Eltern stehen vor Gericht

Zahnarztpraxis-Team trauert um Auszubildende Lareeb K.

Vater und Mutter der getöteten 19-Jährigen beim Prozessauftakt am 25. September

Dieburg - „Sie war so ein sympathisches Mädchen. Sie hat sich in der Zeit bei uns richtig wohlgefühlt... “ Bei Zahnarzt Dr. Thomas Ouzounis kommen in diesen Wochen, in denen die Eltern von Lareeb K. in Darmstadt wegen Mordes vor Gericht stehen, viele Erinnerungen hoch. Von Lisa Hager 

Auch die Erinnerung an jenen ganz besonderen Tag, den 28. Januar 2015, wird wieder lebendig. Danach ist der Alltag in seiner Praxis in der Marienstraße für einige Zeit aus dem Ruder gelaufen. „Ich war an dem besagten Mittwochnachmittag schon zu Hause, als bei mir die Polizei anrief“, erzählt er. Eine Beamtin teilte ihm mit, dass Lareeb tot aufgefunden worden sei und man seine Visitenkarte bei ihr gefunden habe. In Kürze würden zwei Beamtinnen in seine Praxis kommen, um ihn zu sprechen. „Ich hatte am Anfang meine Zweifel, ob das alles seriös ist. Schließlich hört man ja auch immer von Leuten, die sich als Polizisten ausgeben und ihr Opfer dann irgendwohin locken. Mord und Totschlag kennt man ja normalerweise nur aus Filmen.“ Dr. Ouzounis eilte in die Praxis und erzählte alles seinem Techniker. Beide recherchierten im Internet und entdeckten die Nachricht: In der Nähe des Steinbrücker Sees war am Morgen ein Mädchen tot aufgefunden worden.

„Da wurde mir klar, es ist erschreckende Realität“, sagt er. Als die beiden Kriminalbeamtinnen Dr. Ouzounis befragen, gibt es keinen Zweifel mehr, dass es sich bei dem ermordeten Mädchen um seine Auszubildende handelt. Sie hatte die Praxis am Vortag gegen 18 Uhr verlassen. Dr. Ouzounis Zahnarzt-Kollege, Dr. Michele Santoro, war der letzte aus dem Team, der sie gesehen hat.

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„Wir waren alle am Boden zerstört“, erinnert sich Dr. Ouzounis an die Tage „danach“. Eine Woche sei „Land unter“ gewesen in der Praxis. Das ganze Team hat sich später von Lareeb sehr persönlich verabschiedet: In einer Art Trauerfeier auf dem Friedhof - wegen des großen Medieninteresses erst einige Stunden nach der Beerdigung. „Und selbst bei unserem sehr persönlichen Besuch am Grab hat uns noch ein Reporter von der Zeitung mit den großen Buchstaben angesprochen“, sagt er und schüttelt ärgerlich den Kopf.

Über die Kriminalpolizei hat das Praxisteam dann Lareebs Schwester, die derzeit im Prozess ihre Mutter schwer belastet und im Zeugenschutzprogramm steht, eine Spende zum Gedenken an die Tote zukommen lassen, das Lareebs Kollegen gesammelt haben.

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Dr. Ouzounis beschreibt den Freund Lareebs als sehr sympathischen jungen Mann, der voll hinter seiner Freundin stand. Der Student habe sie auch oft abends mit dem Taxi abgeholt, das er nebenbei fuhr, um sein Studium zu finanzieren. „Er war zusammen mit Lareeb schon zum Vorstellungsgespräch gekommen und hat sie in den höchsten Tönen gelobt.“ An ihrer vorherigen Arbeitsstelle in Darmstadt, sie war im ersten Lehrjahr, hatte sie sich absolut unwohl und ausgenutzt gefühlt, deshalb habe sie wechseln wollen.

Dr. Ouzounis hat seine Entscheidung, sie zum 1. Dezember 2014 einzustellen, in den sechs Wochen, die sie bei ihm war, nicht bereut: „Sie hat sich sehr gut eingeführt, war pflegeleicht und umgänglich, nett und fürsorglich zu den Patienten. Sie ist in der Zeit bei uns auch selbstbewusster geworden.“

Er schweigt, dann wird seine Stimme härter. „Ich kann so etwas nicht begreifen - dass man sein eigenes Kind umbringt“, sagt der Zahnarzt, der selbst drei Jungs hat. „Ist doch einfach Wahnsinn, dass sie nur wegen der Liebe zu einem jungen Mann sterben musste“, fügt er leise hinzu. Lareeb wäre am vergangenen Dienstag 20 Jahre alt geworden.

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