Yildiz Birsen stellt im Rathaus aus

Innere Bilder aus kühnen Farben

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Das Thema „Flüchtlinge“ hat die Künstlerin Yildiz Birsen – hier mit Sohn Alessandro – eindrucksvoll umgesetzt. Ihre Bilder werden bis März im Dieburger Rathaus gezeigt.

Dieburg/Münster - Wenn Yildiz Birsen ihre Farben mit kühnem Pinselstrich auf die Leinwand bringt, dann werden innere Bilder sichtbar. Von Ursula Friedrich 

Ihr Kunst entlarvt Unbequemes, Ungerechtigkeit, Unterdrückung. „Ich würde lieber Schmetterlinge malen“, sagt die zierliche Kurdin lächelnd – doch Krieg und Leid in der Welt überschatten eine idealisierte Weltsicht. Die Gewalt gegenüber ihren kurdischen Landsleuten, insbesonder Frauen, in der Türkei, Massenflucht, Terror und Verlust der Heimat, wühlen sie innerlich auf. Ihre Kunst ist ein Ventil, mit dem die Malerin aus Münster aufrütteln möchte.

Meist stehen Frauen und Kinder im Fokus ihrer Werke, die nun im Dieburger Rathaus ausgestellt sind. Mit grobem Pinselstrich entsteht in den Bildern Dynamik - ein Spiegel willkürlichen Terrors, der Menschen bewegt, Heimat, Hab und Gut zurückzulassen. Aus dem Blickwinkel des Betrachters werden auf den stark abstrahierten, großflächigen Gemälden Emotionen sichtbar: Schmerz, Resignation, Hoffnungslosigkeit.

„Ich bin selbst ein Flüchtling“, erzählt Yildiz Birsen, die aus dem Südosten der Türkei nach Deutschland kam und seit 2005 in Münster lebt. „Es gibt zwei Möglichkeiten: kämpfen oder weglaufen“, erklärt sie. In der Türkei wollte sie die Gewalt gegen ihr Volk nicht mit Waffen beantworten. Fern der Heimat hat sie der Unterdrückung und Gewalt an der kurdischen Minderheit den Kampf angesagt. Ihre Waffen sind Acrylfarben und ein faszinierendes Talent, mit scheinbar grobem, verfremdetem Malstil, ihr Thema filigran in Szene zu setzen.

Yildiz Birsen studierte von 1998 bis 2002 an der Cumhuriyet Universität in Sivas (Hauptstadt der gleichnamigen türkischen Provinz in Zentralanatolien) Kunst. Inzwischen ist sie mit einem Italiener verheiratet und stolz auf den gemeinsamen Sohn Alessandro (6). Den Wunsch, einmal in ihre Heimat zurückzukehren, trägt sie unbeirrt im Herzen.

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