Kommune will Allgemeinmediziner gewinnen

Aus Angst vor Ärztemangel Praxis ersteigert

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Diese Haus mit Praxis im Sandweg 8 ersteigerte Bürgermeister Helfmann für 354.000 Euro für die Gemeinde.

Eppertshausen - Einen ungewöhnlichen, wenngleich inhaltlich bereits vor Jahren angekündigten Weg geht die Gemeinde, um dem drohenden Mangel an Allgemeinmedizinern im Ort zu begegnen. Von Thomas Meier 

Bürgermeister Carsten Helfmann ersteigerte für die Kommune am Amtsgericht Dieburg eine komplett eingerichtete, etwa 200 Quadratmeter große Praxis. Sie gehörte. jenem Arzt, der sich seit Oktober 2011 nur noch um Privatpatienten im Ort kümmert. 354.000 Euro kostet dies an Steuergeldern, 330.000 Euro sind im laufenden Haushalt für diese Investition in „Soziales“ bereitgestellt.

Es sind nur noch zwei praktische Ärzte, die sich derzeit in Eppertshausen um Kassenpatienten kümmern. Dr. Wolfgang Trausmuth, dessen Anwesen im Sandweg 8 unter den Hammer kam, nimmt nur Patienten an, die privat versichert sind. Und die beiden Allgemeinmediziner, die der großen Allgemeinheit zur Verfügung stehen, sind beide über 60, einer praktiziert nur noch bis zum 30. August.

Trausmuth hatte damals seine Entscheidung in einer Anzeige im Ortsblatt begründet. „Sinnleere Budgetierungen“ und „überbordende Bürokratie“ führte er als Beweggründe für seine Neuausrichtung an. Doch auch die nutzte dem Arzt nichts, ein Insolvenzverwalter musste eingeschaltet werden. Der Gläubiger, die Deutsche Bank, ließ die Praxis auf dem 700 Quadratmeter großen Anwesen versteigern. Im November, beim ersten Versteigerungstermin, wurde von den Interessenten zu wenig geboten. Helfmann: „Da hätten sieben Zehntel des Gutachterpreises zusammenkommen müssen. Soviel bot aber niemand.“ Nun habe die Gemeinde drei Mitbewerber überboten.

Bürgermeister Carsten Helfmann sieht seit langem Handlungsbedarf, um in der 6000-Einwohner-Gemeinde eine ausreichende Ärzteversorgung auf lange Sicht zu gewährleisten. Auch deshalb suchte er Kontakt zu Sozialminister Stefan Grüttner (CDU), der auf einer Stippvisite im März 2012 in Eppertshausen erklärte, das Land könne die Kommunen nicht zum finanziellen Engagement zwingen, aber machbar wäre auf kommunaler Ebene einiges. Beispielsweise könnten die Gemeinden demjenigen, der sich als Hausarzt niederlassen wolle, verbilligte Bauplätze zur Verfügung stellen. Oder Räumlichkeiten für eine Praxis.

Nun, diesem Rat folgten Helfmann und die Gemeindevertretung mit dem Ankauf der Praxis. Die Gemeindevertreter hatten in nichtöffentlicher Sitzung dem Vorgehen zugestimmt, nachdem ihnen Helfmann erklärt hatte, mit mehreren Medizinern gesprochen zu haben, die „nicht abgeneigt“ seien, in Eppertshausen zu praktizieren. Eine Gemeinschaft aus Haus- und Fachärzten, die die Praxis im Trausmuth’schen Anwesen betreibe, wäre ihm am liebsten. Noch gebe es keine Zusagen, doch ändere sich das sicher jetzt, weil man konkrete Angebote unterbreiten könne.

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Hans-Joachim Larem, SPD-Fraktionschef in Eppertshausens Gemeindevertretung, sieht hier den einzigen Haken am Deal. Auch seine Partei wisse um den drohenden Ärztenotstand in der Gemeinde. Ob aber der Weg der richtige sei, nunmehr über 400.000 Euro Steuergelder auszugeben und zu binden, ohne konkret Ärzte für den Betrieb der Praxis zu haben, sei fraglich.

Denn in der Gemeindevertretersitzung am Montagabend sollen die Parlamentarier weitere 80.000 Euro für das Projekt genehmigen. Zum Ersteigerungspreis kommen Gebühren fürs Gericht, Grunderwerbssteuer und rund 20.000 Euro für Aufhübschungen. „Was machen wir mit einer Immobilie, die zu nichts anderem als einer Arztpraxis zu verwenden ist, wenn wir dann noch keinen finden, die die ersteigerte Immobilie betreiben will?,“fragt sich Larem.

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Quelle: op-online.de

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