Wer hört die Regenwürmer husten?

Dieburger mit Down-Syndrom sind Teil von inklusivem Theaterstück

Darmstadt-Dieburg - Der Igel kann laut. Kein Wunder, er hat ja auch ein Schlagzeug. Der Hase hat ein Problem: seine großen Ohren. Lärm schlägt ihn in die Flucht. Und der Regenwurm wird wach. Von Klaus Holdefehr 

Bunte Kostüme, glückliche Gesichter: So sieht Spaß auf der Bühne aus.

Regenwurm? Der kommt aber nicht vor im alten Märchen von Hase und Igel. Aber in der Fassung des Theaterlabor INC – „Hase, Igel, fertig, los“ wird es zusammen mit zwei Laienschauspielern der Dieburger Lebenshilfe mit Down-Syndrom ja auch neu erzählt. Die Inszenierung ist in weniger als einer Stunde vorbei. Zwischen Anfang und Ende gibt es viele Denkfiguren über Konkurrenz, Wettbewerb, besser sein, Konflikt und Solidarität. Das Ende ist versöhnlich: Der zu Tode gehetzte Hase – trockene Diagnose des Igels: „Herzinfarkt!“ – feiert happy-endige Wiederauferstehung, und dann feiern alle zusammen. Ob das nun eine „Party der Verlierer“ (Moop Mama) ist, bleibt offen. Zwischen Anfang und Ende gibt es viele absurde Wettbewerbe. Wer hört das seltsamste Geräusch? Der Hase die Regenwürmer husten, der Igel das Gras wachsen. Die Konkurrenz um die schrecklichste Grimasse endet nicht in einer klaren Entscheidung. Zum Entsetzen aller anderen erklärt sich der Schiedsrichter Regenwurm zwischenzeitlich selbst zum Sieger. Und die ausgewrungene Stinkesocke kann man nicht wirklich riechen.

Die Idee dieser Stinkesocke stammt von einer Grundschulklasse aus Aufenau. Mit ihr hat Schauspielerin Nadja Soukup ebenso fürs Stück recherchiert wie mit einer ersten Klasse der Regenbogenschule im Münsterer Ortsteil Altheim. Soukup ist der Regenwurm, die meiste Zeit verpackt in eine schlafsackartige Hülle, bei hohem körperlichem Einsatz ein Sauna-Kostüm. Gegen Ende zeigt sie uns, dass sie auch die Puppen tanzen lassen kann – mit einem hinreißenden Dialog zwischen Mamawurm und Kindwurm.

Von Anka Hirsch kommt diesmal viel mehr als die Musik, zum Beispiel zu einem Liegeballett der Loser. Sie spielt diesmal eine richtige Rolle, ist Mama Igel, die eine Hälfte der Täuschung im alten Märchen. Kindigel ist Max Ackfeld, klein und pfiffig, während Justus Schultz dem Hasen etwas Ungelenkes, Tollpatschiges verleiht. Mitgewirkt am Projekt hat Christine Ortwein-Kartmann, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Dieburg. „Hase, Igel, fertig, los“ ist ein weiteres hübsches Mosaiksteinchen der Zusammenarbeit von Lebenshilfe und Theaterleuten. Für die Ausstattung samt Schlafsack-Kostüm und Igelfrisuren zeichnet Martina Zirngast verantwortlich, für die Choreografie Jule Weber. Am Text hat neben Soukup auch Max Augenfeld gefeilt, der bei anderen inklusiven Stücken Regie geführt hat.

Inklusion ist dabei Teil eines Programms, aus dem sich Lehren ziehen lassen. Im speziellen Fall formuliert das Igel und Eintracht-Fan Ackfeld so: „Ich hatte einen Traum – Darmstadt spielt gegen Frankfurt, und beide gewinnen…“

Das Stück für Kinder ab sechs Jahren und ihre Erwachsenen ist am Sonntag (3.) ab 15.30 Uhr auf dem Sommerfest der Lebenshilfe Dieburg (Aschaffenburger Straße 18) zu erleben.

Rubriklistenbild: © hol

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