Dieburger Freibad profitiert von Spätsommerhitze

Rekord: Mehr Badegäste als sonst

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Mit dem Sprung vom Turm ist es ab morgen vorbei: Das Dieburger Freibad hat heute zum letzten Mal in der Saison geöffnet.

Dieburg - Der unverhoffte Spätsommer mit Temperaturen über 30 Grad hat dem Dieburger Freibad noch einmal Rekordbesucherzahlen beschert. Heute ist die letzte Gelegenheit zum Sprung ins kühle Nass. Eine Verlängerung gibt es nicht. Von Michael Just und Lisa Hager

Wie Erster Stadtrat Wolfgang Schupp auf Anfrage mitteilt, werde es im Dieburger Freibad keine Verlängerung über den heutigen Donnerstag hinaus geben. Hauptursache dafür sei, dass das Personal im Groß-Zimmerner Hallenbad gebraucht werde, das öffne, wenn das Dieburger Freibad schließe. Seit einigen Jahren betreiben die Stadt Dieburg und die Nachbargemeinde eine Bädergemeinschaft.

Viele werden das Planschen unter freiem Himmel vermissen – auch die Frühschwimmertruppe in Dieburg. Wer zuhause bei Lisa Böhle auf den Kalender schaut, kommt erstmal ins Grübeln: Fast sämtliche Tage der letzten Monate sind mit einem „S“ markiert. Doch was bedeutet das? „Das heißt, dass ich an diesem Tag im Schwimmbad war“, erklärt die 81-Jährige. Mittlerweile ist das „S“ über 110 Mal vermerkt. Die Erklärung dafür ist nicht schwierig: Die Rentnerin besitzt eine Dauerkarte und zieht als sogenannte „Frühschwimmerin“ allmorgendlich ihre Bahnen. Rund 50 Frühschwimmer gibt es in Dieburg, die sich den täglichen Sprung ins Nass, egal bei welchem Wetter, nicht nehmen lassen. Sie kommen um 8 und 9 Uhr in zwei Schüben. „Über die Jahre sind die Frühschwimmer fast familiär zusammengewachsen“, weiß Christian Spreter (76). So wird das Anschwimmen im Mai mit einem Sekt nach dem Baden gefeiert. 

Mit Blick auf den letzten Öffnungstag am heutigen Donnerstag, stand gestern ein gemeinsames Frühstück an, zu dem alle etwas beitrugen. Zum Abschluss hatte Christian Spreter ein kleine Überraschung vorbereitet: Er überreichte der ältesten Frühschwimmerin ein großes Portraitfoto, das er von der Seniorin gemacht hatte. Die rüstige Frau heißt Elisabeth Reinold und ist 91 Jahre alt. Dass der Sommer 2016 die längste Zeit seinen Namen nicht verdiente hatte, störte Reinold nicht: „Da wird eben mit der Windjacke ins Schwimmbad geradelt“, sagt sie. Den gesundheitlichen Aspekt dieser regelmäßigen Rosskur sieht man ihr und fast allen Frühschwimmern an: Sie sehen durch die Bank fünf bis zehn Jahre jünger aus, als sie tatsächlich sind. „Erkältet bin ich im Sommer nie“, berichtet denn auch Hanne Kramer (76). 

Täglich schwimmt sie eine Stunde und legt dabei über 1 200 Meter zurück. Als kein großes Thema erwies sich gestern beim Abschwimmen die bevorstehende Sanierung des Dieburger Freibads. Hier hoffen die meisten auf die Worte des Bürgermeisters, dass die Arbeiten peu a peu erfolgen und der Badebetrieb nicht von außerordentlichen Schließungen betroffen ist. „Wir wollen und brauchen kein Erlebnisbad. Ein einfaches Becken reicht uns völlig aus“, heißt es unisono.

Wie werde ich...? Bademeister

Auffällig ist bei der Gruppe, dass der Frauenanteil überwiegt. „Die Männer machen die Betten, während wir schwimmen“, heißt es dazu schmunzelnd von weiblicher Seite. Auf Nachfrage offenbart sich, dass ein Teil der Frauen alleinstehend ist, bei den anderen ist die bessere Hälfte schlichtweg wasserscheu. „Meinen Mann habe ich das letzte Mal vor 20 Jahren in einem See schwimmen gesehen“, erzählt Hanne Kramer. Dass sie trotzdem den richtigen Partner hat, zeigt sich nach der Rückkehr aus dem Bad: „Dann hat mein Mann bereits das Frühstück vorbereitet.“

Mit dem gestrigen Abschwimmen war eine große Portion Wehmut verbunden. Der Abschiedssatz „Im nächsten Jahr sehen wir uns wieder“ war nicht nur einmal zu hören. Ein Teil wird sich nicht aus den Augen verlieren, denn der behält seinen Frühsport in den Hallenbädern der Umgebung bei. Kein Hallenbad-Fan ist Christian Spreter: „Ist das Freibad zu, geht es für mich und meine Frau in der kalten Jahreszeit mit Walking weiter“, sagt er. Dabei untermalt er nochmal seine Leitlinie, die auch für alle anderen Frühschwimmer gilt: „Bewegung ist das A und O im Leben.“

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