Erste Ärztin am Ort

Allgemeinmedizinerin für ersteigerte Praxis

+
Heike Berger, Carl Ebell und Bürgermeister Carsten Helfmann in Ebells Praxis, die erst geschlossen werden wird, wenn Eppertshausens erste Ärztin ihre neuen Räumlichkeiten im Sandweg wird beziehen können.

Eppertshausen - Hausarzt Carl Ebell übergibt seine Praxis in der Friedensstraße Anfang September nach 30-jähriger Tätigkeit als Haus- und Kinderarzt in Eppertshausen an Heike Berger. Von Thomas Meier 

Damit ist die Gemeinde eine große Sorge zumindest teilweise los, befürchtet sie doch seit langem einen Ärztenotstand und kaufte eine Praxis im Ort, um einem niederlassungswilligen Arzt den Einstieg zu erleichtern. Schon lange hatte Ebell angekündigt, mit 65 in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen. Vor dem Datum bangte es einigen Bürgern und auch den Kommunalpolitikern, sollte sich doch die Zahl von einst drei praktizierenden Allgemeinmedizinern dann zumindest für Kassenpatienten drastisch verschlechtern. Denn einer der Mediziner, Dr. Wolfgang Trausmuth, gab bereits Ende 2011 seine Kassenärztliche Lizenz ab, und der andere praktizierende Arzt ist längst im Rentenalter, wird auch irgendwann schließen.

Die Kommune kaufte bei einer Zwangsversteigerung Anfang des Jahres gar das Anwesen, in dem Trausmuth noch heute für Privatpatienten praktiziert. Sie sollte nach dem Willen der Gemeindevertretung einem Kassenarzt zu günstigen Konditionen vermietet werden, der sich in Eppertshausen niederzulassen bereit wäre. Doch legte der Insolvenzverwalter zunächst Zuschlagsbeschwerde ein. Die ist Anfang Juni vom Landgericht Darmstadt abgelehnt worden, berichtete gestern Bürgermeister Carsten Helfmann. Die Immobilie im Sandweg gehört seitdem der Gemeinde. Doch mangelte es bislang immer noch am richtigen Arzt, der nach Eppertshausen möchte. Doch eine Ärztin, die genau dessen Willens ist, präsentierte gestern der Bürgermeister: „Und damit hat Eppertshausen überhaupt erstmals eine Ärztin am Ort.“

Mutter des Bürgermeisters vermittelte

Wenngleich auch noch nicht alles nach dem Ursprungsplan der Gemeinde läuft und Berger zunächst eine „Übergangszeit“ in Ebells Praxis in der Friedensstraße wirkt, bevor sie wohl Anfang nächsten Jahres mit Ebells Patientenstamm in den Sandweg umziehen wird. Die Mutter des Bürgermeisters vermittelte den Kontakt zur 54-jährigen Ärztin, die seit Juli 2012 eine eigene Praxis in Obertshausen betreibt und als Bereitschaftsärztin in Dietzenbach und Groß-Umstadt wirkt. Da sie in Messenhausen im Rodgau wohnt und als Bereitschaftsärztin auch die Gegebenheiten in ihrer direkten Nachbarschaft kennt, nahm sie mit Helfmann Kontakt auf. Der begründete wiederum die Verbindung zu Ebell. Man wurde schnell einig.

1300 Kassen- und 150 Privatpatienten

Ebell ist froh, seinen Stamm – immerhin rund 1300 Kassen- und 150 Privatpatienten – in gute Hände abgeben zu können. So wartet er auch noch, bis er seine Praxis, die in einem Haus mit Eigentumswohnungen liegt, verkaufen kann und vermietet sie solange an Berger, bis für sie Platz im Sandweg geschaffen ist. Dort wird wohl noch heute die Kündigung an Trausmuth eingehen, sagt Helfmann. Der Arzt habe Angebote abgelehnt, allein oder mit einem weiteren Arzt gemeinsam für Kassenpatienten in seiner Praxis zu arbeiten. Und auch Ärztin Berger bestätigt, mit dem Mediziner über eine gemeinsame Praxis gesprochen zu haben, doch habe der jede Zusammenarbeit abgelehnt.

So wird dem ehemaligen Eigentümer, dessen Immobilie die Bank zwangsversteigern ließ und die von der Gemeinde erworben wurde, nun gekündigt. Helfmann geht davon aus, dass Trausmuth innerhalb des Kündigungszeitraumes die Immobilie verlässt. Dann seien noch einige Umbauten nötig, in spätestens sechs bis acht Monaten jedoch solle Berger darin dann ihre Praxis eröffnen können. Die Ärztin will 20 Stunden pro Woche in Obertshausen und ebenso lange in Eppertshausen wirken. In Obertshausen betreut sie derzeit einen Stamm von rund 1100 Patienten. Und sie übernimmt eine von vier Arzthelferinnen Ebells, über eine weitere Stelle denke sie noch nach.

Die seltensten Krankheiten der Welt

Quelle: op-online.de

Kommentare