Verwilderte und kranke Katzen in Dieburg

Nicht nur schmusen, auch schützen

+
Fünf schmusen in einem Körbchen: Ein Katzenleben kann so schön sein. Für herrenlose Samtpfoten ist das Leben auf der Straße oft ein Elend. Die Kastrationspflicht soll Besserung bringen.

Dieburg - Schlafen, essen, beschmust werden, spielen und draußen herumstreunern: Ein Katzenleben kann so schön sein! Doch in Dieburg ist die Zahl der verwilderten, kranken und herrenlosen Samtpfoten in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen. Nun wurde eine Kastrationspflicht für Hauskatzen mit Freigang erlassen. Von Konstanze Löw 

„In Dieburg leben 300 bis 400 verwilderte Katzen“, berichtet Ordnungsamtsleiterin Christiane Preiß – und stellt damit gleich das Kernproblem dar: Dieburg hat mit herrenlosen Samtpfoten zu kämpfen, die auf der Straße leben und darauf angewiesen sind, an Futterstellen Nahrung zu ergattern. „Meistens sind die Katzen nicht geimpft, krank, abgemagert und unkastriert“, erklärt Preiß. In Letzterem liegt die Gefahr. „Durch das unkontrollierte Fortpflanzen verschlimmert sich das Elend immer weiter“, alarmiert auch Gabriele Dobner von den Tierfreunden Dieburg.

Katzen können ab einem Alter von sechs Monaten trächtig werden und das zwei Mal im Jahr. Pro Wurf gibt es bis zu sieben Junge. „Wenn man diese Zahl hochrechnet, ist das wirklich besorgniserregend“, findet Dobner. Und ist mit ihrer Ansicht nicht alleine. Vor einigen Wochen haben die Tierfreunde dem Magistrat der Stadt Dieburg ein Konzept vorgelegt, das aufgrund von jahrelang gesammelten Daten das Katzenelend in der Gersprenzstadt aufzeigt. Die einzige Möglichkeit, dem Leiden auf der Straße lebender Samtpfoten Einhalt zu bieten, sei die Kastrationspflicht für Stubentiger mit Freigang. Diese Meinungen teilen auch das Hessische Ministerium für Umwelt und die Tierschutzorganisation Tasso. „Nur durch die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht kann das immense Katzenelend

auf Dauer gemindert werden“, bezieht Tasso-Leiter Philip McCreight Stellung zur Problematik. Vorbild für den Entschluss des Magistrats war zudem auch die Stadt Darmstadt, in der seit etwa acht Monaten Kastration verpflichtend ist – mit bisher durchweg positiven Erfahrungen. Wie genau die Stadt Dieburg das Problem mit den streunenden Katzen in den Griff bekommen möchte, steht in der Katzenschutzverordnung, die seit vergangener Woche gilt.

Darin ist nicht nur die Kastrationspflicht niedergeschrieben, sondern auch, dass die Freigänger ab dem fünften Lebensmonat mittels Mikrochip und/oder Tätowierung zu kennzeichnen sind. Auch Bürger, die den freilaufenden Vierbeinern regelmäßig Futter zur Verfügung stellen, gelten als Katzenhalter und sind damit von der Kastrationspflicht betroffen.

Wird eine fortpflanzungsfähige Katze, die freien Auslauf hat, angetroffen, so kann der Halter dazu aufgefordert werden, das Tier kastrieren zu lassen. Ist die Katze nicht tätowiert oder gechipt, obliegt es der Stadt, die Behandlung auf Kosten des Halters durchführen lassen, heißt es in der Verordnung.

20 kuriose Tier-Urteile

Dass gerade die Kontrolle dieser Regelungen nicht einfach umsetzbar ist, weiß auch Dobner. Doch sie sieht die Verordnung vor allem als gute Möglichkeit, um eine Sensibilisierung für das Thema „Katzenelend“ bei den Bürgern hervorzurufen. „Denn viele wissen gar nicht, was für ein Leid auf den Straßen und abseits davon herrscht“, sagt Dobner. Der Vorsitzenden der Tierfreunde brennt das Thema schon seit Jahren, gar Jahrzehnten, unter den Nägeln. Denn gerade Tierheime, Auffangstationen und Tierschutzorganisationen sind diejenigen, die – neben den Vierbeinern – unter der unkontrollierten Vermehrung leiden.

„Inzucht, Krankheiten, zu wenig Nahrung und kein Zuhause – das sind die Lebensbedingungen freilebender Katzen“, weiß Dobner. Und spricht sich deshalb durchweg für die Kastrationspflicht aus: „Mit 50 Euro für Kater und 100 Euro für die Kastration einer Katze muss der Besitzer ungefähr rechnen. In der heutigen Zeit, in der wir die moderne Medizin haben, sollten wir sie auch zum Wohle unserer Haustiere nutzen“, so der Appell.

Und die Vorsitzende weiß am besten, wie kranke, herrenlose Katzen Tierheime und Tierschutzvereine belasten. „Wir sind am Ende unserer Kapazitäten, wir haben so viel Arbeit mit den Kätzchen – vom Aufpäppeln bis zu weiteren Vermittlung“, erklärt sie. Auch das sei ein Grund für die Pflicht, denn mit der Verordnung können die Kassen der Kommunen und die Auffangstationen deutlich entlastet werden.

Dobner und Ordnungsamtsleiterin Preiß sehen durchaus auch die Tierhalter in der Pflicht. Sie beide hoffen darauf, dass Katzenbesitzer einsehen werden, dass eine Kennzeichnung des eigenen Streuners durch eine Tätowierung und/oder einen Chip dessen Zuordnung im Vermisstenfall gewährleistet. In Sachen Kastrationspflicht hoffen alle Beteiligten vor allem auf die Einsicht der Tierliebhaber: „Das Katzenelend zu stoppen, sollte ja vor allem in ihrem Interesse sein.“

Kommentare