies Dieburg“: Vor kurzem hatte der Verein seine Jahreshauptversammlung und wählte seinen Vorstand neu. Dabei ging es auch um ein neues Projekt, dessen Ergebnis im Frühjahr in der Stadt zu sehen sein wird. Von Jens Dörr

Zudem sind einige Vereinsmitglieder nächsten Samstag (12. Dezember) in besonderer Mission und in Erwartung eines echten Geldregens beim Heimspiel des SV Darmstadt 98 gegen Hertha BSC Berlin zu Gast. Hier haben Dieburger noch die Chance, sich für die gute Sache zu engagieren und zugleich freien Eintritt für die bereits ausverkaufte Bundesliga-Partie zu erhalten.

Bei den Vorstandswahlen gab es nur eine Veränderung: Nicht mehr kandidiert hatte Beisitzerin Regine Graming, für sie ist Monika Eberl-Reifenberg ins Führungsteam nachgerückt. Die anderen Vorstandsmitglieder wurden in ihren Ämtern bestätigt: Eva Rosenau (erste Vorsitzende), Anna Klose (zweite Vorsitzende), Miriam Eicke (Schriftführerin) und Björn Klose (Kassenwart) bleiben die ersten Ansprechpartner des Vereins, der sich um die Barrierefreiheit im Baulichen wie in den Köpfen sowie um die Teilhabe wie auch immer gehandicapter Menschen in Dieburg verdient macht. Mit Anna und Björn Klose sowie Eva Rosenau sind damit noch immer drei Gründungsmitglieder im Vorstand aktiv. Rosenau hob zudem das Engagement der nicht gewählten, aber wichtigen Beraterin Ida Klose hervor.

Nun zum Vorhaben mit den Piktogrammen: Dabei handelt es sich um einfache bildliche Darstellungen etwa von Gebäuden oder Sehenswürdigkeiten. Sie erleichtern Menschen, die nicht lesen können und denen übliche Textwegweiser entsprechend nicht weiterhelfen, die Orientierung. „In Dieburg gibt es sehr viele lernbehinderte Menschen, weil es hier sehr viele Angebote für sie gibt“, so Rosenau. In der Stadt und im Industriegebiet-Nord gibt es zahlreiche schulische Angebote, Freizeitmöglichkeiten und Werkstattplätze für sie. Auch Ausländer, unter anderem die derzeit mehr als 120 Flüchtlinge Dieburgs, fänden wichtige Ziele durch Piktogramme besser.

Stelen dort, wo die Menschen in Dieburg ankommen

Die Idee dazu hatte Vorstandsmitglied Miriam Eicke, die als Heilpädagogin arbeitet. Geplant sind zunächst drei Stelen aus Aluminium, die bis zu drei Meter hoch werden sollen und mehrere quadratische Piktogramme von 25 auf 25 Zentimetern aufweisen sollen. Unter anderem Rathaus, Museum, Bücherei und Fußgängerzone sollen darauf dargestellt werden. Rosenau zu den Orten: „Die Stelen sollen dort aufgestellt werden, wo die Leute in Dieburg ankommen – am Bahnhof, auf dem Leer-Parkplatz und auf dem Marktplatz.“ Umgesetzt wird das aus Vereinsmitteln zu stemmende Projekt in Zusammenarbeit mit dem Dieburger Unternehmen Atelier für Schrift & Form um Helmut Schelter. Der Verein hat zudem Kontakt mit der Stadt aufgenommen, deren Bauhof beim Aufstellen der Stelen helfen könnte.

Viel Geld für andere Zwecke, insbesondere den weiteren Ausbau von Funkklingeln und Rampen an Geschäften der Innenstadt, winkt dem Verein am Samstag: Dann darf er im Rahmen einer regelmäßigen Aktion des SV-98-Premiumsponsors PEAK im Merck-Stadion am Böllenfalltor Lose an die Fans verkaufen. Diverse Preise werden dabei gesponsert, den Erlös darf „Barrierefreies Dieburg“ für Klingeln und Rampen verwenden. Zudem stockt PEAK den Betrag je nach Spielausgang auf. Bisherige Nutznießer dieser Saison nahmen meist zwischen 5 000 und 8 000 Euro ein. „Barrierefreies Dieburg“ darf am Samstag mit 16 Personen, die freien Eintritt haben, im Stadion aktiv sein. Wer vor dem Spiel und in der Pause beim Losverkauf hilft, kann sich in der übrigen Zeit gratis das Bundesliga-Spiel der „Lilien“ gegen Berlin ansehen. Noch werden Helfer gesucht, Ansprechpartnerin ist Eva Rosenau (0176 /20936938).

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