Interview mit Charles Ross

Brexit-Referendum: Viele Emotionen im Spiel

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Auch ein Schotte gehört zu Großbritannien und zum Vereinigten Königreich. Einem Brexit steht der in Eppertshausen lebende Charles Ross negativ gegenüber.

Eppertshausen - Die Kontinentaleuropäer sind mehrheitlich gegen den Brexit. Damit stehen Briten, die auf dem Festland leben, zwischen den Fronten. Von Michael Just 

Unsere Zeitung hat bei Charles Ross (68), der 1981 als Kommunikationsberater nach Deutschland kam, nachgefragt, wie er das für morgen angesetzte Referendum sieht.

Gleich zu Beginn Butter bei die Fische: Wie steht Charles Ross zum Ausstieg?

Großbritannien hat sicherlich gute Gründe zum Austritt. Die kann ich aber nicht akzeptieren.

Können Sie das näher erläutern?

Meine persönliche Meinung ist, dass man immer Dinge zusammenfügen sollte. Das gilt für mich auch für die Unabhängigkeit Schottlands vom Vereinigten Königreich. Gott sei Dank ist dieses Referendum kürzlich gescheitert, obwohl die Befürworter sehr nahe am Erfolg waren. Sie hatten das Wahlalter dafür extra auf 16 Jahre abgesenkt. Sie wussten, dass junge Menschen auf der emotionalen Ebene leicht für Freiheit zu begeistern sind.

Was sind die guten Grunde Großbritanniens zum Austritt?

Sie liegen vor allem beim Handel. Frankreich als Agrarmacht und die deutsche Industrie sind die tragenden Säulen. Das tangiert Großbritannien.

Was sind weitere Gründe?

Rund acht Jahre braucht die EU für eine Verordnung, bis alle 28 Mitglieder zugestimmt haben. Das ist sehr lang und unflexibel. Es stimmen einfach zu viele Länder ab. Damit reduziert sich auch der Einfluss Großbritanniens auf ein Minimum. Das geht noch weiter, wenn Mazedonien, Albanien, Kroatien oder Montenegro dazukommen. So glaubt man, dass es besser ist, Handelsfragen alleine zu bestimmen.

Warum überzeugt Sie das nicht?

Ein Block wie die EU ist einfach ein starker Verbund, etwa gegen Google. Viel wichtiger als der Handel ist mir aber die politische Situation. EU-Länder führten die letzten 70 Jahre keinen Krieg. Serbien, das nicht in der EU ist, aber schon. Wenn andere Länder einem Brexit folgen, könnte alles, wie damals bei der UdSSR, kollabieren. Ob der Handel Großbritanniens wirklich profitiert, ist ohne mit mit einem großen Fragezeichen versehen. Für das eigene Ding wollen die Brexit-Befürworter das Risiko aber eingehen und sind sich langfristiger Vorteile sicher.

Sie befürchten, dass ein Brexit ihren eigenen Status negativ beeinflussen könnte?

Es stellt sich die Frage, ob man als Inhaber eines britischen Passes dann in Europa noch so frei leben kann. Von vielen EU-Entscheidungen wäre man dann ausgenommen.

Fiebern Sie der Abstimmung entgegen?

Ja, ich bin sehr gespannt. Auch deshalb, weil Großbritannien bei der Gründung der Europäischen Gemeinschaft nicht mitmachen wollte und erst später dazu kam. Jetzt will man als erster wieder raus.

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Eigentlich bedauern Sie das Referendum?

Es ist die beste Form der Demokratie, andererseits sind viele Emotionen und Unkenntnis im Spiel. Jeder, der glaubt was zu wissen, hat genauso viel Macht wie jemand, der wirklich Hintergrundwissen besitzt.

Dürfen Sie wählen?

Meines Wissens nicht, obwohl ich einen britischen Pass habe. Briten, die über 15 Jahre im Ausland leben, sollen von der Abstimmung ausgeschlossen sein.

Was tippen Sie, wie die Abstimmung wohl ausgehen wird?

Ich denke, dass sich die Leute knapp für die Sicherheit und gegen die Unsicherheit, die mit einen Brexit verbunden ist, entscheiden. Die angeführten Chancen nach einem Austritt sind für die Briten zu ungewiss. Wie bei einer Geldanlage entscheidet man sich dann doch eher gegen das Risiko.

Was für Sie völlig in Ordnung wäre.

Auf alle Fälle. Wir sind doch eine kleine Insel. Wir brauchen die EU mehr, als die EU uns. Man kann doch miteinander reden und verhandeln. In der Vergangenheit hat Großbritannien damit in der EU schon viele gute Ergebnisse erzielt. Deshalb sollten wir bleiben und danach versuchen, soviel Einfluss wie möglich geltend zu machen.

Quelle: op-online.de

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