Monumentales Wandbild

Hans Nelhübel, der Mosaikmann

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Eppertshäuser Mosaikkünstler zeigt sein jüngstes Projekt: Hans Nelhübel vor seinem Wandbild in der Nieder-Röder-Straße 53. Stolze 18 Quadratmeter misst die kunterbunte Fläche.

Eppertshausen - Hans Nelhübel lebt seine Leidenschaft für Mosaik und Gartengestaltung rund um sein Haus an der Nieder-Röder-Straße 53 voll aus. Von Thomas Meier

Jetzt errichtete er eigens eine sechs Meter lange, drei Meter hohe Mauer, um rund 18.000 Steinchen darauf zu einer kunstvoll-bunten Fantasielandschaft zu kleben. Hans Nelhübel ist in Eppertshausen schon lange kein Unbekannter mehr, auch wenn der 66-Jährige das Licht der Welt in Dieburg erblickte. Er wuchs in Altheim im Bahnhaus auf und heiratete 1969 nach Eppertshausen. Mit seiner Lydia zog er ins Haus, das er seitdem stets zu verschönern gedenkt. 44 Jahre lang arbeitete der Bastler und Hobbyhandwerker beim „Internen Transport“ der Babenhäuser Firma VDO, doch seine künstlerische Ader lebte er im eigenen Heim aus. Schon der Vorgarten seines in kräftigem dunkellila gehaltenen Gebäudes ist spektakulärer Anblick. Dort, am „Lydia-Tor“, kreucht und fleucht es mächtig, angefangen vom weiß-grauen Steinkrokodil über tönernes und kunststoffgearbeitetes Federvieh, Plastikfrösche oder eine Delegation von Gartenzwergen.

Und die Besucher seiner ganz speziellen Villa Kunterbunt kennen freilich auch die ausgebaute Pergola, in der locker zwei Dutzend Gäste an einer festlichen Tafel speisen können, derweil an den Wänden Mosaiken mit Gipsfigürchen, Naiver Malerei, Kronkorkengestecken und anderem um Aufmerksamkeit buhlen. Gegenüber der überdachten Pergola ist eine Remise in vielfarbigem Design. Den mit Steinen zum Darüberlaufen versetzten Rasen begrenzt zudem ein 30 000 Liter fassender Fischteich, in dem sich neben rund 100 echten Goldfischen, etliche ebenso lebendige Kois und noch hunderte andere Tiernachbildungen tummeln. Frösche, Kraniche, ein mittlerweile durch Sonneneinstrahlung arg verblasster Storch, Schnecken mit und ohne Haus oder einige Plastik-Raben etwa.

Ja, man hat zu schauen bei Nelhübels. Bis vor kurzem konnte man noch zum Nachbarn auf eine Baumreihe blicken, doch die war dem Künstler Nelhübel zu fad. Und stand seinem Tatendrang auch irgendwie im Weg: Die Idee mit der neuen Mauer war geboren. Doch zunächst zurück: Angefangen hatte des Kreativen Verschönerungszwang „so um 2007“, wie er sich an die erste nähere Begegnung mit seinem etwas weiter entfernt in der Straße wohnenden Nachbarn Gerhard Hammer erinnert. Der nämlich brachte die Mosaik-Manie in den Ort. Alle Bewohner Eppertshausens kennen sein buntes Häuschen in der Nieder-Röder-Straße, das in direkter und weiterer Nachbarschaft Nachahmer fand. Mit farbenprächtigen Mosaiken verziert, ist das ganze Quartier mittlerweile ein echter Hingucker.

Der gebürtige Dresdner ist Bauhandwerker und kam 1965 in den Ort. Er mag es bunt und verlegte nicht nur Fliesen, sondern kreierte eben gern auch aus Bruchstücken reizvolle Mosaike. „Und eben ihn habe ich gefragt, was man bei mir so alles anstellen könnte,“ sagt Nelhübel, der seinen Meister zur Wandeinweihung freilich eingeladen hatte. Hammer, mittlerweile über 80 und in Darmstadt lebend, kam und erinnerte sich gern. Zuerst wurde die Pergola an einigen Ecken mit Mosaiken verziert. Hammer legte das erste Kunstwerk an, Nelhübel schaute zu und ahmte nach. Dann entwickelte er einen eigenen Stil, verfeinerte diesen und kann heute beachtliche Werke und Zahlen auftischen: „Von 2007 bis 2010 habe ich hier Stück für Stück ausgestaltet. Schon vor meiner neuen Wand entstanden auf meinem 1 000 Quadratmeter großen Grundstück 80 Quadratmeter an Mosaiken. Das sind hochgerechnet rund 80.000 kleine Steine, die ich mit der Hand an- und einsetzte.“

Nun kamen nochmals 18 Quadratmeter dazu: „An der Wand habe ich in vier Wochen 102 Stunden geschafft“, sagt der Steineklopfer, -einfärber und -verleger. Denn die neuerlichen 18 000 Steinchen holte er sich aus einer Kiesgrube, brachte sie auf die gewünschten Größen und färbte sie mit wetterbeständiger Farbe nach Gutdünken ein. Zwischen die Bruchsteinc brachte er Glasscherben („Vom Sperrmüll geholte Spiegel und solange zerdeppert, bis sie ins Gesamtbild passten“), Kronkorken aus Metall („Bier“) und Plastik („überwiegend Cola“) sowie allerlei gefundenen Tand wie Plastikschmetterlinge oder Styropor-Piepmätze ein. Nun ist auch dieses Werk vollbracht und mit einer Vernissage vor Freunden vor Kurzem eingeweiht worden. Was kommt denn als nächstes? „Wenn es meine Frau erlaubt, fällt mir schon wieder was ein,“ lacht Nelhübel, und die Gäste prosten ihm zu.

Quelle: op-online.de

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