In Eppertshausen finden sich keine Verantwortungsträger mehr

Gewerbeverein wickelt sich ab

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Enttäuschte Gesichter in der außerordentlichen Versammlung der Eppertshäuser Gewerbetreibenden: Der GVE ist nicht mehr zu retten und bereitet seine Auflösung vor.

Eppertshausen - Vor rund einem Monat trat der Vorstand des Gewerbevereins (GVE) bei der Jahreshauptversammlung geschlossen zurück. Neue Verantwortungsträger wurden nicht gefunden. Von Michael Just 

Bei der außerordentlichen Versammlung erklärte sich ebenfalls niemand bereit, den Verein zu führen. Der GVE steht damit vor dem Ende und seiner „Abwicklung“. Kurz vor Versammlungsbeginn am Donnerstagabend in der Krone war in den Augen einiger Mitglieder noch ein Fünkchen Hoffnung zu erkennen, dass es vielleicht weitergeht. Die Zahl der Anwesenden zeigte sich zumindest größer als bei der Jahreshauptversammlung. Waren im März exklusive Vorstand nur sechs Personen gekommen, fiel die Zahl jetzt fast dreimal höher aus. In Anbetracht dessen, dass es um die Zukunft des Vereins ging, der noch 63 Mitglieder zählt, muss der Zuspruch trotzdem als gering bewertet werden. Das zurückgetretene Vorstandsmitglied Michael Wildhirt hatte sich vor der außerordentlichen Versammlung noch bemüht, mögliche Nachfolger abzuklopfen. „Ich habe gewisse Leute angesprochen. Aber alle Reaktionen waren negativ“, sagte der Eppertshäuser und zerschlug damit die meisten Hoffnungen, dass der 1982 gegründete Verein noch eine Zukunft hat. Traurige Gewissheit, brachte dann die Frage von Wahlleiterin Sigrid Vorwerk nach möglichen Anwärtern, zu der keine Hand nach oben ging. Auch lagen keine schriftlichen Absichtserklärungen von Nichtanwesenden vor, sich zu engagieren.

Damit blieb die zweite Versammlung ebenfalls erfolglos, einen neuen Vorstand zu bilden. „Wir werden uns jetzt um rechtliche Unterstützung bemühen, wie sich der Verein auflösen lässt“, kündigte Axel Kronawitter an. Zuvor be-nannte der kommissarisch noch tätige Rechner auf Nachfrage erneut die Gründe, warum der gesamte Vorstand nicht weitermachen will. Wie schon bei der Jahreshauptversammlung wurde das mit dem mangelnden Engagement der Mitglieder erklärt. So hätten die Eppertshäuser Erlebnistage nur zweimal stattgefunden. Danach sei der Elan bereits eingeschlafen. Bei den kostenlosen IHK-Vorträgen, etwa zur wirksamen Schaufenstergestaltung, habe das gleiche Desinteresse geherrscht. „Man hätte sich ja aufrappeln und nach Darmstadt fahren müssen“, konstatierte Kronawitter. Die lethargische Haltung ist für ihn unverständlich, vor allem wenn man sich die oft bescheidenen Schaufenster im Ort anschaue. Das Manko lasse sich auf die Web-Auftritte übertragen. „Hier werden die Zeichen der Zeit nicht erkannt“, so der Eppertshäuser.

„Wir haben eine Struktur aus Einzelkämpfern“

An den Zeichen der Zeit, dass der GVE keinen Sinn mehr macht, lässt der bisherige Vorstand kaum Zweifel: „Wir haben eine Struktur aus Einzelkämpfern“, erläuterte Michael Wildhirt. Zudem hätten sich die Zeiten, was die Notwendigkeit von Gewerbevereinen angehe, verändert. Beispielsweise sei der Handel stark zurückgegangen. Und Dienstleister sowie Handwerker stellten nun mal nicht die klassischen Vertreter in einem Gewerbeverein dar. Als weitere Zeiterscheinung komme hinzu, dass sich die Macher in sämtlichen Vereinen zurückzögen.

Die Entwicklung, dass es im Ort bald kein organisiertes Gewerbe mehr geben wird, sei laut altem Vorstand „kein Weltuntergang“. So existiere in vielen anderen Gemeinden ebenfalls kein Gewerbeverein oder habe sich aufgelöst. Wie einer sagte, sei eine mögliche Alternative in Groß-Zimmern zu finden. Engagierte Bürger und Gewerbetreibende hätten hier zusammen einen Verein auf die Beine gestellt, der die Gemeinde mit Veranstaltungen voranbringen will. Die Erfolgsbasis sei, dass nicht nur Gewerbetreibende wirkten. Die Idee klang interessant, wurde am Donnerstagabend aber nicht weiterverfolgt. Nach dieser Misere war kaum einem der Anwesenden daran gelegen, postwendend einen neuen Verein zu gründen.

Ansturm auf Gewerbemeile

Dazu hat der GVE noch Verpflichtungen zu erfüllen. Eine liegt in der Gewerbemeile 2017. Hierzu wurde bereits mit den Rathäusern in Eppertshausen und Münster vereinbart, dass sich der Verein mit 2 500 Euro an den Ausrichtungskosten beteiligt. Dazu soll der GVE ein Mitglied zum Organisationsteam beisteuern. „Beiden Zusagen werden wir nachkommen“, versprach Axel Kronawitter. Die finanzielle Unterstützung sei kein Problem, da die Vereinskasse ein höheres Plus ausweist. Auch nach der Überweisung seien noch finanzielle Mittel übrig. Über die darf sich nach Abwicklung des GVE die Gemeindekasse freuen. Das sieht die Satzung vor.

Der alte Vorstand will jetzt eruieren, „wie Vereinsauflösung geht“ und welcher Notwendigkeiten es bedarf. Danach dürfte eine weitere außerordentliche Versammlung folgen, in der die Mitglieder das Ende des Gewerbevereins beschließen. Damit scheint der bald nur noch Vergangenheit. Ein Mitglied brachte das mit einem alten Indianerspruch auf den Punkt: „Wenn das Pferd tot ist, steigt man eben ab.“

Quelle: op-online.de

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