Vorschläge von CDU und SPD

Was wird aus dem Schwimmbad?

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Das ist das Naturbad in Schwalbach im Taunus. Bei einer Informationsfahrt informieren sich Magistratsmitglieder und Stadtverordnete am Montag über den Betrieb eines solchen Bades. Als zweites Beispiel wird das Naturschwimmbad in Schöllkrippen im Landkreis Aschaffenburg besucht.

Dieburg - Der Fehlstart in die Badesaison hat zumindest eine gute Seite: Stadt und Parlamentarier machen sich konkrete Gedanken, wie es mit der beliebten Freizeiteinrichtung weiter gehen soll und kann. Von Lisa Hager 

Muss für einige Millionen ein Edelstahlbecken eingebaut werden? Ist die Duplex-Version (mit Überdachung) zusammen mit dem Wassersportverein eine Option oder gar die Umwandlung in ein Naturschwimmbad? Alles ist offen. Zuerst einmal wurden Gelder für die Planung freigegeben. Wenn man eine Sanierung und einen Umbau plant, muss man erst einmal wissen, was man möchte. Deshalb ist momentan Ideenfindung angesagt: Am Montag werden Magistratsmitglieder und Stadtverordnete zwei Naturschwimmbäder in der Umgebung besichtigen. In Schöllkrippen im Kahlgrund und in Schwalbach im Taunus wird ihnen erläutert, wie solche Einrichtungen funktionieren (siehe auch Kasten). Das ist aber nur eine von möglichen Zukunftsvisionen fürs Dieburger Freibad.

CDU-Fraktionsvorsitzender Renee Exner warnt vor allem vor „blindem Aktionismus“ und regt eine aktive Bürgerbeteiligung bei den Planungen an – soweit diese möglich ist. „Das Thema Freibad interessiert jeden zweiten Dieburger. Gerade deshalb ist es wichtig, die Bürger bei derart wichtigen Entscheidungen von Anfang an teilhaben zu lassen. Dazu gehört aber auch, detailliert über Sanierungs- oder Neubaumaßnahmen und die damit verbundenen Kosten und Risiken zu informieren“, sagt er. Zum aktuellen Zeitpunkt seien jedoch genaue Angaben gar nicht möglich: „Das Thema Freibad ist noch eine Rechnung mit zu vielen Unbekannten.“ Jetzt schon über Kosten zu spekulieren und Konzepte darzulegen, sei daher zu gewagt, da man die Zahlen der Sanierungsvorschläge noch gar nicht kenne.

Spätestens nach den Sommerferien jedoch erwarten die Parlamentarier, dass ihnen die Verwaltung detaillierte Vorschläge mit genauen Zahlen vorlegt. „Dann können wir Aussagen treffen, die über bloße Spekulationen hinausgehen“, so Exner. Aktuell interessieren die Stadtverordneten vor allem folgende Punkte: Unter welchen Auflagen ist die Ausnahmegenehmigung für den Badebetrieb ausgestellt worden? Sind seitens der zuständigen Behörde Fristen genannt worden, bis wann welche Maßnahmen umgesetzt sein müssen? Und wie sieht es derzeit mit dem Wasserverlust im Freibad aus, wie nachhaltig sind die Maßnahmen, die den Wasserverlust stoppen sollen?

Danach gelte es, Grundlegendes zu klären. So müssen etwa die von der Verwaltung bereits 2012 und 2013 in Auftrag gegebenen Studien zwingend in die Beratungen einfließen. Erst dann könne man laut über die Möglichkeiten nachdenken, die sich in Dieburg bieten, meint Exner. Ein Edelstahlbecken einzubauen, wäre nur eine Option. Auch die Umwandlung in ein Naturschwimmbad, was Bürgermeister Dr. Werner Thomas vorgeschlagen habe, müsse ebenfalls geprüft werden. Und auch die Reparatur des Bades sollte in die Überlegungen einbezogen werden. Der CDU-Fraktion sei wichtig, dass im Sinne der Badegäste keine „Flickschusterei“ betrieben werde, sondern dass das Bad nachhaltig saniert und instandgesetzt wird.

Allerdings dürfe man die Kosten und die Folgekosten nicht aus den Augen verlieren. Der Einbau eines Edelstahlbeckens würde nach Einschätzung der CDU mit mehr als vier Millionen Euro zu Buche schlagen. Exner fragt sich: „Wie soll das finanziert werden? Über einen Kredit? Oder sollen zugunsten des Freibads notwendige Straßensanierungen wie etwa die des Burgwegs verschoben werden? Oder muss sogar in Kauf genommen werden, dass uns seitens der Kommunalaufsicht eine Straßenbeitragssatzung auferlegt wird?“ Auch die Zeitfrage sollte bei der Entscheidung, die möglichst fraktionsübergreifend getroffen werden sollte, eine Rolle spielen. Schließlich müsste das Freibad im Sanierungsfall oder für einen Umbau geschlossen werden.

„Das 60 Jahre alte Schwimmbad hat seine ökonomische Lebensdauer überschritten“, so der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Christian Wohlrab zum heiß diskutierten Thema. Das hätten die aktuellen Geschehnisse gezeigt, „Im Rathaus wurde das bekannte Problem, im Kern das Absacken des vormals morastigen Untergrundes und der resultierenden Undichtigkeiten, zu lange verdrängt“, so der Sozialdemokrat. Stattdessen sei – mehr und zuletzt immer weniger erfolgreich – ein regelrechtes Flickwerk betrieben worden. „An dieser Stelle macht es keinen Sinn, länger an den Symptomen herum zu pfuschen“, so Wohlrab. Sowohl ökonomisch als auch ökologisch sei das alte Bauwerk nicht mehr tragbar. „Dieburg will und kann sich ein Schwimmbad leisten, es muss jetzt in eine vollständige Erneuerung des Bades investiert werden. Die Planung für ein neues Schwimmbad muss umgehend aufgenommen werden“, fordert er.

Ebenfalls absehbar sei schon seit Längerem die Einstellung des Hallenbadbetriebs an der früheren Postfachhochschule, so der SPD-Vorsitzende. Daher sollte eine Erweiterungsmöglichkeit für ein Hallenbad gleich mit geprüft werden, auch wenn dies möglicherweise mit der Sportstättenplanung der schwarz-grünen Stadtverordnetenmehrheit kollidiere, die Wohlrab „ohnehin fragwürdig“ nennt. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katharina Müller weist darauf hin, dass es dem Sparsamkeitsgebot der hessischen Gemeindeordnung widerspreche, aufwändige Reparaturen und teure Gutachten für ein marodes Bauwerk zu bezahlen. Müller: „Hier müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden.“ Die Finanzierung könne Dieburg stemmen, hier sei das momentan ohnehin zinsgünstige Geld zweifellos besser investiert als in ein Sportzentrum auf der grünen Wiese. Müller kündigt abschließend an, dass die SPD-Fraktion in Ausschuss und Stadtverordnetenversammlung einen entsprechenden Antrag einbringen wird.

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