Wallfahrt als „Alleinstellungsmerkmal“

Das Licht des Glaubens im Herzen

+
Tausende Katholiken hatten sich auf dem Dieburger Wallfahrtsplatz vor der Lichterprozession versammelt und zogen dann in einer langen Lichterkette vom Außenaltar der Wallfahrtskirche aus durch einige Straßen der Stadt.

Dieburg - Im überwiegend katholisch geprägten Dieburg, das ein halbes Jahrtausend unter der Herrschaft der Mainzer Erzbischöfe stand, ist die Wallfahrt neben den anderen kirchlichen Hochfesten, die überall in den katholischen Pfarreien gefeiert werden, ein „Alleinstellungsmerkmal“.

Und immer noch – profan ausgedrückt – ein Publikumsmagnet. Gemeint ist vor allem die „Große Wallfahrt“ zum Fest „Mariä Geburt“, das am 8. September gefeiert wurde. Dazu gehörte schon am Vorabend, am Montag, die Lichterprozession. Tausende von Lichtern als Zeichen des Glaubens erhellten gleichsam den Weg der Gläubigen durch die dunkle Nacht, begleitet von Fürbitten und Gebeten. Und Tausende von Lichtern brannten ringsum auf den Umgrenzungsmauern des Wallfahrtsplatzes und markierten auch die Wege auf diesem Pilgerplatz, der vor mehr als hundert Jahren noch als Friedhof diente. Einzelne markante Grabmale sind an den Aussenmauern aus jener Zeit bis heute erhalten geblieben.

Zum Festgottesdienst mit Lichterprozession am Montag kamen viele Katholiken aus den Pfarreien der Umgebung, etwa aus Münster und Eppertshausen. Als besonderer „Stargast“ war der Abt des fränkischen Benediktinerklosters in Münsterschwarzach, Anselm Grün, gekommen, der sich auch als Autor spiritueller Bücher, als Referent, Kursleiter und geistlicher Berater einen Namen gemacht hat. Dieser charismatische Mönch war der Hauptzelebrant im Kreis von mehr als zehn Geistlichen auf dem Außenaltar. Auch die Dieburger Pfarrer waren dabei, Stadtpfarrer Alexander Vogl, Richard Neumann und George Ambadan.

Anselm Grün predigte über die „Sieben Schmerzen der Gottesmutter Maria“, die ja in der Pieta auf dem Hauptaltar der Dieburger Wallfahrtskirche besonders verehrt wird. Kinder machen den Müttern nicht immer Freude. Maria ging es da nicht anders. Aber ihre Schmerzen waren deutlich markanter. Sie floh mit ihrem Kind nach Ägypten, fand ihn schon als Jugendlichen im Tempel, musste ihn am Kreuze und schließlich begraben sehen. Maria als Mutter hatte ihren Sohn nicht immer „unter Kontrolle, musste ihn schrittweise loslassen und erlitt dabei immer wieder „Schmerzen“, die sie aber in mütterlicher Liebe ertrug, schließlich auch dessen Tod. Die Pieta in der Wallfahrtskirche, die aus dem 15. Jahrhundert stammt und 1498 als Gnadenbild bischöflich anerkannt wurde, zeigt Maria als schmerzensreiche Mutter mit dem toten Sohn auf ihrem Schoß.

Zu all den sieben „Schmerzen“ fand der rauschebärtige Abt jeweils sinnreiche und anschauliche Beispiele für den Alltag auch der heutigen Gläubigen. Beim Tod begebe man sich in die Hand Gottes, sagte er. Und auch sonst im Leben sollte man das Loslassen üben und auch manchen Schmerz und Kummer, ebenso Schuldgefühle, „begraben“. Der Gottesdienst wurde mit Gesängen begleitet. Gebete und Fürbitten wurden bei der Lichterprozession gesprochen, darunter für die Flüchtlinge und unter anderem auch Politiker, die große Verantwortung übernehmen.

Mit brennenden Lichtern in den Händen zogen die Gläubigen singend und betend vom Wallfahrtsplatz aus durch einige Straßen der Stadt. Anschließend war die gesamte Nacht hindurch die jahrhundertealte Wallfahrtskirche, das älteste Gotteshaus Dieburgs, zu Gebet und Einkehr geöffnet. Und schon am frühen Morgen des 8. Septembers fanden sich die Pilger aus Kirchzell ein, die nachweislich seit 385 Jahren zum Gnadenbild aus dem 15. Jahrhundert nach Dieburg pilgern, freilich nicht mehr ausschließlich zu Fuß, wie vor Jahrhunderten.

Beim Festgottesdienst am 8. September, der Hauptwallfahrt, war übrigens Hermann Rudolf Münch der Prediger. Münch, der jetzt als Pfarrer im Ruhestand ist, war vor Jahren noch zusammen mit Lorenz Eckstein als Priester in Dieburg tätig. Bei seiner Predigt stellte er den „liebenden und verzeihenden Gott“ vor, nicht den strafenden. (ka)

Kommentare