Extra aufgerüstet für Passionsspiel

+
Mit neuen und geliehenen Rüstungen präsentieren sich Eppertshausens Darsteller zu den Passionsspielen.

Eppertshausen - Mit neuem Harnisch und in glitzernder Rüstung kommen die Darsteller realistischer zum Leidensweg am Karfreitag. Von Michael Just 

 Der Partykeller von Gisela Belzer erscheint derzeit wie eine Asservatenkammer: Auf dem Tresen der Bar stehen nebeneinander aufgereiht acht wuchtige Römer-Helme. Eine Rüstung, die aus vielen, übereinanderliegenden Metallblättchen besteht, liegt auf dem Tisch. Aus einer großen Kiste schauen weitere Rüstungen hervor, deren Messing beim ersten Anblick wie Gold blitzt. „Wir haben uns verbessert“, sagt die Spielleiterin und Vorsitzende der Eppertshäuser Passionsspiele mit Blick auf den neuen Fundus. Wenn zahlreiche Laienschauspieler aus der Gemeinde am Karfreitag zum vierten Mal das Leid Christi darstellen, werden die beteiligten Soldaten so professionell daherkommen wie noch nie.

Zum einen wurden von einem Spezialhersteller in Bad Dürkheim Rüstungen und Helme für einen vierstelligen Preis erworben, zum anderen machte sich die Mitgliedschaft bei Euro-Passion, einem Verbund von Städten und Gemeinden in Europa, die Passionsspiele veranstalten, bezahlt: So gibt es nahe der französischen Grenze einen Ort namens Auersmacher, der seit 80 Jahren Passionsspiele inszeniert. Die Saarländer boten den Kollegen aus Südhessen an, ihnen ihre repräsentativen Messing-Rüstungen unentgeltlich zu leihen. Schutzvorrichtungen für Unterarme und die Schienbeine gehören ebenfalls zum Paket. Mit dem Auto wurde das wertvolle Zubehör jüngst abgeholt.

Alle nun in Eppertshausen zur Verfügung stehenden Rüstungen, Helme und Panzerungen, wie etwa das große Schutzschild samt Bemalung, sind an Originalfunde aus römischer Zeit angelegt und werden damit ein authentisches Bild wiedergeben, wie die römischen Legionen, inklusive der jüdischen Soldaten, die Christus geißelten, einst auftraten. „Die Plastik-zeiten sind damit vorbei“, sagt der zweite Vorsitzende der Passionsspiele, Anton von Gotstedter, nicht ohne Stolz und spielt damit auf die einstige Kunststoffrüstung von Uli Grunert an, die vormals Karnevalskostüm war.

Kostüm wiegt etwa 20 Kilogramm

In seiner Rolle als Centurio Julius, und damit als hochrangiger Offizier, darf er zukünftig den auffälligsten aller Harnische tragen. Sein Körperschutz besteht aus vielen kleinen Stahlplättchen, die eine dichte Panzerung ergeben. Der blonde Kamm auf seinem Helm verläuft quer, was ihn von der Farbe und der Anordnung her als Kommandanten und Soldatenchef ausweist. Bei den unteren Dienstgraden ist er rot und verläuft nach hinten. „Der lässt kämpfen“, merkt Gotstedter schmunzelnd zur herausragenden Stellung von Grunert an. Dieser Stellenwert hat allerdings ihren Preis: Die Rüstung ist bleischwer. „Platzangst sollte man nicht haben“, stellte Grunert ziemlich schnell fest. Er schätzt sein „Kostüm“ auf 20 Kilogramm, dazu kommt noch der Helm. „Das summiert sich“, sagt der Dieburger, der mit seinen ohnehin schon 107 Kilo Körpergewicht bei der Aufführung wohl die wuchtigste Person aller Mitwirkenden ist. Nicht zu vergessen ist sein Kurzschwert, das ebenfalls einer Originalnachbildung entspricht und dessen Gewicht bei der Übergabe die Hand tiefer sacken lässt. Derzeit will Grunert nicht darüber nachdenken, was ihm bevorsteht, wenn er während der Vorstellung das stille Örtchen aufsuchen muss. Seine Rüstung wird geschnürt, das Anlegen ist eine Prozedur.

Historisch korrekt werden auch Thomas Frühwein und Jürgen Müller am Karfreitag auftreten. Sie freuen sich vor allem über die angedeuteten Muskeln, die in ihren Rüstungen verarbeitet sind. „Das Sixpack in der Mitte habe ich schon. Die Muskelpakete im äußeren Bereich fehlen noch“, sagt Frühwein schmunzelnd. Wie auch bei Uli Grunert wollen die Eppertshäuser Körper nicht auf Anhieb in die Rüstungen passen. „Wir werden wohl erstmal sechs Wochen darin schlafen müssen“, lautet der einhellige Tenor. Das wird wohl nicht möglich sein, denn bis zu den Passionsspielen sind es nur noch drei Wochen.

Letztes Abendmahl: Das wurde aus den zwölf Aposteln

Letztes Abendmahl: Das wurde aus den zwölf Aposteln

Quelle: op-online.de

Kommentare