Germania erobert mit OWK Paradies

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Eppertshäuser Gesangverein feiert 125. Geburtstag mit zweistündigem Programm. Gemeinsame Sache: Die Germania intonierte mit dem OWK-Mandolinenorchester unter anderem „Conquest of Paradise“.

Eppertshausen - Es können Kriege sein, die in einer langen Vereinsgeschichte zur Nagelprobe werden, zu späte Singstunden oder aber schlicht die (scheinbaren) Zeichen der Zeit. Das jedenfalls wurde im großen Saal der Bürgerhalle deutlich, als Hans Müller das Wort ergriff. Von Jens Dörr 

Der Vorsitzende ließ bei der Akademischen Feier die 125-jährige Historie von Jubilar Germania Eppertshausen Revue passieren. Zwei Stunden lang feierte der traditionsreiche Gesangverein mit 150 Gästen aus der Gemeinde sich und den Chorgesang – bei allen nachdenklichen Tönen. Denn die ließ Müller in seiner Festrede nicht aus. Der Vorsitzende skizzierte die Entwicklung des GV Germania von seiner Gründung im Jahr 1890 an, als sich 17 Sänger in einer Brauerei zusammenfanden, beschrieb dabei die vielen Höhen aus einem und einem Viertel Jahrhundert, benannte aber auch klar die teils schwierigen Klippen, die es für den Verein und seinen aktiven Chor als Kern der Germania zu umschiffen galt.

So unterbrachen die beiden Weltkriege den rasch prosperierenden Verein, der schon Anfang des 20. Jahrhunderts erste Erfolge bei Gesangswettstreiten erzielte, nach Einschätzung Müllers seine Glanzzeiten bei allem kontinuierlich hohen Qualitätsanspruch allerdings vor allem in den 50er Jahren hatte. Während das Einziehen der Sänger für den Kriegseinsatz den Chorgesang bei der Germania zeitweise völlig lahmlegte, forderten diverse Umstände das Vereinsmanagement auch in Friedenszeiten heraus. Vor knapp 50 Jahren etwa erlebte die Germania eine Krise, die damit zusammenhing, dass man einen Proberaum nur zu später Uhrzeit um 21.30 Uhr bekam.

Viel Werbung um Jüngere zu locken

„Anfang der 70er entdeckte die Jugend den Chorgesang wieder“, erinnerte Müller aber auch an die folgende Periode, die die Anzahl der Sänger von 50 auf 80 hochschnellen ließ – damals weiter ausschließlich Männer. Der Frauenchor des Vereins blieb Ende der 80er und Anfang der 90er eher eine kurze Episode. Den Sängerinnen gelang es damals nicht, ein für den weiblichen Nachwuchs attraktives Angebot zu schaffen. Auch der Männerchor, der heute noch 40 Mitglieder umfasst, sei mit Blick auf seinen langfristigen Fortbestand kein Selbstläufer mehr, stellte Müller heraus: „Wir geben in unseren Bemühungen, unserem Chor durch vielfältige Werbung jüngere Mitglieder zuzuführen, nicht auf.“

Ein Verschwinden der Germania, wie es in naher Zukunft nicht zu befürchten ist, eben aber auch über die nächsten Jahre hinaus vermieden werden soll, risse ein Loch ins Eppertshäuser Vereins- und Musikleben, wie auch der Auftritt auf der Akademischen Feier einmal mehr verdeutlichte. Nach dem alleinigen Auftakt durch das Mandolinenorchester des Odenwald-Klubs machte der Chor der Germania mit diesem gemeinsame Sache, beeindruckte etwa mit einer starken Darbietung des Stücks „Conquest of Paradise“ („Eroberung des Paradieses“) des griechischen Komponisten Vangelis. Das Lob für dieses Stück griff auch Gastredner Landrat Klaus Peter Schellhaas auf, würdigte insgesamt den Erhalt des Liedguts durch die Germania und überreichte zum Jubiläum – sinnbildlich – nicht nur den bald zu pflanzenden Apfelbaum, sondern auch eine finanzielle Zuwendung des Kreises.

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Den Abend besuchens- und belauschenswert machten derweil nicht nur die Ansprachen und der Auftritt von OWK-Orchester (Leitung: Klaus Murmann) und den Gastgebern, die seit 22 Jahren von Hans Dieter Müller dirigiert werden. Letzteren nannte Vorsitzender Hans Müller in einer Reihe mit den früheren musikalischen Germania-Leitern Michael Frank und Robert Pappert. Ihre musikalische Aufwartung machten auch der Kirchenchor St. Valentin (Leitung: Claudia Roth), der Gesangverein Liederkranz-Frohsinn (Leitung: Manfred Küchler) und der Chor St. Sebastian (Leitung: Dieter Müller).

Ansprachen hielten zudem Bürgermeister Carsten Helfmann, Werner Schupp als Bundesvorstandsmitglied des Hessischen Sängerbunds und des Deutschen Chorverbands sowie Fritz Roth als Vorsitzender des Kreischorverbands.

Die musikalische Vielseitigkeit stellte die Germania, die sich in der Regel dem A-cappella-Chorgesang ohne Begleitung verschrieben hat, zwischenzeitlich auch mit ihrem Ensemble „Musica“ unter Beweis.

Quelle: op-online.de

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