Indirekte Aufnahme möglich

Bürgerversammlung dreht sich auch um Asylbewerber

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Bei der Bürgerversammlung wurden die Zuhörer über die Flüchtlings-Situation in ihrer Gemeinde informiert.

Eppertshausen - Recht positiv fiel am Donnerstagabend die Bilanz von Bürgermeister Carsten Helfmann bezüglich der Flüchtlingssituation in der Gemeinde aus. Doch völlig sorglos blickt auch er nicht in die Zukunft. Von Corinna Hiss 

„Momentan sieht es ganz gut aus“, sagte Carsten Helfmann den interessierten Zuhörern, die am Donnerstagabend der Einladung aus dem Rathaus zur Bürgerversammlung gefolgt waren und den kleinen Saal der Bürgerhalle gut füllten. Der Rathauschef gab dort einen Überblick über die momentane Flüchtlingssituation in der Gemeinde. Dabei ist das Stichwort „momentan“ wichtig – denn schließlich können sich die aktuellen Gegebenheiten jederzeit ändern.

Im Vergleich zu anderen Kommunen im Landkreis sei die Lage in Eppertshausen aber noch recht entspannt. Das liegt vor allem daran, dass bis zum Jahresende keine weiteren Asylbewerber kommen sollen. Der Kreis hatte am Donnerstag aktuelle Zahlen und Zuweisungen vorgelegt, aus denen ersichtlich wurde, dass die Gemeinde ihr Soll bereits erfüllt hat. „Aktuell leben in der Gemeinschaftsunterkunft in der Hauptstraße 93 rund 60 Flüchtlinge“, erzählte Helfmann. Weitere 25 Personen sind in Privatwohnungen untergebracht.

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Auch über den im August gegründeten Arbeitskreis Asyl, bei dessen erstem Treffen bereits einige Ideen zur Integration der Menschen aus Somalia, Eritrea oder Syrien entstanden waren, konnte Helfmann Fortschritte berichten. So sind aus dem vagen Vorschlag, man könne doch den Flüchtlingen beim Deutsch lernen helfen, regelmäßige Treffen entstanden. An vier Vormittagen die Woche beschäftigen sich nun Freiwillige des Arbeitskreises damit, Interessierten auf spielerische Weise die deutsche Sprache näher zu bringen. „Das Angebot wird rege aufgenommen“, freute sich Helfmann. Neben einem Grundwortschatz lernen die Flüchtlinge dort auch kulturelle Bräuche oder hiesige Gepflogenheiten kennen.

Anders als in vielen anderen Kreiskommunen, wie beispielsweise in Dieburg, leben in der Gemeinschaftsunterkunft in Eppertshausen hauptsächlich junge alleinstehende Männer. Familien mit Kindern sind dagegen rar. Trotzdem funktioniere die Integration gut, so der Bürgermeister. „Das liegt aber auch daran, dass viele von ihnen schon seit Jahren hier wohnen“, räumte er ein.

Im Bezug auf die Zukunft zeigte er sich da etwas kritischer. „Momentan läuft’s, aber wie wird es weiter gehen?“ Vermeiden wolle er auf alle Fälle Sammelunterkünfte in Sporthallen, wegen denen die Schul- oder Vereinsaktivitäten leiden müssten. Sein Appell richtete sich daher an alle anwesenden Bürger: Wer noch freie Wohnungen zur Verfügung habe, der sei gebeten, sich bei Friedhelm Saal, 06071/300915, zu melden.

Auch wenn Eppertshausen sein Soll an Asylbewerbern vorerst erfüllt hat, so kann es sein, dass die Gemeinde „indirekt“ weitere aufnehmen muss. Mit diesen Worten bezog sich Helfmann auf die Situation im benachbarten Rödermark. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis im Johannishof an der Gemarkungsgrenze bis zu 100 Flüchtlinge aufgenommen werden“, sagte er. Und da sich das ehemalige Hotel in direkter Nähe zur Gemeinde befinde, sei es wahrscheinlich, dass ein Teil der dort lebenden Asylbwerber auch Einrichtungen in Eppertshausen nutzen werde. „Wohin gehen sie zur Schule? Welche Ärzte suchen sie auf? In welcher Kita spielen ihre Kinder?“, stellte der Rathauschef die Fragen in den Raum.

Generell zeigte er sich offen, der Nachbarkommune in diesem Fall helfend unter die Arme zu greifen. Doch seine Hilfsbereitschaft war an eine Bedingung geknüpft: Die selben Flüchtlinge, die dann in Eppertshausen betreut werden würden, gehörten in ihrer Zuweisung allerdings dem Landkreis Offenbach und der Stadt Rodgau. „Wir öffnen unsere Gemeinde gerne für sie, aber nur, wenn die Flüchtlinge uns dann auch mit 20 bis 30 Prozent angerechnet werden“, stellte er klar.

Quelle: op-online.de

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