Lediglich Weaning-Zentrum wechselt nach Darmstadt

St. Rochus Krankenhaus schließt

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Das St. Rochus Krankenhaus liegt nicht nur im Herzen der Stadt Dieburg (Bildmitte), sondern den Dieburgern auch am Herzen. Jetzt soll es Ende Juni endgültig geschlossen werden.

Dieburg - Jetzt ist es soweit: Was viele schon lange befürchtet haben, wird Realität. Ab 1. Juli hat Dieburg kein Krankenhaus mehr. Die rund 100 verbliebenen Mitarbeiter des ehemals vom Bistum Mainz betriebenen Krankenhauses sind am Dienstag über die bevorstehende Insolvenz informiert worden. Von Lisa Hager 

Entsprechend groß ist die Trauer unter den Mitarbeitern, von denen einige schon seit 40 Jahren und mehr im Krankenhaus arbeiten. Eine Angestellte, die namentlich nicht genannt werden möchte, schilderte die Stimmung. „Es sind Tränen geflossen und das nicht nur, weil einige nicht wissen, wie es jetzt beruflich für sie weitergeht. Wir alle sind traurig, weil wir doch dem Krankenhaus gegenüber so viel Solidarität gezeigt und es immer verteidigt haben“, sagt sie.

Das Personal hatte schon durch das Schutzschirmverfahren, das seit Anfang diesen Jahres angewandt wurde und eine Art Insolvenz in Eigenverwaltung ist, etliche Einbußen hinzunehmen. Man habe beispielsweise aufs Weihnachtsgeld verzichtet und Mehrarbeit mitgetragen. Erst im Januar hatten 15 weitere Mitarbeiter gehen müssen. Wie die Klinikum-Sprecherin Eva Bredow-Cordier damals mitteilte, wolle man Zeit gewinnen, um die Sanierungspläne in Eigenregie umzusetzen und den „Fortbestand des Hauses zu sichern“.

Die erste größere Kündigungswelle hatte es schon 2014 gegeben – damals noch unter der Regie des Bistums Mainz, das nur noch zehn Prozent Anteile am Rochus hält. Beim Verkauf der 90 Prozent ans Klinikum Darmstadt im März 2015 war ein fünfjähriger Bestandsschutz vereinbart worden. Der für die Kliniken des Bistums zuständige Pfarrer Angelo Stipinovich hatte betont, dass der Erhalt des weiterhin katholisch geprägten Krankenhauses für die Bürger im Vordergrund der Verkaufsüberlegungen gestanden habe.

„Die Klinik Darmstadt hat im Bieterverfahren deshalb den Zuschlag erhalten, weil ihr medizinisches Konzept überzeugt und sie die Stärken der einzelnen Standorte gut berücksichtigt hat“, sagte er damals. Die Bestandsgarantie von mindestens fünf Jahren, die das Klinikum gegeben habe, sei entscheidend für den Zuschlag gewesen. Betriebsbedingte Kündigungen der Mitarbeiter seien ausgeschlossen.

Weaning-Zentrum wechselt nach Darmstadt

Und jetzt kommt unter der Führung des Klinikums Darmstadt doch so schnell das komplette Aus? Die Mitarbeiter im Rochus konnten es am Dienstag noch nicht so recht glauben. Vor allem die Art und Weise, wie sie von ihrem Arbeitgeber informiert wurden, hat viele brüskiert. Am Dienstag gab es nicht nur die Mitarbeiterversammlung, bei der die Hiobsbotschaft verkündet wurde, sondern auch einen Brief für jeden. Darin wurden die Angestellten zu Einzelgesprächen aufgefordert – und die sollten auch gleich am selben Tag stattfinden. Etliche seien aber nicht dagewesen, einige hätten ja nicht so spontan Zeit für so ein wichtiges Gespräch. Den rund 20 Mitarbeitern der Intensivstation (Weaning-Zentrum) wurde gestern angeboten, nach Darmstadt zu wechseln. Sie sollen sich innerhalb einer Woche entscheiden.

Klinik-Sprecherin Bredow-Cordier bat um Verständnis dafür, keine detaillierten Fragen beantworten zu können. Stattdessen wurde auf Anfrage eine Pressemitteilung versandt. Am Dienstag seien die Mitarbeiter darüber informiert worden, dass das „Schutzschirmverfahren in eine reguläre Planinsolvenz überführt wird“, heißt es darin. Sie beinhaltet drei Säulen: Das Weaning-Zentrum, das auf die intensivmedizinische, therapeutische und pflegerische Entwöhnung von Patienten von Beatmungsgeräten spezialisiert ist, wird mitsamt seinem Team stabilisiert. „Für diesen Nischenbereich gibt es eine hohe Nachfrage“, heißt es.

„Für die anderen medizinischen Bereiche reicht die Auslastung bei der Dichte der Krankenhäuser in der unmittelbaren Umgebung nicht aus und das Angebot ist insgesamt zu klein, um das Haus wirtschaftlich auf gesunde Beine stellen und am Leben erhalten zu können“, geht es weniger optimistisch weiter. Daher wird das Klinikum die meisten Pflegekräfte in den Konzern überführen – bei Beibehaltung aller Besitzstände – inklusive Ausschluss einer Probezeit. „In individuellen Gesprächen wird entsprechend der Neigungen ein Angebot unterbreitet“, so die Klinik-Sprecherin. Der wachsende Maximalversorger suche Pflegefachkräfte für seine 21 Kliniken an seinen zwei Standorten. Damit erhalte die Klinikum GmbH einen Großteil der Arbeitsplätze.

Mitarbeiter sollen neue Arbeitsplätze bekommen

Insgesamt habe der Konzern schon am Dienstag rund zwei Dritteln der Beschäftigten ein Übernahmeangebot vorgelegt. Einige haben wohl auch bereits unterschrieben, wie der Redaktion gestern bekannt wurde. 35 Beschäftigten wird die Kündigung ausgesprochen, sie kommen in eine Transfergesellschaft, die von der Mitarbeitervertretung ausgewählt wird und die das Klinikum finanziell ausstattet. Ziel sei, vielen Mitarbeitern neue Arbeitsplätze zu vermitteln. Die Kündigungen greifen zum 31. August.

Was aber passiert von der Schließung Ende Juni bis dahin mit den entlassenen Mitarbeitern? Auch darauf gab es vom Klinikum Darmstadt keine Antwort. Vermutlich würden sie freigestellt, wie man intern mutmaßt.

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