Beim dritten Begegnungsfest in Eppertshausen gibt es landestypische Genüsse

Pakistanische und russische Küche

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Da schauten deutsche Augen zweimal hin: In einigen Ländern ist die Zubereitung am Boden bequemer als auf dem Tisch.

Eppertshausen - Auf Einladung der Gemeinde und des Asylkreises wurde das dritte Begegnungsfest gefeiert. War bei den vorherigen Terminen mit den Geflüchteten nur Kaffee und Kuchen angesagt, wurde diesmal landestypisch gekocht. Von Michael Just 

Am Samstagnachmittag stand Barbara Panzacchi, die sich mit Deutschunterricht ehrenamtlich engagiert, die Freude ins Gesicht geschrieben. Zahlreiche Frauen, die wegen Krieg und Terror ihre Heimat verlassen mussten, hatten ein großes Buffet mit Spezialitäten aus ihrer Heimat zubereitet. Das wurde von zahlreichen Geschichten garniert: „Als wir die Zutaten besorgten, kümmerte sich ein Auto um das syrische Rezept. Ein anderes nahm das afghanische in die Hand und ein drittes fuhr mit pakistanischen und russischen Neubürgern los“, berichtete Panzacchi. Das dritte Auto habe dann ganz unerwartet italienische Pizza gebacken. Um alle gewünschten Zutaten zu erhalten, reichte der Weg bis nach Dietzenbach. Die ersten Vorbereitungen für das Buffet liefen bereits morgens um 10 Uhr an, einen Tag zuvor wurden schon Hülsenfrüchte eingeweicht. Ganz landestypisch fand die Zubereitung teilweise auf dem Boden sitzend statt.

Das Begegnungsfest war das dritte seiner Art. „In jedem Quartal ist eines angedacht“, berichtete Bürgermeister Casten Helfmann. Rund 500 Euro nimmt die Gemeinde bei jedem Termin für Essen und Getränke in die Hand. Auffallend war für den Bürgermeister, dass sich auch ein männlicher Koch – ganz untypisch für die Sitte in seinem Heimatland – berufen sah, zwischen in den vielen Frauen zu agieren. Sein Einsatz drückte aus, dass man das Engagement der Gemeinde schätzt und etwas zurückgeben will. Bisher stieg mit jedem Begegnungsfest die Resonanz. So sorgten diesmal über 100 Personen für den bis dato besten Zuspruch. Darunter befanden sich viele Deutsche, was ausdrücklich gewünscht ist. „Das Fest ist für alle und jeden offen“, formulierte Helfmann.

Momentan leben im Ort 147 Flüchtlinge. Die Zahl liegt über dem Schnitt, dem Eppertshausen mit seinen 6 000 Einwohnern nachkommen muss. Die vielen freiwilligen Helfer lassen daraus aber kein Problem erwachsen und gehen die Sache passioniert an: So gibt es sechsmal die Woche, bis auf Sonntag, einen ehrenamtlichen Deutschunterricht. Einige Flüchtlinge nehmen diese Chance an allen Tagen wahr. Um die Fleißigsten zu belohnen, hielt der Bürgermeister über ein Dutzend Urkunden bereit.

Studie: Deutschland heißt Zuwanderer freundlicher willkommen

Abseits der Tafel war Gelegenheit, mit den Neubürgern ins Gespräch zu kommen. Vor einem Jahr erreichte Sipan Khalil Deutschland über die Balkanroute. Von Anfang an war klar, dass für den 33-Jährigen Syrer als Fluchtziel nur dieses Land in Frage kommt. Der Maschinenbau-Ingenieur hatte nämlich schon vor dem Krieg deutsch gelernt. „Deutschland ist führend im Maschinenbau. Deshalb war mir diese Sprache immer wichtig“, erzählt er. Schon bald nach seiner Ankunft half er in Dessau als Übersetzer. Derzeit wartet Khalil darauf, dass sein Abschluss anerkannt wird. Das dauert: „Ich kalkuliere mit drei bis vier Monaten“, sagt er. Von der Aufnahme in Eppertshausen und in Deutschland ist er begeistert: „Alle Leute möchten helfen. Jeden Tag wird für uns viel geplant und gedacht.“

Ein Lob geht zudem an die Kirche im Ort, die kürzlich einen Besuch im Frankfurter Zoo auf die Beine stellte. Mit seiner Integration ist der Ingenieur auf einem guten Weg: So spielt er Fußball in der zweiten Mannschaft des FVE. Seine Frau, eine Ärztin, ist noch in Damaskus und wartet auf das Visum von der deutschen Botschaft in Beirut. „Wir hatten früher ein Auto und eine schöne Wohnung. Jetzt bauen wir alles von Null wieder auf“, meint er. Wenn der 33-Jährige erzählt, liegt in seiner Stimme mehr Optimismus als Niedergeschlagenheit. Denn die Zukunftschancen in Deutschland sieht er als gut: „Wir haben einen großen Willen und werden alles tun, um in der Gesellschaft anzukommen.“

Quelle: op-online.de

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