Bogenschießen und Überlebensstrategien für die Wildnis

Ferienspiele: Flammen steigen empor

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Ihr erstes Outdoor-Camp veranstaltete die Eppertshäuser Kinder- und Jugendförderung bei Waidmannsheil in Münster.

Münster/Eppertshausen - Feuer machen mit einem Stein – wie soll dass denn gehen? Solche und andere Tricks zum Überleben in der Eppertshäuser Wildnis lernten rund 20 Kinder der Ferienspiele Eppertshausen/Münster im zweitägigen Outdoor-Camp auf dem Gelände des Schützenvereins Waidmannsheil. Von Michael Just 

Manchmal schafft es die heutige Computergeneration, ihre Betreuer in punkto Heimatkunde richtig zu verblüffen: „Wir hatten heute einen Jungen, der zum ersten Mal einen Mirabellen-Baum gesehen hat“, berichteten Stephanie Groh und Ismail Özdemir von der Eppertshäuser Kinder- und Jugendförderung. Der Baum steht auf dem Gelände des Schützenvereins Waidmannsheil in Münster. Dort verbrachten rund 20 Eppertshäuser Kinder ein zweitägiges Outdoor-Camp mit einer Übernachtung in Zelten, das Teil der Ferienspiele war. Die „kleine“ Unwissenheit über die Obstbäume in diesen Breiten zeigte, dass mit dem Camp eine gute Idee verbunden war. Den Kontakt von Eppertshausen nach Münster stellte Ismail Özdemir her, der bei Waidmannsheil dem Bogenschießen nachgeht. Zahlreiche Probepfeile am ersten und das Ausprobieren des Luftgewehrs am zweiten Tag gehörten zum Beschäftigungsprogramm für den Nachwuchs im Alter von acht bis 14 Jahren.

Dass sich Waidmannsheil bei Ferienspielen engagiert, ist alles andere als neu: „Wenn man mit einem solchen Wunsch an uns herantritt, sagen wir grundsätzlich nicht nein“, betont Sigrid Vollhardt, die seit kurzem die erste lizenzierte Trainerin in ihrem Verein für das Bogenschießen ist. Auf dem Gelände am Höllenberg waren in der Vergangenheit schon Ferienspielkinder aus Dieburg und Münster zu Gast. Die Übernachtung der Eppertshäuser Mädchen und Jungen stellte allerdings ein Novum sowohl für Waidmannsheil als auch für die Ferienspiele selbst dar, denn ein Outdoor-Camp gab es bisher noch nicht. So wurde bereits ein Tipi gebaut, darin aber nicht das Haupt gebettet.

Zum Zelten und Ausprobieren der Angebote von Waidmannsheil kam noch eine kleine Einführung, wie man in der Wildnis überleben kann. Der Bau einer Zwille (Steinschleuder) gehörte hier ebenso dazu wie das Erlernen von Feuermachen ohne moderne Hilfsmittel. Dabei traten mit Ismail Özdemir und Ermel Alberto vom Schützenverein gleich zwei Fachmänner auf. Seit ein paar Jahren hat Özedemir das einfache Leben als Ausgleich entdeckt. „Dann versuche ich im Urlaub in den weiten Landschaften der Türkei mit einfachsten Mitteln die Tage zu verbringen“, sagt der Mittvierziger. Ermel Alberto war schon achtmal in Alaska auf sich alleine gestellt. Vor ein paar Jahren beteiligte er sich in Münster beim Trapper-Treffen, wo Outdoor-Freunde aus ganz Deutschland kamen und unter anderem einen Trapper-Lauf veranstalteten. Bei der Zusammenkunft wurde reichlich Wissen zum Überleben in der Wildnis vermittelt, etwa wie man eine Taube zubereitet. „Mittlerweile ist der Tross nach Klein-Umstadt weitergezogen“, bedauert der 66-Jährige, der beruflich einst im Außendienst tätig war. Wie er ergänzt, hätten mittelalterliche Märkte dem Trapper-Leben ein wenig den Rang abgelaufen, denn auch hier lasse sich dem einfachen Leben frönen. „Nur ist das nicht ganz so anstrengend“, weiß Alberto.

Archivbilder

600 Kinder feiern Ende der Ferienspiele

Wie Özdemir demonstrierte auch er den Kindern die Möglichkeiten, ein Feuer mit Mitteln aus der Natur zu entzünden. Das lässt sich mit einem Feuerstein oder einem Feuerbohrer bewerkstelligen. Letzter wird mit Hilfe eines Bogens solange auf einer Holzplatte gerieben, bis er leicht brennbares Material entzündet. „Hier eignet sich Birkenrinde ganz hervorragend. Ich bin immer wieder über deren Wirkweise begeistert“, sagt Özdemir. Von einem alten Birkenholzstamm rieb er mit seinem Taschenmesser kleine Späne ab. „Wichtig ist, dass man Totholz nimmt. Lebende Bäume zu beschädigen wäre unklug“, so der Experte. Die Kinder staunten nicht schlecht, als innerhalb weniger Minuten kleine Flammen emporstiegen. „Wir wollten in diesem Jahr in den Ferienspielen mal etwas Außergewöhnliches bieten“, beschreiben Stephanie Groh und Ismail Özdemir ihr Outdoor-Camp. Das schien zweifelsfrei gelungen. Wohl schon deshalb, da ein junger Teilnehmer nun weiß, dass Mirabellen auf Bäumen wachsen, bevor sie in den Einkaufskorb der Mutter wandern.

Quelle: op-online.de

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