Ausstellung erinnert an den „mexikanischen Schindler“

Ein bisschen Solidarität

Die Holocaust-Schau in Eppertshausens Rathaus ist sehr umfangreich. - Foto: p

Eppertshausen - Die Koffer sind weit geöffnet und geben Einblick in das Leben derer, die fliehen mussten und überlebten. Da ist zum Beispiel die Schriftstellerin Anna Seghers, die mit ihrer Familie am 30. Juni 1941 Mexiko erreicht.

In Mexiko-Stadt schreibt sie ihren Roman „Transit“. Oder die Schauspielerin Brigitte Alexander, die mit ihrer Familie im April 1942 nach Mexiko kommt. „Wo ich gerne zurückgegangen wäre, eine Zeit lang, wäre Frankreich gewesen“, sagte sie 1994. „Nach Deutschland kam nie in Frage. Nie!“ Anna Seghers kehrt 1947 nach Berlin zurück, von 1950 an lebt sie in der DDR.

Anna Seghers und Brigitte Alexander sind zwei Schicksale, die derzeit in der Ausstellung „Letzte Zuflucht Mexico. Gilberto Bosques und das deutschsprachige Exil nach 1939“ zu sehen sind. Die Ausstellung ist im Rathaus in Eppertshausen zu sehen – 70 Jahre nachdem die Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee befreit wurden.

Seit Mitte der neunziger Jahre organisiert der Ökumenische Arbeitskreis Eppertshausen eine Ausstellung am Holocaust-Gedenktag, zunächst rein ökumenisch. Seit 2004 ist die Kommune mit dabei und zum mittlerweile dritten Mal tritt das Evangelische Dekanat als Mitveranstalter auf.

Anhand von 25 ausgewählten Biografien, neun Thementafeln und zwei Medienstationen erzählt die Ausstellung von der Rettungsaktion des mexikanischen Diplomaten Gilberto Bosques (1892-1995) und dem Leben der Berliner Exilanten in Mexiko. Unter dramatischen Umständen versorgte Bosques – er war 1939 mexikanischer Generalkonsul in Paris, ab 1940 in Marseille – zahlreiche deutsche und österreichische Flüchtlinge, die nach dem Vormarsch deutscher Truppen im Süden Frankreichs festsaßen, mit Visa, Unterkünften und Schiffspassagen. Zwischen 1940 und 1942 stellte er für 40 000 Flüchtlinge Visa zur Einreise nach Mexiko aus und ermöglichte so Juden, Antifaschisten, Anhängern der Spanischen Republik und Interbrigadisten die Flucht, weshalb Bosques auch „der mexikanische Schindler“ genannt wird. J tm

Quelle: op-online.de

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