Odenwaldklub feiert Sommersonnenwende

Munteres, kleines Volksfest

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Akteure aus vier Tanzgruppen des OWK wirbelten über die Wiese am Failischkreisel.

Eppertshausen - Sunnanwenhansl-Frohfeuer nennt man es in der Steiermark. Johannisfeuer nach christlicher Tradition, heidnischen Ursprungs ist eher die Bezeichnung Sommersonnenwende, oder dass Entzünden der Rotfeuer, wenn der germanische Gott Wotan Walhalla verlässt.

In Eppertshausen ist das Feuer des Odenwaldklubs (OWK) schlichtweg ein Anlass für ein munteres Volksfest. Rund 400 Besucher blickten am Samstagabend in die Flammen, die aus 30 Kubikmetern aufgeschichtetem Holz in die hereinbrechende Nacht leckten. Der OWK, der in Eppertshausen rund 500 Mitglieder zählt, nutzte die stimmungsvolle Traditionsveranstaltung, um sich in seiner Bandbreite darzustellen. „Wir haben fast 50 Prozent Kinder im Verein, dass ist für einen OWK selten“, sagte Vereins-chef Norbert Anton stolz. Die Jugend musizierte im Mandolinenorchester, packte beim Grillen, Kassieren und Bewirten der Gäste mit an. Umdrängte zwei „Luftballon-Knoter“ und, hier allerdings mit sicherem Abstand, Feuerspucker und -schlucker.

Mit den Volkstänzen vor dem mächtigen, sechs Meter hohen Holzstoß fühlte man sich an die Sonnenwendfeiern im hohen Norden erinnert –wenngleich Wotan nicht aus dem Reich der Toten auferstand. Umso lebendiger wirbelten Akteure aus vier Tanzgruppen über die Wiese – auch hier engagieren sich 60 Kinder sowie zahlreiche Erwachsene. Dass der OWK in Eppertshausen sich stark im Naturschutz engagiert, erlebten vor allem jene, die über mehrere Tage schwere Holzscheite zum Turm schichteten. „Ich habe 14 Störche gezählt!“ freute sich Anton über die Zaungäste auf der Wiese.

Der OWK-Storchenmast „In den Stöcken“ ist derzeit Kinderstube von drei Jungvögeln, die bald zum ersten Ausflug aufbrechen. Die Sonnenwendfeuer werden auf den Eppertshäuser Wiesen bereits seit über 40 Jahren entzündet. Um die Veranstaltung ranken sich kleine Episoden. Etwa jene, als ein Anwohner aus dem Failisch im allmählich wachsenden Holzstapel nächtens heimlich seinen Sperrmüll versteckte.

In diesem Jahr haben die vielen Genehmigungsbehörden dafür gesorgt, dass man sich ein wenig nach Schilda versetzt fühlt. Zehn Seiten Antragsformulare an Naturschutzbehörden, Gemeinde, Regierungspräsidium, Wasserschutzbehörden, ja sogar den Frankfurter Flughafen auf dem Schreibtisch von Norbert Anton haben für Schwielen an den Fingern gesorgt. All das ist freilich kein Hemmnis, auch im kommenden Jahr alles Volk – darunter die OWK-Freunde aus Münster – einzuladen, wenn die kürzeste Nacht des Jahres über Eppertshausen hereinbricht.

ula

Quelle: op-online.de

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