Bouffier besucht Bischof-Ketteler-Haus

Zeichen der besonderen Wertschätzung

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Hohen Besuch empfing am Montag das Bischoff-Ketteler-Haus: Ministerpräsident Volker Bouffier würdigte die in der Schule geleistete Arbeit.

Dieburg - Gute Noten verteilt Susanne Scheuch-Ahrens, Leiterin der Bischof-Ketteler-Schule mit Standorten in Dieburg und Klein-Zimmern, nachdem Besucher Volker Bouffier weitergereist ist: Von Klaus Holdefehr 

„Der hessische Ministerpräsident hat sich nicht nur intensiv fast zwei Stunden lang über unsere Arbeit informieren lassen, sondern auch mit Feingefühl den Kontakt zu unseren Schülern gesucht." Beim vorösterlichen Besuch des Ministerpräsidenten sind neben der Schulleiterin, dem Josephshaus-Geschäftsführer Markus Pelz und dem Erziehungsleiter Holger Linden auch Generalvikar Dietmar Giebelmann, Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt, der Landtagsabgeordnete Manfred Pentz, Dieburgs Bürgermeister Dr. Werner Thomas und Stadtpfarrer Alexander Vogl zugegen waren.

Nach einem informativen Rundgang gab es auch etwas zu feiern: Im historischen Gemäuer aus dem Jahr 1869 sind nicht nur Internatsschüler, sondern auch eine Gruppe unbegleiteter minderjähriger Ausländer untergebracht, und einer von ihnen hatte Geburtstag, kam so in den Genuss eines hochkarätigen Ständchens.

Das alles spielte sich auf Wunsch des Ministerpräsidenten ohne mediale Öffentlichkeit ab, doch war Bouffier am Ende seines Besuchs nach einem Fototermin auch gerne bereit, seine Eindrücke zu schildern: „Das Ketteler-Haus ist eine sehr beeindruckende Einrichtung mit langer Tradition. Das Konzept, das wir hier haben, diese Mischung aus Wohngruppe und Ausbildung als Angebot an junge Menschen in sehr schwieriger Situation ist überzeugend. Ich bin hier aus drei Gründen: 1. weil ich der Arbeit, dem Träger und den Menschen hier meinen Respekt erweisen will. 2. weil ich den jungen Leuten Mut machen will, dass sie wissen, dass hier Ungeheures geleistet wird und dass sie das auch nutzen sollen. 3. dass ich mit solchen Besuchen auch darauf aufmerksam machen will, dass bei allem, was wir sonst auch noch zu tun haben, nicht vernachlässigen dürfen, dass es junge Menschen gibt, die besondere Betreuung brauchen. Das alles bindet sich zusammen in einem solchen Besuch, als Anerkennung für eine tolle Leistung, die wir brauchen, und die am Ende ohne Empathie, ohne Herz durch die, die hier arbeiten, nicht gelingen kann. Deshalb ist das auch eine sehr persönliche Angelegenheit. Ich bin bewusst hier, weil ich hier her wollte, um Danke zu sagen.“

Als Ausdruck seiner Unterstützung übergab der Ministerpräsident eine Spende von 2 500 Euro. Für Scheuch-Ahrens war aber vor allem der Besuch selbst „ein Ausdruck besonderer Wertschätzung“. Was im Ketteler-Haus und in der Ketteler-Schule geleistet wird, schilderte nach Verabschiedung des Ministerpräsidenten vor allem Scheuch-Ahrens.

In Dieburg werden nach umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten seit 2013 in nunmehr drei Gruppen Mädchen und vor allem Jungen im Alter von zehn bis 17 Jahren unterrichtet, die so genannte „Inselbegabungen“ aufweisen. Pelz präzisierte, dass die meisten von ihnen bereits Erfahrungen mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie gemacht haben, Eberhardt ergänzte: „Etwa ein Drittel sind Autisten.“ Mithin geht es um Menschen, die wegen sozial-emotionaler Beeinträchtigungen nicht in der Lage sind, sich im Regelschulbetrieb zu positionieren. „Wir sind oft die letzte Chance, etliche von unseren Schülern sind zuvor schon in mehreren anderen Institutionen gescheitert“, so Pelz.

„Wir folgen aber auch dem Gedanken der Inklusion, indem wir versuchen, unsere Schüler wieder fähig für das Regelschulsystem zu machen“, ergänzte Scheuch-Ahrens, mit der Einschränkung: „Wie haben auch nicht-inkludierbare Schüler.“ Im Regelfall dauere es etwa zwei Jahre, die Schüler wieder an das Lernen heranzuführen. Das geschieht in kleinen „Klassen“ mit höchstens sechs Schülern und insgesamt 19 Lehrkräften. Dazu kommen flankierendes sozialpädagogisches Personal und die Hauswirtschaft. Derzeit werden in Dieburg zwölf Jugendliche ambulant und 33 stationär im Internatsbetrieb betreut - darunter eine Gruppe „unbegleiteter minderjähriger Ausländer“.

Die Kosten für einen einzelnen stationären Schülerplatz bezifferte Pelz auf rund 5 000 Euro pro Monat. Die Nachfrage sei hoch, Anfragen von Jugend- und Schulämtern kämen aus ganz Deutschland, mittlerweile gebe es eine Warteliste mit 45 Namen, sagte Scheuch-Ahrens. Man habe inzwischen auch einen ersten Nachweis für den Erfolg der Arbeit und rechne in diesem Jahr mit 26 Schulabschlüssen.

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