Kirchweih in Eppertshausen / Kerbburschen mit Rekord beim Aufstellen des Baums

Nur Helga bleibt stumm

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In Eppertshausen ging es hoch her. Einer der Höhepunkte ist alljährlich der Kerbumzug.

Eppertshausen - Die Eppertshäuser feiern vier Tage lang ihre Kerb. Im kommenden Jahr gibt es womöglich einen Wechsel in der Chefetage der Kerbburschen.

Die letzten Strophen der beliebten Kerblieder sind noch nicht verklungen, da gibt es bereits einige Rekordmeldungen zum großen Eppertshäuser Volksfest: Nie wuchteten die Kerbburschen den Kerbbaum (13 Meter) so schnell und gekonnt in die Höhe, wie zum Auftakt der Kirchweih am Freitag. Und, nachdem die Kerbburschenkultur in der Gemeinde Jahrzehntelang brach lag, gibt es 2015 einen Rekordjahrgang mit 30 Mädchen und jungen Männern. Dass auch Bürgermeister Carsten Helfmann in Frack, Zylinder und Schärpe Kerb feiert, ist für die Bevölkerung allerdings ein ebenso vertrautes Bild, wie der Anblick ihres Bürgermeisters als vollbusige Blondine in der Karnevalszeit. Wortgewandt moderierte Helfmann (inzwischen in den Stand des Ehrenkerweburschs erhoben) am Samstag den Umzug, dessen Teilnehmer ein Feuerwerk der guten Laune versprühten.

Immerhin: 23 Nummern boten Vereine, Musikkapelle, Institutionen und die Kerbjahrgänge diesmal auf. Mit phantasievollen Kostümen gelang ein bunter Mix fürs Auge: Der Umzug, der nach dem traditionellen Festgottesdienst am Haus Westermann ablegte, war ein bisschen Karneval in Venedig, zeigte römisches Lagerleben, die französische Sterneküche und natürlich das geeinte Deutschland. Der Kerbsamstag, der diesmal auf den Jubiläumstag der Wiedervereinigung fiel, wurde gemeinsam mit Freunden aus dem sächsischen Langenweißbach gefeiert, die zum Teil fröhlich mitmarschierten. „Die Ebbetshaiser Kerb is do, was sin die Leut´ so froh....“, schmetterte der aktuelle Jahrgang 1996/97 aus vollem Hals – nur Kerbpuppe Helga blieb stumm.

Kerb in Eppertshausen

Dass sich zu den feiernden Burschen Kerbmädchen gesellen, ist ein relativ neues Eppertshäuser Ritual. „Die letzten Burschen gab es 1937“, berichtete Kerbikone Carsten Helfmann, in den Folgejahren wurde das Fest kleiner gefeiert. Der Zweite Weltkrieg überschattete vielerorts ohnehin die Feier der Kirchweihe, erst Ende der 40er Jahre wurde das Heimatfest neu belebt. In Eppertshausen rissen die schwarzen Jahre ein Loch in die Heimatkultur, das erst 2007 mit der Gründung des Hilfsvereins zur Rettung der Eppertshäuser Kerb gestopft wurde. 2009 feierte der erste Jahrgang mit, der sich auch 2015 mit bester Laune unter die Umzugsteilnehmer gesellte.

Rekordhalter unter den Kerbvätern ist Michi I.. Er feierte diesmal seine sechste Kerb als Frontmann, zeigt jedoch Ermüdungserscheinungen. Michi Schledt hat nun viele Jahre all das gestemmt, was bei der ausgelassenen Feier des Heimatfests in Hintergrund tritt: Monate voller Arbeit mit der Vorbereitung fürs Heimatfest. Allein an seinem Kerbspruch hat der Vadder vier Wochen lang gefeilt. Schwingt da etwa Trauer bei der Eppertshäuser Kerb 2015 mit? Mitnichten, denn Michi I. hat einen Nachfolger im Visier. Auch hier zeigt sich Eppertshausen aufgeschlossen und plädiert für die Frauenquote in der Chefetage. Noch ist es nicht amtlich, doch Michi I. ist zuversichtlich, dass der Kerb 2016 erstmals in der Geschichte eine Kerbmutter vorweg marschiert.  ula

Quelle: op-online.de

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