Monika Jowanowitsch erhält Landesehrenbrief

Ehrenamtliche Richterin: Ihr Bauchgefühl trügt meistens nicht

+
Blumen, Wein aus Groß-Umstadt und den Landesehrenbrief hat die Eppertshäuserin Monika Jowanowitsch – hier in ihrem Büro in Darmstadt – von Landrat Klaus Peter Schellhaas für ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Richterin erhalten.

Eppertshausen - Bei Kündigungen oder Abfindungen die richtige Entscheidung treffen: Einmal pro Quartal schlüpft Monika Jowanowitsch in die Rolle der Richterin und wurde nun für ihr Ehrenamt ausgezeichnet. Von Jens Dörr 

Monika Jowanowitsch hat den Ehrenbrief des Landes Hessen erhalten. Landrat Klaus Peter Schellhaas zeichnete die 59-jährige Eppertshäuserin für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement als Richterin am Arbeitsgericht Frankfurt aus. „Im Nachhinein freue ich mich dann doch über die Auszeichnung“, sagt Jowanowitsch. Normalerweise lege sie auf derlei weniger Wert; es sei dann „aber doch schön, wenn jemand dafür dankt“. Das Arbeitsgericht Frankfurt hatte die Eppertshäuserin für den Landesehrenbrief vorgeschlagen.

Im Hauptberuf ist Jowanowitsch als Verwaltungsangestellte bei der IG Bauen-Agrar-Umwelt – oft kurz als IG BAU bezeichnet – beschäftigt. An vier Tagen in der Woche wirkt sie von ihrem Büro in Frankfurt aus, immer montags sitzt sie im Gewerkschaftshaus in der Darmstädter Rheinstraße.

Über die IG BAU kam Jowanowitsch, die waschechte Eppertshäuserin ist, auch zum Ehrenamt am Gericht. Dort sitzen bei arbeitsrechtlichen Verfahren neben dem hauptamtlichen Richter zwei ehrenamtliche – je einer von der Arbeitnehmer- und einer von der Arbeitgeberseite. 1998 kam die IG BAU auf die inzwischen seit 24 Jahren für die Gewerkschaft tätige Frau zu und fragte an, ob sie für die Aufgabe in der Justiz zur Verfügung stehe. Seither ist sie etwa einmal pro Quartal für einen Tag am Arbeitsgericht und spricht im Trio Recht.

Hauptthemen seien dabei Kündigungen und Abfindungen, so Jowanowitsch. Sie sei ohne juristische Schulungen in die Aufgabe gestartet, habe dazu allerdings durch ihre Arbeit für die IG BAU bereits einen Bezug gehabt. Nach und nach sammelte sie vielfältige Erfahrungen, „ich liege zudem mit meinem Bauchgefühl häufig richtig“. Zudem sei der gesunde Menschenverstand wichtig, um den Job gut zu machen.

Sex in Therme und Raucher Friedhelm: Skurrile Streitfälle 2015

Dabei gliedere sich die Aufgabe in das Vorgespräch insbesondere mit dem hauptamtlichen Richter, der Verhandlung mit eventueller Unterbrechung und dem Schreiben und Fällen des Urteils. Meist mehrere Prozesse pro Tag in Frankfurt würden auch dank ihrer Unterstützung bewältigt. „Die Dauer ist ganz unterschiedlich – manche gehen ganz schnell in wenigen Minuten, wir haben aber auch schon mal bis abends um sieben dagesessen“, erzählt Jowanowitsch.

Den meisten Verhandlungen gemein sei derweil – für manche vielleicht überraschend – die fast immer harmonische Zusammenarbeit mit der Arbeitgeberseite: „Die ist angenehm und konstruktiv.“ Auch mit den Entscheidungen des Vorsitzenden Richters sei Jowanowitsch eigentlich fast immer einverstanden: „In der ganzen Seite musste ich nur einmal damit kämpfen, was der hauptamtliche Richter gemacht hat.“

Quelle: op-online.de

Kommentare