Nachbarn Cannabiszüchter

Mühevoll Hanfplantage beackert: Polizei erntet

Eppertshausen/Darmstadt - Es sollte für Ingrid H. (57) nach zwei jahrelangen, belastenden Beziehungen ein Neuanfang sein. Doch es kam anders: Von Silke Gelhausen-Schüßler

Dass sie nach drei gemeinsamen Jahren nun mit ihrer 54-jährigen Internetliebe Erich K. (Name geändert) aus Eppertshausen vor dem Kadi im Landgericht Darmstadt auf der Anklagebank sitzt, hätte sich die Hanauer Bankkauffrau nicht träumen lassen. Seine 13 Eintragungen im Bundeszentralregister wegen Zuhälterei, schwerem Diebstahl, unerlaubtem Waffenbesitz und anderer Vergehen hatte der Eppertshäuser ihr vorsorglich verschwiegen. Seit gestern müssen sich beide vor der 15. Strafkammer wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten: Lebensgefährte K. wollte aus dem schlecht laufenden Kfz-Gewerbe aus- und in den viel Geld versprechenden Cannabis-Anbau einsteigen. Aufmerksame Nachbarn machten dieser neuen Berufung einen Strich durch die Rechnung und verpfiffen die Indoor-Plantage bei der Polizei.

Die veranlasste am 18. Mai 2014 nahe des Eppertshäuser Bahnhofs eine Razzia auf seinem Hallengrundstück und in seinem Wohnhaus. Dabei stellten die Beamten insgesamt 406 der berauschenden Pflanzen mit einem Gesamtgewicht von rund 15 Kilogramm sicher. Beide Beschuldigten sind geständig. Ingrid H. widerspricht allerdings teilweise ihrer ersten Aussage bei der polizeilichen Vernehmung. Derzufolge sollte Ende 2012 bei einer weiteren Zucht-Charge noch einmal soviel Hanf geerntet worden sein. Gestern wiederum erklärte sie über ihre Verteidigerin, wohl die Jahreszahlen verwechselt zu haben. Ihr sei es zum Vernehmungszeitpunkt psychisch sehr schlecht gegangen.

Strafmilderung durch Rückzieher gefährdet

Somit gibt auch H. nur die gefundenen Beweisstücke zu. Sie ist nicht vorbestraft und hätte nach Paragraf 46b des Strafgesetzbuches wegen Aufklärungshilfe auf Strafmilderung hoffen dürfen. Die ist nun durch den Rückzieher gefährdet.

Und auch finanziell muss sie einen herben Rückschlag verkraften. Sie hatte Hanfpflanzer K. Anfang 2012 das Geld für Kauf und Sanierung der Halle geliehen, die der gelernte Kfz-Mechaniker ursprünglich als Autohaus geplant und hergerichtet hatte: 67.000 Euro. Da das Gebäude zum Zeitpunkt der Razzia jedoch ausschließlich Pflanztöpfe und zum Trocknen ausgelegtes „grünes pflanzliches Blütenmaterial“ (Bezeichnung des LKA) beherbergte, wurde auch die Halle vom Staat als Asservat beschlagnahmt – ohne entsprechende Ausgleichszahlung, versteht sich. Die Hanauerin: „Ich wusste davon, dass K. vorhatte, anstatt mit Autos mit Marihuana zu handeln. Ich wollte damit nichts zu tun haben. Es dauerte lange, bis überhaupt etwas gewachsen ist.“ Irgendwann habe sie sich dann doch mit gekümmert: die Halle geputzt, das Grünzeug gewässert, bei der Ernte geholfen. „Ich habe mir lange keine Gedanken darüber gemacht“, erklärt sie über ihre Anwältin Catrin Runge.

Der Angeklagte K. wurde bereits 2011 mit 480 Cannabissetzlingen auf einem Rastplatz im Rheinland festgenommen und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Seit dem 1. September 2014 sitzt er in Untersuchungshaft. Auch er äußert sich zur Sache nur über seine beiden Verteidiger. Der 54-Jährige beteuert: „Ich habe zu keiner Zeit eine Ernte erzielt, die ich hätte verkaufen können. Abnehmer hatte ich auch noch nicht. Ingrid hatte keinen Nutzen von der Sache. Ich bereue sehr, meine Freundin da hinein gezogen zu haben!“ Die Urteile werden am 2. Februar erwartet.

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Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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