Gemütlicher wie das Original im Süden

Zünftige Zeughaus-Wiesn beim Karnevalverein Dieburg

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Wie bei der Fastnacht gilt der Karnevalverein Dieburg auch bei seinem Oktoberfest als Stimmungsgarant.

Dieburg - In diesen Tagen werden in allen Teilen der Republik Oktoberfeste ausgerufen. Doch was nützen Lederhose und Dirndl, wenn keine Stimmung aufkommt? Dieses Problem kennt man beim Oktoberfest des Karnevalverein Dieburg nicht: Am Samstagabend wurde im Zeughaus fast durchgehend auf den Tischen und Bänken getanzt. Von Michael Just

Stimmungsmusik ist genauso wichtig wie der schäumende Bierkrug: Die Ersatzband der Ganoven machte ihre Aufgabe gut.

Bevor auch die zehnte, kleine Theresienwiese in der Dieburger Industriestraße zum Erfolg wurde, waren dem Vorstand einige Sorgenschweißtropfen auf die Stirn getreten: Zehn Tage vor der Veranstaltung sagte die bisherige Haus- und Hofkapelle für diesen Abend, „Die Wiesenfelder“, krankheitsbedingt ab. Grund war der nicht einsatzfähige Arm ihres Keyborders, der eine Schlüsselposition in der Band einnimmt. „Zehn Tage vorher ist äußerst knapp. Schließlich werden in dieser Branche Verträge viele Monate im voraus gemacht“, so KVD-Präsident Friedel Enders. Der wurde von der unguten Nachricht beim Wanderurlaub von der Band aus dem Spessart informiert. Sofort setzte Enders die Vorstandskollegen in Kenntnis. Wolfgang Dörr hatte in der Notlage eine gute Idee: Er rief Festwirt Franz Widmann in Landshut an, der in der Vergangenheit bereits das Dieburger Schlossgartenfest organisiert hatte und bat um Tipps für eine renommierte Oktoberfest-Band. Widmann brachte „Die Ganoven“ aus der Regensburger Gegend ins Spiel. Im Internet schaute sich der KVD Ausschnitte von Auftritten an und hielt die Band für tauglich – schließlich liegen in Dieburg die Erwartungen bekanntermaßen etwas höher als woanders. Aber der Tipp von Widmann passte: Zwar klopften die Musiker am Samstag ihr Dieburger Publikum zu Beginn erstmal vorsichtig ab, danach heizten sie aber kräftig ein und ließen ihm kaum Verschnaufspausen.

500 Personen sorgten für ein ausverkauftes Zeughaus. Beim Start des Vorverkaufs waren die Tickets innerhalb von vier Stunden weg. Ohne die Brandschutzauflagen hätte der Verein deutlich mehr Tickets unters Oktoberfestvolk bringen können. In eine größere Location, sprich die Römerhalle, will der Vorstand aber nicht wechseln: „Die Atmosphäre in unserem Zeughaus passt. Das ist ein Vereinsfest und sollte sich deshalb auch in vereinseigenen Räumlichkeiten abspielen“, so Enders.

Zur Eröffnung und Begrüßung zogen der Präsident, Festwirtin Bettina Steinmetz sowie der Braumeister von Grohe-Bier, Stefan Bousche, festlich ein. Als Festwirtin hatte Bettina Steinmetz den größten Teil der Organisation zu stemmen. Darunter fallen die kompletten Einkäufe für Speisen und Getränke sowie der Schichtplan. Wie sie erzählt, sei man von speziellem Oktoberfestbier wieder abgekommen: „Das hatte einst zur Folge, dass unsere Besucher die Umdrehungen mit 5,8 Prozent schon recht früh spürten.“ Nun biete man lieber ein ganz normales, aber sehr wohlschmeckendes Helles an.

Oktoberfest beim Karnevalverein Dieburg: Bilder

Das Publikum war altersmäßig gut gemischt: Von gerade volljährig, dem breiten „Mittelalter“, bis über 70, war alles vertreten. Während die ganz Jungen, wie die 18-jährige Carla Vogt, noch keine Wiesn-Erfahrung beim Original in München haben („Das hat sich noch nicht ergeben“), können erstaunlich viele andere Fastnachtsfreunde über das dortige Geschehen mitreden. Nicht immer sind die Erinnerungen durchweg positiv: „Als ich das erste Mal da war, hab ich wegen meiner Freundin die meiste Zeit im Sanitätszelt verbracht. Obwohl sie nur wenig Alkohol trank, war ihr unwohl“, erinnert sich Katja Janod (47). Die weiteren drei Wiesnbesuche seien dann aber ohne Beanstandungen verlaufen. Den Unterschied zwischen München und Dieburg sieht sie darin, dass im Süden mehr Blasmusik gespielt wird. Das kompensiere der KVD aber damit, dass man sich kenne und die Gesamtstimmung kaum besser sein könnte.

Auch Friedel Enders hat reichlich Erfahrung mit dem Vorbild in der bayerischen Landeshauptstadt, was in der Vergangenheit durch seinen Arbeitgeber bedingt war. „Mittlerweile sehe ich die Sache dort als zu kommerziell und überlaufen“, sagt er. Kleine und überschaubare Oktoberfeste seien ihm heutzutage lieber. Genau ein solches Fest bietet der KVD seit zehn Jahren sehr erfolgreich an. Dazu passt dann auch die Zeile eines Dieburger Fastnachtschlagers, dass man „aus Dieburg einfach nicht fortgeht“.

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