Süßer Duft von Schnecken

SPD-Abgeordnete Heike Hofmann lernt Bäckeralltag kennen

Heike Hofmann lernte von Bäckermeister Jürgen Kreher, wie die Kaffeeteilchen gebacken werden.

Eppertshausen - Für Jürgen Kreher von der Eppertshäuser Traditionsbäckerei beginnt der Arbeitstag bereits um 3 Uhr morgens. Um den Praxistag der SPD-Landesfraktion realistisch zu erleben, klingelte auch bei Landtagsabgeordneter Heike Hofmann der Wecker früh. Von Peter Panknin

„Wo drückt der Schuh“ – dieser Frage geht die SPD-Landtagsfraktion beim Praxistag nach, wenn die Abgeordneten direkt in die Betriebe hineinschnuppern und die Arbeitsbedingungen hautnah erfahren. So geschehen auch bei Bäckereimeister Jürgen Kreher, der am Donnerstag Besuch von der Landtagsabgeordneten des Landkreises Darmstadt-Dieburg, Heike Hofmann, bekam. Dunkel war es, als die Sozialdemokratin zur frühen Stunde in Krehers Traditionsgeschäft erschien, und es wurde auch später nicht richtig hell, denn dunkle Wolken und einsetzender Regen ließen den Tagesanfang trübe erscheinen. Aber das war draußen. Drinnen, in der Backstube, war es hell und warm, als Kreher seiner „Praktikantin“ kurz die Räumlichkeiten zeigte. Dann ging es los: Teig aus Mehl, Wasser, Hefe und sonstigen erforderlichen Zutaten ansetzen, maschinell rühren und kneten. Das Gemisch zu Broten formen, aufs Blech legen und in den vorgeheizten Ofen schieben – in der Bäckerei Kreher wird all das noch per Handarbeit erledigt. Dem Meister stehen dabei zwei Gesellen zur Seite, eine Auszubildende wird bei den verschiedenen Tätigkeiten angeleitet. Neben Brot werden auch verschiedene Brötchen-Sorten vorbereitet.

Hofmann lernte beim Praxistag, dass Kühlung zum Backen durchaus wichtig ist. Bei einer Temperatur von etwa acht Grad bekommt der Teig mit der Hefe genügend Zeit zu reifen. Erst danach geht’s in den Ofen. Die routinierten Arbeitsprozesse wurden immer wieder unterbrochen, um der Auszubildenden, aber auch der SPD-Landtagsabgeordneten Einzelheiten der Produktionsabläufe zu erklären. Nach den Brötchen ging es weiter zum Laugengebäck und später zu den Kaffeeteilchen. Hofmann wirkte aber nicht nur bei der Herstellung der Leckereien mit, sie eilte zwischendurch auch immer wieder ins Ladengeschäft, um erste Kunden mit frischen Backwaren zu versorgen.

Als eine kleine Wissenschaft für sich stellte sich die Produktion von Schnecken heraus: Ausrollen des Teigs, exakte Portionierung und gleichmäßige Füllung der Stückchen – beim Ablauf, ebenso wie beim Backvorgang durften keine Fehler gemacht werden.

Die wohlverdiente Frühstückspause nutzte Hofmann dann zu intensiven Gesprächen mit den Mitarbeitern des Betriebes, und natürlich auch mit dem Bäckermeister selbst. Dabei kam auch die allgemeine Politikverdrossenheit zur Sprache. „Wir Handwerker wünschen uns eine klare, deutliche Aussage, die wir auch verstehen, anstatt immer mit nebelhaften Andeutungen um den Brei herumzureden“, brachte Kreher seine Ansichten vor. Hofmann nahm die Anregungen entgegen und freute sich ihrerseits über das politische Interesse in der Bäckerei. Auch bei den Mitarbeitern stieß der Praxistag auf Wohlwollen: Selten zeigt eine Politikerin solches Interesse an ihrem Arbeitsplatz und dem dazugehörenden Umfeld.

Gugelhupf schmeckt auch herzhaft

Eine Sorge brachte dann der in Münster geborene und auch dort wohnende Bäckermeister Kreher zur Sprache. „Es ist schwieriger geworden, geeignete Bewerber für Ausbildungsplätze zu finden“, bedauerte er. Viele sehen nicht die Möglichkeiten, die eine erfolgreiche Ausbildung in einem Handwerksberuf heute bietet. Gefragt seien neben den praktischen Fähigkeiten auch ein Wille zur aktiven Weiterbildung und zur kreativen Umsetzung des Erlernten. Nur so könne man sich auch als kleiner Handwerksbetrieb gegen „billige“ Großproduzenten halten. „Der Trend geht eindeutig hin zu qualitativ hochwertigen Produkten, für die die Kundschaft auch gerne etwas mehr Geld ausgibt“, sagte Kreher. Der Praxistag war für beide Seiten eine positive Erfahrung. Hofmann – nach eigenem Bekunden eher weniger mit praktischen Fähigkeiten ausgestattet – zeigte sich beeindruckt von den vielfältigen Möglichkeiten für alle, die in einem Handwerksbetrieb beschäftigt sind. Kreher und seine Mitarbeiter entwickelten wiederum ein wachsendes Verständnis für die Herausforderungen der Politiker, ihr unmittelbares Umfeld zu verbessern.

Quelle: op-online.de

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