Flohmarkt der Eppertshäuser Frauenunion

Was bitte sind Musikkassetten?

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Oder: Wie die Clowns der Tante auf den Flohmarkt der Unionsfrauen gelangen. Clowns fürs Wohnzimmer gefällig? Beim Flohmarkt der Eppertshäuser Frauenunion in der Bürgerhalle ließ sich für viele Geschmäcker etwas finden.

Eppertshausen - Regelmäßig modifiziert die Frauenunion (FU) ihren Flohmarkt was Tag und Uhrzeit angeht. Unvergessen blieb unter anderem die Abendveranstaltung 2012 mit Sekt und Lachsbrötchen. Dieses Jahr lud man nun für den Sonntag in die Bürgerhalle ein. Von Michael Just 

Jene, die sich ungläubig die Frage stellten, wer an einem Sonntagnachmittag von 14 bis 17 Uhr auf einen Flohmarkt geht, wurden schnell eines Besseren belehrt: Die Menschen drängten sich förmlich durch die Gänge. Den Spaziergang, zu dem das sonnige Wetter einlud, verbanden viele mit einer Schnäppchenjagd oder einfach nur dem Blick, was andere loswerden wollten. Als weiterer Anziehungspunkt entpuppte sich die große Kaffee- und Kuchentafel, an der es sich auch die vielen Besucher von außerhalb schmecken ließen. Mit 65 Beschickern rangierte die Zahl im gewohnten Bereich. Die Gebühren waren mit sechs Euro pro Tisch, oder wahlweise drei Euro und einem Kuchen, unter dem allgemeinen Durchschnitt. „Die Einnahmen spenden wir immer einem guten Zweck“, kündigte FU-Vorsitzende Brigitte Pesl an. Diesmal darf sich vermutlich der Jugendtreff über eine Zuwendung freuen.

Während der kleine Saal der Bürgerhalle einem Baby- und Kleidungsbasar glich, waren in der großen Halle alle jene Second-Hand-Waren zu finden, die einen Flohmarkt ausmachen. Dabei stießen manchmal Generationen aufeinander: An einem Stand wunderten sich zwei kleine Mädchen über „seltsam komische Dinger“, die wohl aus einer Epoche lange vor ihrer Zeit stammen müssen. Die „Dinger“ stellten Musikkassetten dar. Beim Verkäufer sorgte jene Unwissenheit für Verwunderung: „Das kennt ihr nicht? Damit hat man früher Musik oder Geschichten gehört.“ Seine erneute Frage, ob die Mädchen wirklich keinen Kassettenrekorder zu Hause haben, brachte dann endgültige Gewissheit und ein Eingeständnis: „Wenn ihr keinen Kassettenrekorder habt, machen Kassetten natürlich keinen Sinn.“

An einem anderen Stand von einem älteren Ehepaar aus Hergershausen fielen zwei große Clownfiguren ins Auge. Wie der Mann hinter dem Tisch erzählte, gehörten die seiner Tante, die vor kurzem hochbetagt mit über 90 Jahren starb. Wer sich mit ihm unterhielt, erfuhr viel aus dem Nähkästchen: So sollten die Clowns die Tante an ihren Bruder erinnern, dem angeblich der Schalk im Nacken saß. Da dieser im diplomatischen Dienst im Ausland arbeitete, bekam sie ihn nur selten zu Gesicht. Für je 25 Euro sollten die beiden Figuren den Besitzer wechseln. Die Suche nach einem Käufer erwies sich aber als schwierig. Das letzte Angebot lag bei nur fünf Euro pro Figur. Das war den Verkäufern zu wenig. Da warten sie lieber erstmal ab.

Vor allem die Haushaltsauflösung bei der Tante brachte das Ehepaar auf den Flohmarkt. Die sehr angenehme Atmosphäre gefiel den beiden: „Die Stimmung ist gut, jeder ist entspannt und locker.“ Wie die Vorsitzende der Frauenunion, Brigitte Pesl berichtete, kam der Sonntagstermin vor allem aufgrund der Hallenbelegung zustande, die kaum noch Raum für den Flohmarkt ließ. Am Ende zeigte sich der Sonntag ganz unerwartet als Magnet. „Ob Würstchen, Kuchen oder Kaffee - alles war ausverkauft“, so Pesl gestern. Mit diesem Ansturm hatte bei der Frauenunion keiner gerechnet. So könnte sich der Sonntag - ganz ungewollt - als Termin der Zukunft für den FU-Flohmarkt herauskristallisieren.

Quelle: op-online.de

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