Diesjähriges Stück des Gesangsvereins

Germania-Theatergruppe bedient hemmungslos Klischees

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Hans Müller („Otto Möller“, links) und Günter Seitel („Anton Geiger“) kriegen immer wieder Zoff mit ihren Frauen , Gisela Belzer („Gisela Geiger“, rechts) und Monika Seitel (gelbes Kleid, „Andrea Geiger“).

Eppertshausen - Der Bühnenbildner ist der heimliche Star der neusten Theateraufführung des Gesangvereins Germania. Und das Publikum bekommt mit dem neuen Schwank viel zu lachen. Von Jens Dörr 

Ob sich da im Publikum das ein oder andere Paar auch ein wenig selbst ertappt fühlte? Beim aktuellen Stück der Theatergruppe des Gesangvereins Germania Eppertshausen jedenfalls standen Eheleute im Mittelpunkt, die nach vielen gemeinsamen Jahren eher nebeneinander her statt miteinander leben. Um am Ende, trotz gewisser Verlockungen, dann doch zu erkennen, was sie aneinander haben.

„Und das im Namen des Herrn“ heißt das Stück, das die Theatergruppe zweimal vor vollem Haus auf die Bühne in der Eppertshäuser Bürgerhalle brachte. Alle zwei Jahre studieren die derzeit vier Männer und drei Frauen eine Aufführung ein – diesmal den komödiantischen Dreiakter, der im Wohnzimmer von Gisela und Otto Möller spielte. Mit Gisela Belzer und Hans Müller verkörperten zwei Germania-Schauspieler der ersten Stunde das Ehepaar, das mit liebevollem Umgang, Romantik und gegenseitiger Rücksichtnahme nicht mehr allzu viel am Hut hat.

So, wie es auch Anton und Andrea Geiger – gespielt von Günter und Monika Seitel – in ihrer ziemlich nüchtern gewordenen Beziehung erleben. Was auch Pfarrer Benefizius (Herbert Seitel) nicht entgangen ist: „Ich glaube, dass sich die Paare in meiner Gemeinde nicht mehr lieben“, sagt er. Woraufhin Otto, in dessen Rolle der Germania-Vorsitzende Hans Müller immer wieder sein herausragendes gesangliches Talent zumindest anklingen lässt, den Finger in die Wunde legt: „Sie machen sich Sorgen, dass Ihr Segen nicht mehr wirken tut.“ Otto sagt dabei wirklich „wirken tut“ statt „wirkt“, und auch sonst scheuen die Laiendarsteller weder Umgangssprache noch „Eppertshaiser“ Platt.

Lokale Orte werden ebenfalls in die Handlung einbezogen, so kommt etwa die TAV-Gaststätte und der geliebte Nachbar aus „Minsder“ vor. Otto schafft es bei der Premiere gar, den Zwischenstand des parallel stattfindenden Heimspiels von Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Köln einzubauen.

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Der weiteren Handlung folgen lässt sich leicht: Eine attraktive Dame (Sigrid Belzer) kommt im Sportwagen im Ort an und verdreht den Männern den Kopf. Sänger Gary Sonnentau hat mit seinem romantischen neuen Hit („Ich kenn Dich nur aus meinen Träumen“) hingegen den Frauen nicht nur einen Ohrwurm beschert, sondern auch ein Plätzchen im Kopf, zu dem sie sich aus dem kaum noch anregenden Eheleben hinträumen können. Dass der Sänger mit seinen schnulzigen Zeilen letztlich etwas vollkommen anderes als die holde Weiblichkeit auf zwei Beinen besingt, ist der Clou zum Ende des Stückes.

In dem mischt neben dem trinkfreudigen Pfarrer auch noch der neugierige Postbote (Armin Müller) mit, womit ein weiteres Klischee hemmungslos bedient wird. Ein bisschen Star ist allerdings nicht nur die schauspielernde Crew um Souffleuse Martina Böhmer, sondern auch Volker Seibert: Er zeichnet für das Bühnenbild verantwortlich, das hervorragend gelungen ist. Die tiefe Bürgerhallen-Bühne, auf der sich Protagonisten ohne Dekoration gern mal vor schwarzen Vorhängen zu verlieren drohen, ist das passende Ambiente für Männlein und Weiblein zwischen der Suche nach dem Neuen und scheinbar Spannenden und dem Status quo in der Vertrautheit mit all ihren Vor- und Nachteilen. Letzteres entpuppt sich aber doch als erste Wahl. Einziger Wermutstropfen unterdessen fürs Publikum: Gemäß ihrem Turnus präsentiert die Theatergruppe des GV Germania ihr nächstes Stück erst 2018.

Quelle: op-online.de

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