Ordensbruder Hans Mischke sendet Grüße

Eppertshäuser zu Besuch in Tegelen

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Was in Eppertshausen im April aufgeführt wurde, zeigen jetzt Amateurschauspieler in den Niederlanden: Die Passionsspiele erfreuen sich im Sommer großer Zuschauerzahlen.

Eppertshausen - Die Passionsspiele am Karfreitag haben ein großes Publikum berührt. Und auch wenn die nächste Aufführung erst wieder 2018 stattfindet, holten sich die Schauspieler bereits jetzt Inspiration aus den Niederlanden.

Das schauspielerische Spektakel um den Leidensweg und die Kreuzigung Jesu bringt die biblische Geschichte den Eppertshäusern im Abstand von drei Jahren näher. Am Karfreitag hatte sich der Franz-Gruber-Platz passend zum Datum in ein antikes Theater verwandelt. Im niederländischen Tegelen wird nicht nur an einem Tag der Passion Christi gedacht – dort wird das Schauspiel alle fünf Jahre insgesamt 25 Mal zwischen Mai und September aufgeführt. Um sich Inspiration für 2018 zu holen und um die Bande zwischen dem Eppertshäuser und dem niederländischen Passionsspielverein zu festigen, reiste jetzt eine vierköpfige Delegation von der Gersprenz an die Maas.

Die Mitglieder der Passionsspiele waren bei ihren Darstellerkollegen privat untergebracht worden. Eine Aufführung dauerte etwa drei Stunden, einschließlich einer Pause von 30 Minuten. Dabei konnten die Eppertshäuser einiges lernen: Die niederländischen Organisatoren gehören nämlich von Anfang an zu den führenden Mitarbeitern und Gestaltern der „Europassion“, ein europaweiter Dachverband von über 90 Passionsspielvereinen, dem seit 2013 auch Eppertshausen zugehörig ist. Tegelen ist ein Bezirk der niederländischen Stadt Venlo in der Provinz Limburg, zirka 60 Kilometer westlich von Düsseldorf.

Ausgetragen wurde das Spiel auf der Freilichtbühne De Doolhof in einem ehemaligen Klostergarten in der Nähe des Stadtzentrums. Dort gab es rund 2700 überdachte Sitzplätze für die Zuschauer. Für die Darsteller war es hingegen weniger komfortabel: Sie spielten bei Wind und Wetter im Freien. Das Theaterstück stellte, ähnlich wie in Eppertshausen, das Leiden der letzten Tage Jesu Christi dar. Beim vergangenen Mal im Jahre 2010 hatten zirka 40.000 Zuschauer die Geschichte gebannt mitverfolgt.

Die Mitwirkenden der Passionsspiele sind in Tegelen und Umgebung tief in der Gesellschaft verankert. Dabei sind die Spiele ein Großereignis für Stadt und Region mit nationaler und internationaler Ausstrahlung. Die Darsteller, allesamt Amateurschauspieler, stammen vorwiegend aus Tegelen, aber auch aus anderen Regionen bis nach Süd-Limburg und Nord-Brabant. Eine Ausnahme bildet der hervorragende Jesusdarsteller Abbi Chalgoum, ein marokkanisch-stämmiger Realschullehrer aus Amsterdam.Viele Generationen haben bereits seit der ersten Aufführung im Jahre 1931 an diesem Theaterspiel mitgewirkt. Sie legten das Fundament für eine einzigartige Tradition, die 2014 in sogar die nationale Kulturerbeliste aufgenommen wurde. An die 400 Amateurdarsteller im Alter zwischen Kleinkind und Greis agieren dauernd auf der Freilichtbühne. Nach dem Spektakel hatten die Eppertshäuser oft die Gelegenheit, mit den Hauptdarstellern und der Regie hinter der Bühne zu sprechen und ihre Koordination untereinander zu erleben.

An einem Tag gab es eine Führung durch das umfangreiche Gelände und den Garten des „Kloosterdorp Steyl“, ein Klosterdorf im Tegelener Stadtteil Steyl. Dort nutzten sie auch die Gelegenheit, Ordensbruder Hans Miksche zu besuchen, einen alteingesessenen Eppertshäuser. Der gebürtige Tscheche war mit seinen Eltern und seinem Bruder Josef nach der Vertreibung 1946 nach Eppertshausen gekommen. Dort machte er eine Schneiderlehre. Mit 25 Jahren schloss er sich dann den Steyler Missionaren an. Zuerst brachte er seine handwerklichen Fähigkeiten ein, später wurde er zum Finanz- und Wirtschaftsfachmann ausgebildet. Er war für den Orden viel auf Reisen.

Passionsspiel in Eppertshausen

Nachdem nicht nur die Eltern, sondern auch der Bruder gestorben waren, wurden auch die Besuche in Eppertshausen seltener. Miksche erfreute es zu hören, dass die Passionsspiele in Eppertshausen ebenfalls regelmäßig aufgeführt werden. Zudem überbrachte er der kleinen Delegation von der Gersprenz die besten Grüße gen Heimat, insbesondere für Bekannte und Jugendfreunde.  (chi)

Quelle: op-online.de

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