Neujahrsempfang der Gemeinde Eppertshausen

„Wir jammern auf hohem Niveau“

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Der Liederkranz Frohsinn begleitete den Empfang musikalisch. Der Gesangverein ist der älteste Eppertshäuser Verein.

Eppertshausen - Bauprobleme, die Ärzteversorgung und „Die Zukunft der Arbeit“: Auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde gab es viel Interessantes zu hören. Von Julia Glaser

Von der Besucherzahl hätten sich Bürgermeister Carsten Helfmann und der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Rainer Eder, nichts Besseres wünschen können: Ihrer Einladung zum Neujahrsempfang der Gemeinde in die Münsterer Bürgerhalle waren so viele Gäste gefolgt, dass sogar Stühle nachgestellt werden mussten, damit alle einen Platz fanden.

Nach einem kleinen Sektempfang eröffnete der Männerchor des Gesangvereins Liederkranz Frohsinn die Veranstaltung musikalisch. Danach hielt Bürgermeister Helfmann seine Neujahrsrede, in der er das vergangene Jahr Revue passieren ließ und einen Ausblick auf einige Pläne und Aktionen für das laufende Jahr bot.

Probleme bei Baumaßnahmen

Probleme gab es 2014 besonders bei diversen Baumaßnahmen, wie dem Anbau des Personalraums der Kindertagesstätte Sonnenschein. Hier wurde eine Rettungstür falsch eingebaut. Auf Eingangstüren wartet die Freizeiteinrichtung „Haus Westermann“ aktuell noch, da die ursprünglich gelieferten falsch angeschlagen waren. Zusätzlich muss für den Bau und die Sanierung der Schulstraße mehr Geld investiert werden als geplant, abgeschlossen wird das Projekt wahrscheinlich erst im Sommer dieses Jahres.

Positivere Nachrichten gab es zum Baugebiet Am Abteiwald: Mit den Eigentümern wurde eine Einigung erreicht, im kommenden Jahr soll ein Städtebaulicher Vertrag beschlossen werden. „Nächstes Jahr können die Bagger im Neubaugebiet rollen“, verkündete Helfmann. Nachdem die Eppertshäuser Bevölkerung 2014 um 34 Personen auf 6131 gewachsen ist, erhofft man sich von dem neuen Baugebiet noch weitere neue Einwohner. Neben Häusern für Familien sollen auch senioren- und behindertengerechte Wohnungen entstehen.

Für ein Problem, das aktuell in vielen Gemeinden Thema ist, muss auch in Eppertshausen noch eine Lösung gefunden werden: die immer schwerer sicherzustellende Ärzteversorgung. Im Laufe des Jahres wird einer der beiden niedergelassenen Ärzte seine Praxis schließen, ein Nachfolger ist noch nicht gefunden. Es wird nun überlegt, ob die Gemeinde eine geeignete Immobilie erwirbt und diese an potenzielle Hausärzte vermietet wird.

Das Haushaltsergebnis für das vergangene Jahr ist durchwachsen: Zwar wurde die Zehn-Millionen-Euro Marke überschritten, jedoch wurden rund 200.000 Euro mehr aufgewendet als erwirtschaftet, weshalb der Haushalt unausgeglichen ist. „Wir jammern jedoch auf hohem Niveau“, milderte Helfmann das Ergebnis ab, und fügte hinzu, dass man in diesem Jahr 1,8 Millionen Euro investieren wolle.

Breitbandversorgung schreitet voran

Zuletzt sprach er die Breitbandversorgung an, für die von März bis September Gehwege aufgerissen werden müssen, um die Kabelverzweiger mit Glasfaser zu versorgen. „Damit können wir eine Leistung von mindestens 25.000 bis zu 50.000 Mbit garantieren“, erklärte Helfmann. Im Anschluss an die Rede wurde der neue Imagefilm der Gemeinde präsentiert, den Günter Maier mit Roman Schmidt zusammengestellt hat. Zu sehen sein wird der rund zehnminütige Streifen auf der Internetseite www.eppertshausen.de.

Empfangs-Ehrengast war Oliver Burkhard, der bis 2012 Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen war. Im Februar 2013 wechselte der 43-Jährige in den Vorstand der ThyssenKrupp AG und ist dort seit April 2013 Arbeitsdirektor. Im Sommer 2005 zog Burkhard mit seiner Frau Tanja und den Kindern Lena und Alexander nach Eppertshausen, wo man ihn bei der SPD, auf der Fastnachtssitzung, der Kerb und anderen Veranstaltungen antrifft. Auf dem Neujahrsempfang sprach der Experte über das Thema „Zukunft der Arbeit“.

„Ohne ordentliche Arbeit hat man keine Chance auf ein selbstbestimmtes, gutes Leben“, erklärte er seine Entscheidung für dieses Thema. Eine wichtige Frage dabei: Was wird die Arbeit in der Zukunft ausmachen? Neben einer zunehmenden Differenzierung sieht Burkhard eine steigende Humanisierung der Arbeit voraus: „Menschen werden von Maschinen nicht ersetzt, müssen jedoch lernen, damit umzugehen. Die globale Zusammenarbeit nimmt stetig zu, was eine steigende Komplexität in den Abläufen bedeutet.“ Diese Anforderungen zu bewältigen, sei gerade in Deutschland eine Voraussetzung für den Erfolg globaler Unternehmen. Bei der Suche nach geeigneten Mitarbeitern für diese Aufgaben vertritt Burkhard den Grundsatz: „Man braucht die richtigen Leute, nicht die besten.“ Ethik, Moral, die Fähigkeit zur Teamarbeit seien oft ausschlaggebender, als ein Einser-Diplom.

Viele Bewerber pro Jahr

Auch die Anforderungen, die Arbeitnehmer künftig an die Unternehmen stellen, seien in Veränderung. „Wir erhalten rund 120 000 Bewerbungen pro Jahr“, erzählte Burkhard. Das Motto der jüngeren Bewerber: „Erst leben, dann arbeiten.“ Das zeige sich auch daran, dass junge Männer inzwischen oft nach der Elternzeit fragten, wo ihnen früher ein Dienstwagen oder die Größe des Büros wichtig waren. Insgesamt sieht Burkhard die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt für die Zukunft positiv und mit vielen Chancen für Arbeitnehmer. Sein Tipp: „Bildung und Ausbildung sind der beste Schutz, um kein Zukunftsverlierer zu werden.“

Im Anschluss bedankte sich Rainer Eder bei Oliver Burkhard für seine Einblicke in die Arbeitswelt und erinnerte an den Kartenverkauf für das Neujahrskonzert mit dem Landespolizeiorchester am 24. Januar in der Bürgerhalle und die Einführung von Bürgermeister Carsten Helfmann in seine dritte Amtsperiode am 28. Januar um 19 Uhr, ebenfalls in der Bürgerhalle.

Quelle: op-online.de

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