OWK beschäftigt sich mit Thema Wasser

Was so alles in die Gersprenz fließt

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65 Naturliebhaber und Experten aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet gingen bei der Fachtagung in Eppertshausen auch auf Exkursionen im Umland. Das Thema ist die Qualität und Bedeutung unseres Wassers.

Eppertshausen - Wasser, existentielles Element, das Leben auf unserem Planeten erst möglich macht. Doch wie geht der Mensch des 21. Jahrhunderts mit dem wichtigen Rohstoff um? Der Odenwaldklub (OWK) guckt genauer hin. Ein ganzes Jahr wird dem Thema Wasser gewidmet. Von Ursula Friedrich 

Manfred Hechler, Referent Naturschutz im OWK Eppertshausen, Naturliebhaber hatte 65 Experten aus dem ganzen Umland, vom Badischen Odenwald im Süden und bis zum Knüll im Norden, zur Fachtagung eingeladen. „Wasser als Daseinsvorsorge, als Menschenrecht“ – das Thema der Veranstaltung ließ sofort Bilder dürstender Wüstenbewohner wach werden, immerhin haben 884 Millionen Menschen in Entwicklungsländern keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Doch auch hier, im Landkreis, dies rückten kompetente Fachreferenten in den Fokus, hat der Titel der Fachtagung seine Berechtigung.

Über den Weg des Wassers vom Brunnen zum Wasserhahn an rund 120.000 Verbraucher referierte Ralf Picolin vom Wasserwerk Dieburg. Welche Qualität das Wasser nach dem Verlassen der Kläranlage hat, auch darauf wurde das Augenmerk gerichtet. Häufig verdrängt: Medikamentenrückstände, die sich nur langfristig abbauen, und ungefiltert vom Klärwerk in die „Vorfluter“ gelangen. Dies ist unter anderem die Gersprenz, die bei Reichelsheim entspringt und, 51 Kilometer weiter, in Stockstadt in den Main mündet.

„Wassererlebnisband Gersprenz“

Im Dritten Reich wurde ihr Lauf begradigt und in Kanäle gezwängt – Maßnahmen, die bis heute vielerorts das Bild prägen – auch Probleme mit sich führen (Hochwasser). Die Gersprenz passiert überwiegend landwirtschaftlich genutzte Flächen. 37 Kilometer des Flusses fließen durch das Kreisgebiet. Über ihre Geschichte, ihre Bewohner, Naturschutz und regionale Historie erfährt, wer sich auf der neuen Themenradroute „Wassererlebnisband Gersprenz“ durch den Landkreis bewegt. Bei Babenhausen wurde die Gesprenz in Höhe der Konfurter Mühle aufgestaut und diente der Bevölkerung sogar als Freibad. Bei Hergershausen wird sie mittels Turbinenantrieb als Stromlieferant der Langfeldsmühle genutzt.

Mit Geld aus allerlei öffentlichen Töpfen wurde sie stellenweise renaturiert. („Dort, wo sie mäandert, fühlt sich der Biber sehr wohl“, berichtete Manfred Hechler). In Verbindung mit der Regionalförderung von Kommunen können EU-Mittel für solche Vorhaben beantragt werden. So geschehen bei Hergershausen, wo ein Fischaufstieg Tieren aus dem Bach Lache die Rückkehr in die Gersprenz ermöglicht. In Höhe von Harreshausen können Fische und andere Wasserbewohner den Fluss verlassen und nach mehreren Kilometern in der Lache nun in die Gesprenz zurückkehren. Ein direktes Durchkommen verhindern drei Wehranlagen. 110.000 Euro verschlang die 2004 umgesetzte Baumaßnahme, 80 Prozent schulterte das Land Hessen. Auch bei Dieburg und in Münster seien solche „Fischtreppen“ entstanden, so Referent Günther Schmidt vom Regierungspräsidium Darmstadt. Ob der Fischaufstieg von den Tieren auch genutzt wird, soll nun in einer aufwändigen Erfolgskontrolle überprüft werden.

Mehrere Kreiskommunen entdeckten inzwischen die Chance, dank starker Subventionen Vorhaben im Bereich Umwelt- und Gewässerschutz anzupacken, so Marie Luise Drabke, ehemalige Leiterin der Dorf- und Regionalentwicklung im Landkreis. Es sind zumeist attraktive Maßnahmen für Mensch und Natur, die unter dem Stichwort Wassererlebnisband Gersprenz umgesetzt werden. Inzwischen wurden 80 Erlebnispunkte entlang des Flüsschens geschaffen, die Naturbeobachtungen ermöglichen, Geschichten erzählen oder die Möglichkeit zum Abkühlen schaffen.

Wasser als Ereignis darstellen – so rücke das Flüsschen und die es umgebende Natur in den Fokus. Vielleicht eine Chance, Natürlichkeit und Gesundheit zu fördern. Denn obwohl die Gersprenz überwiegend die Gewässergüte II aufweist, spiegele diese Ziffer nur die Wassergüte im Hinblick auf Klärrückstände, erläuterte der Fachmann des RP. Welche Schadstoffe durch Dünge- und Pflanzenschutzmittel oder Medikamentenrückstände ihre Fluten mit sich führen, gibt diese Zahl nicht an. Positiv ist ihr Artenreichtum, der Biber hat sich an der Gersprenz niedergelassen. In den Auenlandschaften sind Störche heimisch. In der Gewässerstrukturgüte schneide die Gersprenz deutlich schlechter ab, so Günther Schmidt. Will heißen, im Umfeld des Flüsschens besteht Handlungsbedarf, um das sensible Ökosystem und das kostbare Gut Wasser für die Nachwelt zu erhalten.

Quelle: op-online.de

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