Politische Vielfalt adé!

FDP in Eppertshausen kandidiert nicht mehr

Eppertshausen - Recht übersichtlich sieht der Wahlzettel aus, den die Bürger morgen in den Händen halten können. Denn während andernorts bis zu zehn Parteien bei der Kommunalwahl antreten, sind es in Eppertshausen diesmal nur zwei. Mit Thorsten Weber verabschiedet sich der letzte aktive FDP-Politiker aus dem Parlament. Von Corinna Hiss 

Thorsten Weber – die vergangenen fünf Jahre alleiniger Verfechter der FDP Eppertshausen – kandidiert nicht mehr für die Gemeindevertretersitzung.

Drei Legislaturperioden hat Thorsten Weber die politischen Geschicke in Eppertshausen als Gemeindevertreter und Repräsentant des FDP-Ortsverbandes mit gelenkt. Jetzt ist damit Schluss. Wer morgen den Stimmzettel betrachtet, wird nur zwei Listen sehen: die der CDU mit insgesamt 27 Kandidaten und die der SPD mit 22 potenziell zu Wählenden. „Ich bin darüber sehr traurig“, sagt der 44-Jährige, der seit seiner Geburt in Eppertshausen tief verwurzelt ist. Denn während andere Gemeindevertreter aus Zeitgründen nicht mehr antreten wollen oder es wegen Wohnortswechsel nicht mehr können, hätte Weber gerne noch länger im Gemeindeparlament gesessen. Einziges Problem: Für die Liberalen war er auf weiter Flur alleine. „Um überhaupt eine reelle Chance zu haben, ins Parlament zu kommen, sollte man als Partei eigentlich mindestens ein Drittel aller möglichen Sitze mit Kandidaten füllen können“, sagt Weber. Für Eppertshausen bedeutet das acht bis neun Interessenten.

Doch bereits vor fünf Jahren trat die FDP nur mit fünf Kandidaten an, Weber schaffte es als Einziger ins Parlament. In seiner ersten Legislaturperiode besaß die FDP-Fraktion noch drei Sitze, danach zwei, momentan einen Sitz und in Zukunft dann keinen mehr. „Das Verschwinden der Liberalen hat sich so also schon angedeutet“, bedauert der dreifache Familienvater, der als Bankkaufmann in Frankfurt arbeitet.

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Seit 35 Jahren gibt es den Ortsverband, der momentan aus vier Mitgliedern besteht, zwei davon – inklusive Weber – sind aktiv engagiert. In Eppertshausen hatten sie schon immer einen schweren Stand. „Wir haben es hier mit einer starken CDU zu tun“, sagt Weber und spart dabei auch nicht mit Lob: „CDU und der Bürgermeister machen einen guten Job.“ Doch die Präsenz der Christdemokraten mache es anderen Parteien schwer, sich zu differenzieren. Denn: „Wenn wir fürs Parlament antreten, wollen wir auch einen anderen Standpunkt vertreten als der Rest.“ Da Weber für die morgige Kommunalwahl keine Mitstreiter gefunden hat, hat sich diese Problematik auch erübrigt.

„Ich habe versucht, parteilose Aktive für die Wahl zu begeistern, aber das war sehr schwer“, erzählt der 44-Jährige weiter. Zum einen sei die FDP einfach nicht mehr in den Köpfen präsent, zum anderen aber wollten immer weniger Personen diese Aufgabe übernehmen. Denn Ausschusssitzungen und Gemeindeparlament tagen regelmäßig und sind für die Vertreter oft zusätzliche Arbeit zu ihrem Beruf.

Für Weber war es trotz Stress auf der Arbeit aber nie eine Option gewesen, aufzuhören. „Das ehrenamtliche Engagement ist lohnenswert und macht Spaß“, sagt er. Für seine freie Zeit hat er bereits Alternativen gefunden: Der Eppertshäuser sitzt seit Neuestem im Verwaltungsrat der katholischen Kirchengemeinde St. Sebastian.

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Dass nicht nur er, sondern die FDP generell aus dem Gemeindeparlament verschwindet, sieht er trotzdem mit Bedauern. „Damit ist ein Stück Diskussionskultur verloren gegangen“, sagt er. Und: „Die politische Vielfalt im Ort ist stark verringert.“ Dass in Eppertshausen – anders als in den Nachbarkommunen – die Gemeindevertreter meist an einem Strang ziehen, sei aber auch daran sichtbar, dass rund 80 Prozent der Entscheidungen in den vergangenen fünf Jahren einstimmig beschlossen worden waren.

Der Politik völlig den Rücken zukehren möchte Thorsten Weber nicht. In Zukunft wird er von außen die Geschehnisse im Eppertshäuser Parlament genau verfolgen. Was ihm dabei bleibt, ist sein Optimismus: „Es ist nicht das letzte Wort gesprochen. In fünf Jahren sehen wir weiter.“

Quelle: op-online.de

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