„Ein großes Projekt möglich gemacht“

Verein Eppersthäuser Passionsspiele begeht Jubiläum mit Fest

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Vor zehn Jahren begannen in Eppertshausen die Passionsspiele. Zum Jubiläum traf sich der Verein nun zu einer Feier, an dem auch der Vorsitzende der Euro-Passion, Josef Lang, teilnahm.

Eppertshausen - Es waren vor zehn Jahren historische Stunden: Eine dreistellige Zahl an Eppertshäuser Bürgern tritt auf dem Franz-Gruber-Platz an, um die Passion Christi spielerisch darzustellen und zu besingen. Von Michael Just 

Nach der Premiere 2006 folgten 2009, 2012 und 2015 weitere Auftritte. Mit der ersten Aufführung vor einer Dekade stellt 2016 ein Jubiläumsjahr dar, was der Verein Eppertshäuser Passionsspiele nun mit einem Buffet in der „Krone“ feierte. „Es war eine große Aufgabe, die Gedanken der Passion an die Gemeinde zu vermitteln und die Bürger zum Mitmachen zu bewegen. Es hat sich, wie ich finde, gelohnt“, konstatierte Vereinsvorsitzende Gisela Belzer vor den rund 40 Mitgliedern und Darstellern. Mit dieser Einschätzung lag sie richtig: Monatelang wurden Stoffe gesammelt, Kostüme genäht und Kulissen gebaut, bis dann endlich Karfreitag war. Kleine und große Hindernisse, die auftraten, konnten nach den ersten Erfahrungen fast allesamt beseitigt werden. So verfügt die Passion inzwischen über sehr gute Seh-und Hörtechniken, erhöhte Sitzgelegenheiten sowie Kostüme, Rüstungen und Kulissen, die fortlaufend verbessert werden. Zu Beginn war die große Schar an Darstellern und Unterstützern noch nicht in einem Verein organisiert. Der folgte aus versicherungsrechtlichen Gründen 2009. Derzeit zählt man rund 100 Mitglieder. Mit Blick auf 2019 könnten die Passionsspiele theoretisch zum zweiten Mal ein zehnjähriges Jubiläum feiern.

Die Darstellung des Leidens Christi fand in der Vergangenheit schon 1933 in Eppertshausen statt. Der aufkommende zweite Weltkrieg bescherte aber keine lange Zukunft. Nach dem Krieg, als das Wirtschaftswunder Deutschland in Euphorie versetzte, wurde die Darstellung der Geschehnisse vor 2 000 Jahren als nicht zeitgemäß erachtet. Mit Gisela Belzer, die eine Aufführung in Südeuropa gesehen hatte und diese unbedingt auch in ihrem Heimatort umsetzen wollte, traten nach rund 70 Jahren erneut Passionsspieler an. Die Ideengeberin bringt sich seitdem mit viel Engagement als Regisseurin und Vorsitzende ein.

Jede der bisher vier Freilicht-Vorstellungen zog bis zu 3 000 Besucher an. Mit Blick auf den dreijährigem Rhythmus findet die nächste Aufführung 2018 statt. Positiv sieht die Vorsitzende, dass viele Beteiligte sich fundiert mit ihrer Rolle auseinandersetzen und über die Texte wieder zum Lesen der Bibel kommen. Als besonderer Meilenstein ist die Aufnahme des Vereins 2010 in die Euro-Passion zu nennen. In der haben sich europäische Gruppen und Vereine, die die Heilsgeschichte aufführen, organisiert. „Hierdurch bieten sich viele Möglichkeiten, andere Spiele zu besuchen und neue Impulse zu bekommen“, sagt Belzer.

„Jede Passion hat ihre eigene Tradition“

Der Generalsekretär der Euro-Passion, Josef Lang (Saarbrücken), kam zur Jubiläumsfeier ebenso nach Eppersthausen wie sein holländischer Kollege Lex Houba. 102 Gruppen aus 14 Ländern werden von dem Verband mit Hauptsitz in Ligny/Belgien vertreten. „Jede Passion hat ihre eigene Tradition, ihren Stil und damit auch ihren Reiz“, erklärte Lang in seiner Begrüßung. Grundlegendes Ziel sei es, auf die christliche Geschichte Europas hinweisen. Das werde immer wichtiger, da christliche Vorbilder heute nur noch wenig Einfluß hätten. Mit den Worten „Zukunft braucht Herkunft“, forderte Lang dazu auf, Jesus in der Passion so faszinierend darzustellen, dass sich dabei ein ultimativer Masterplan für das Leben erkennen lässt. Einem gemeinsamen Europa sagt er – abseits von Euro und Wirtschaftsdenken – nur dann eine Zukunft voraus, wenn man sich auf Solidarität und gemeinsame Grundwerte, zu der die christliche Botschaft zählt, konzentriert.

Zum Jubiläum kamen auch der Vorsitzende der Eppertshäuser Gemeindevertretung, Rainer Eder, sowie Lutz Murmann, Mitglied im Gemeindevorstand. „Unsere Bürger haben es mit der Passion geschafft, sich berührend und unaufdringlich in die Herzen zu bringen“, lobte Murmann. Die Leistung sei in jeglicher Form beachtlich: „Wir als kleine Gemeinde haben ein so großes Projekt möglich gemacht.“ Der Politiker gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der gute Geist der Passionsspiele noch lange erhalten bleibt und Eppertshausen über Generationen begleiten wird. Er sei gleichermaßen Ausdruck eines gelebten Glaubens, einer lebendigen Gemeinschaft und der Ökumene.

Quelle: op-online.de

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