Schornsteinfeger sind gern gesehen

Wenns Glück dir aufs Dach steigt

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Wenn der Schornsteinfeger klingelt – hier ist es der Dieburger Erik Marx in Gala-Uniform – freuen sich viele Menschen. Der Glaube, dass er Glück bringt, ist weit verbreitet.

Dieburg - Kleine putzige Schornsteinfeger in Glückskleetöpfchen gehören heute Abend zur Dekoration auf vielen Silvesterfeiern. Dass der schwarze Mann auf dem Dach Glück bringt, glauben auch heute noch viele Menschen. Was steckt dahinter? Von Ulrike Bernauer

Erik Marx hat sich in Schale geworfen. Seine Gala-Uniform hat er an, auch wenn die Arbeitskluft heute nur noch selten richtig schmutzig wird. Der Dieburger Marx ist Schornsteinfeger und gilt vielen Menschen, denen er begegnet, als ein Garant für Glück. „Dieser Glaube stammt aus dem Mittelalter“, erzählt Marx. „Damals waren die Schornsteinfeger noch auf der Wanderung. Jeder freute sich, wenn die Schornsteine in einem Dorf oder einer Stadt frisch gefegt waren. Das minderte die Gefahr von Bränden sehr, die damals mitunter ganze Dörfer vernichteten.“ Auch wenn ein Schornsteinbrand heute in der Regel nicht mal das betroffene Haus beeinträchtigt, der Glaube an die Glücksvermittlung dieses schwarzen Meisters oder Gesellen ist immer noch weit verbreitet.

So hat Marx neben seinem eigentlichen Beruf fast noch einen Nebenjob. Zu seinem Kehrbezirk in Darmstadt gehört auch der Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe. „Ich bekomme oft Anfragen von Verwandten oder Freunden von Hochzeitspaaren. Die buchen mich, damit ich gratuliere, einen Vers aufsage und auch mit auf das Foto komme“, sagt Marx, der diese Bitten in der Regel gerne erfüllt. Die Hauptfrage, allerdings nicht nur am Hochzeitsturm, ist dann: „Sind Sie ein echter Schornsteinfeger?“ Da muss er immer schmunzeln. Mit seinem eigentlichen Beruf hat das allerdings nichts zu tun, auch wenn sich der in den letzten Jahren stark gewandelt hat. Marx unterscheidet zwischen Stadt- und Landbezirken. Auf dem Land geht er häufig noch dem traditionellen Kehren nach, in der Stadt hingegen kommt das kaum noch vor. „Da arbeite ich den ganzen Tag und könnte ganz normale Kleidung tragen, ohne dass die am Abend schmutzig wäre.“ Wenn ein Schornsteinfeger einen eigenen Bezirk hat, dann gehört die Prüf- und Aufsichtstätigkeit zu den Hauptaufgaben. Zumal in der Stadt, wo kaum noch jemand mit festen Brennstoffen heizt, sondern Fernwärme oder Gasheizungen für Behaglichkeit in den Wohnungen sorgen.

Marx hat allerdings auch größere Betriebe oder Einrichtungen zu prüfen. In Darmstadt gehören dazu viele Verwaltungen, aber beispielsweise auch die Entlüftungs- und Dunstabzugsanlage im Luisen-Center. „Da erledige ich dann Prüftätigkeiten und bei einem solchen Objekt bin ich dann einen ganzen Tag verschwunden und den Kehrbesen benötige ich auch nicht.“ Diese Abwechslung gefällt dem 50-Jährigen, der 30 Jahre Berufserfahrung hat. „Ich weiß nie so genau, was mich erwartet und der Kontakt mit so vielen unterschiedlichen Menschen macht mir auch viel Spaß“, sagt Marx. Gelernt hat er den Beruf in Dieburg, wo es in der Familie Thomas vier Fegemeister gab. Die haben viele Schornsteinfeger ausgebildet, weshalb hier auch noch heute viele Vertreter dieses Berufssstand ansässig sind. Marx fegt auch ein paar Schornsteine in der Heimatstadt, seine Haupttätigkeit übt er allerdings in Darmstadt aus, wo er seinen Bezirk hat.

Auf den hat er 19 Jahre gewartet. Seit das Monopol im Jahr 2012 gefallen ist, können sich Schornsteinfegermeister europaweit um einen Bezirk bewerben. „Das tut allerdings kaum einer, Voraussetzung dafür, in Deutschland einen Bezirk zu erhalten, ist eine Ausbildung mit den gleichen Anforderungen wie in Deutschland.“ In seinem Bezirk übernimmt der Meister die Prüftätigkeiten oder auch die Abnahme bei Neubauten oder Sanierungen. „Lässt sich jemand einen neue Heizung oder einen neuen Ofen einbauen, dann muss er das bei seinem Bezirksschornsteinfeger anmelden.“ Kehren hingegen kann seit der Abschaffung des Monopols jeder Schornsteinfeger, der sich dafür anbietet. Der Beruf mit der dreijährigen Ausbildung ist nach wie vor beliebt. „Seit die Unklarheiten wegen des Wegfalls des Monopols beseitigt sind, gehen die Ausbildungszahlen durch die Decke.“ Auch Frauen erobern allmählich diese ehemals männliche Domäne: Vier junge Damen schlossen in diesem Jahr ihre Ausbildung zur Schornsteinfegerin im Bezirk Darmstadt-Dieburg ab. Auch Marx fegt sozusagen mit einer jungen Mitarbeiterin, die in diesem Jahr ihren Abschluss gemacht hat.

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