Initiative Kompass

„Wichtig ist, dass man überhaupt arbeiten kann“

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„Kompass“-Mitbegründer Bruno Schumacher (von rechts), Annette Claar-Kreh, Referentin für gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald, Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Rosemarie Lück (SPD) sowie Klaus Gerth-Koch („Strom-Spar-Check) diskutieren über zehn Jahre Hartz IV.

Dieburg/Groß-Zimmern - Zehn Jahre Hartz IV: Kompass-Empfang in Dieburg setzt sich kritisch mit dem Arbeitsmarkt auseinander.

"Noch immer gibt es Menschen, die arbeitslos sind - auch wenn die Statistiker der Bundesagentur sich Mühe geben, hier Personen raus zu rechnen", sagte Brun Schumacher, einer der Gründer der Arbeitsloseninitiative "Kompass".  Nachhaltige Arbeitsmarktpolitik sehe anders aus, so sein Fazit, denn neben den Menschen, die von Hartz IV leben müssten, gebe es auch die Angehörigen und Kinder, die mitbetroffen seien. Und dieser Personenkreis sei zahlenmäßig fast konstant geblieben, sagte Schumacher.

Deutliche Worte waren beim Neujahrsempfang der Arbeitsloseninitiative „Kompass“ zu hören, der unter dem Motto „Zehn Jahre „Hartz IV – (K)ein Grund zum Feiern“ stand. Neben Vertretern anderer Initiativen, des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Kirchen kamen Teilnehmer von Qualifizierungsmaßnahmen sowie Bürgermeister und die Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück sowie der Leiter der Kreisagentur für Beschäftigung, Roman Gebhardt.

Individuelle Bedürfnisse Arbeitsloser

So war dann auch die Frage an die Sozialdezernentin, die vor zehn Jahren für den Kreis die Optionskommune in Form der Kreisagentur für Beschäftigung aufgebaut hat, welche Ansätze sie hatte und welche Aufgaben sie heute sieht. „Zunächst gab es viel mehr personengebundene Sozialarbeit – das aber war nicht mehr gewollt“, sagte Lück. „Dennoch: Der Kreis wollte näher dran sein, denn was Arbeitslose im Landkreis Darmstadt-Dieburg brauchen, sieht in Hamburg oder im Kreis Miesbach anders aus.“ Als Aufgabe sieht Lück den Aufbau einer ehrlichen Statistik und eine Arbeitsmarktvermittlung, die dem Personenkreis nachhaltig hilft. Der Kreis habe in zehn Jahren gelernt, dass es mehr und unterschiedliche Unterstützungsformen geben müsse für bestimmte Lebenslagen – für Junge andere als für Alleinerziehende oder Ältere.

Ähnlich äußerte sich auch Klaus Gerth-Koch. Er berichtete, wie er nach der Selbständigkeit direkt in Hartz IV rutschte und dann durch einen Ein-Euro-Job und das Projekt „Strom-Spar-Check“ heute eine qualifizierte Aufgabe hat. „Auch wenn es wenig Geld ist, wichtig ist doch, dass man eine sinnvolle Aufgabe hat und arbeiten kann“, sagte er.

Erfolgsgeschichte einer Musikerin

Auch Florence Geiß, die mit ihrer Band „Red Head Chicks“ den Empfang musikalisch rockte, hat Erfahrungen mit der Arbeitslosigkeit gemacht. Nach einer Kündigung, bedingt durch Krankheit, fiel sie in ein Loch. Manche Angebote der Agentur liefen ins Leere. Aber dann kam sie in das Projekt „Mein Impuls 50plus“ und belegte den Kurs „Kreativität“. „Erst dachte ich: Was soll denn das? Aber dann war es doch der entscheidende Wink: Wir haben unsere Band gegründet und sind aktiv geworden. Heute habe ich einen Teilzeitjob und bin froh, dass ich einen Chef habe, der auch Menschen mit Handicap einstellt – und trotzdem gute Erfahrungen macht.“ Ihr habe auch die Fallmanagerin geholfen.

Dass auch das Personal in der Vermittlungsbehörde unterschiedlich ist, war dann bei einigen Wünschen zum neuen Jahr zu spüren: Der Umgang miteinander sei oft konfliktbeladen und unwürdig. Dass sich dies auf beiden Seiten bessern möge, bleibt hoffentlich kein frommer Wunsch, sondern Aufgabe der Kreisagentur für die kommenden Jahre. 

Studie: Diese Jobs bringen weniger als Hartz IV

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(eha)

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