Unter freiem Himmel

Wiederbelebungskurs: Staying alive als Motto

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Fasziniert beobachtet die Kleine, was Mama mit der großen Puppe macht. „Anne“ wurde am Donnerstag mehrfach gerettet.

Dieburg - Ein Leben retten, kann so einfach sein – und so beglückend, wenn man es geschafft hat. Das haben am Donnerstagnachmittag Ärzte und Pflegekräfte des St. Rochus Krankenhauses Passanten auf dem Marktplatz eindrucksvoll vermittelt – im wahrsten Sinne des Wortes. Von Lisa Hager 

Drücken, drücken, drücken -– bis der Notarzt kommt. „Das ist ganz schön anstrengend, ich komme schon ins Schwitzen “, stellt eine ältere Dame fest, die sich beherzt auf die Kunststoffunterlage kniet, um die bewusstlose „Anne“ zu retten. Die lebensgroße Puppe lässt alles mit sich machen, ohne zu klagen, das hat Vorteile. „Hier können Sie nichts kaputt machen“, ermutigt Oberarzt Dr. Dierk Volz die Probandin. „Nicht aufhören mit drücken und den Takt halten!“

„Stayin Alive!“ ist der Song, der vom Titel und Rhythmus her ideal zur Woche der Wiederbelebung passt, an der sich Ärzte und Pflegekräfte das St. Rochus Krankenhaus zusammen mit dem DRK engagiert beteiligen. Der Song der Bee Gees hat nämlich mit 100 Schlägen pro Minute den idealen Rhythmus für die Druckmassage, die das Blut bei einem plötzlichen Herzstillstand wieder zum Zirkulieren bringen soll. Wenn das nicht gelingt, stirbt das Gehirn wegen Sauerstoffmangels ab und zwar schnell: Bereits nach wenigen Minuten gibt es irreparable Schäden. Wird nicht innerhalb von fünf Minuten eine Herzmassage begonnen, ist ein Überleben unwahrscheinlich.

„Mach ich das richtig?“, fragt Dr. Klaus Fette Intensivpflegekraft Wiebke Stach vom St. Rochus Krankenhaus. Sie hat ihm vorher genau demonstriert, was im Notfall zu tun ist.

Mit „Staying alive“ also lebendig bleiben: Aber es ist auch kein Problem, wenn jemand das Lied nicht kennt – wie Dr. Klaus Fette beispielsweise, der ebenfalls bald an der Seite von „Anne“ auf dem Marktplatzpflaster kniet. „Yellow Submarine geht auch“, sagt Intensivpflegekraft Wiebke Stach, die dem interessierten Ersthelfer erklärt, wie er im Notfall vorzugehen hat. Und mit den Beatles im Ohr beginnt Fette seinen „Open-Air-Reanimationskurs“. Zuerst kniet man sich, spricht ihn an, rüttelt an seinen Schultern. Atmet er nicht mehr oder nicht mehr normal? Verdacht auf Herzstillstand! Dann sofort über 112 den Notruf absetzen oder einen Umstehenden (dabei in die Augen schauen!) persönlich dazu auffordern. Sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Den Brustkorb frei machen. Mit zwei Fingern den Druckpunkt am Brustbein suchen, dann die Hand flach auflegen, die andere darüber, Finger miteinander verschränken. Die Schulter sollte über dem Druckpunkt liegen, damit man genug Kraft entwickeln kann – dann geht es los: drücken, drücken...fünf bis sechs Zentimeter nach unten. 100 bis 120 mal pro Minute.

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Wie es im Rettungsfahrzeug weitergeht, demonstriert das DRK. Bürgermeister Dr. Werner Thomas unterstützt die Aktion ebenfalls am Stand. Etliche Passanten, die ihre praktischen Kenntnisse auffrischen, erinnern sich daran, dass man früher im Wechsel drücken und beatmen musste. „Die Mund-zu-Mund-Beatmung überlässt man heute geschulten Helfern“, sagt der Ärztliche Direktor des St. Rochus, Dr. Arno Depta. Der Wechsel habe vielen Probleme bereite, manche auch abgeschreckt zu helfen. So heißt jetzt die Abfolge: „Prüfen – Rufen – Drücken“.

  • Heute läuft im Schloss Fechenbach (18 bis 21 Uhr) eine kostenlose Reanimationsschulung mit Dr. Arno Depta. Interessenten sind willkommen.

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