Interkommunale Ferienspiele

Indianer trotzen den Windböen

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Der Tipi-Bau gestaltete sich wegen des starken Windes als schwierig, Spaß hatten die jungen Indianer dennoch. Besonders die Pferde von Manfred Beckmann kamen bei den Mädchen gut an.

Eppertshausen - Damit hatten die Bewohner des Wilden Westens sicher auch schon zu kämpfen: Als die Kinder auf der „Manfred Beckmann Ranch“ wie geplant ein Tipi bauen wollten, flog ihnen das Laken buchstäblich um die Ohren. Von Corinna Hiss

„Wenigstens ist es nicht so heiß“, sah es Charles Ross positiv, als er gen Himmel blickte und sich die dunklen Wolken immer mehr verdichteten. Auch für die 16 Kinder aus Münster und Eppertshausen, die sich fürs Tipibauen des CDU-Ortsverbandes angemeldet hatten, war der aufkommende Sturm kein Grund zum Trübsal blasen.

Seit Jahren beteiligen sich die politisch Engagierten schon bei den Ferienspielen, die sowohl in Münster als auch Eppertshausen stattfinden. Dabei hat sich die interkommunale Zusammenarbeit bewährt: Während anderorts nur ein oder zwei Wochen Programm geboten wird, können die Kinder während der gesamten Sommerferien zwischen Schwimmbadbesuch oder Zoo, Fußball oder Tennis, Wandern oder Batiken wählen. Weil das Tipibauen der CDU Eppertshausen bereits vor vier Jahren gut angekommen ist, sollte das Erfolgskonzept am Dienstag wiederholt werden.

„Wir haben alles von Grund auf selbst angefertigt“, berichtete Ross. Mit Fahrrädern ging es für die Gruppe zuerst zum Hof von Landwirt Manfred Beckmann am Rande des Gewerbegebiets. Anschließend machten sich die jungen Indianer auf die Suche nach Holz – schließlich baute das Urvolk seine Behausung nicht mit Metallstangen, sondern aus Naturmaterialien. Schon allein das Sammeln war für die Kinder ein Abenteuer: Auf dem Hänger sausten sie vom Traktor gezogen in den Wald und kamen mit passenden Stöcken zurück.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Himmel bereits bedrohlich verdunkelt. Während die Jungs am Holz schnitzten, ließen die Mädchen ihrer Fantasie an den weißen Laken freien Lauf. Mit Fingerfarbe entstanden dort bunte Abdrücke und Figuren. Als dann die Äste miteinander verschnürt und auf dem Boden aufgestellt worden waren, stand zumindest das Gerüst des Tipis – mehr war dann allerdings nicht drin. „Der Wind macht es unmöglich, das Laken zu befestigen“, bedauerte Ross. Der Stimmung unter den Kindern tat das keinen Abbruch: Sie ließen sich Würstchen und Eis schmecken und erkundeten die „Manfred Beckmann Ranch“. Besonders die Pferde auf der Koppel hatten es den Mädchen angetan. Die edlen Tiere ließen sich geduldig streicheln, ihre Augen waren dabei mit einem Sichtschutz abgedeckt, der sie vor dem aufgewirbelten Sand bewahrte.

Viele der Kinder, die bei den Ferienspielen mitmachen, nehmen mehrere Angebote wahr – für Ross ein Zeichen dafür, dass ihre Arbeit sich lohnt. „Es gibt sogar ein oder zwei, die haben sich wirklich bei jeder Veranstaltung angemeldet“, schmunzelte der gebürtige Schotte. Auch bei der Eppertshäuser CDU ist das Sommerprogramm fest im Terminkalender eingeplant. „Die Kinder sollen sehen, wie vielfältig das Vereinsleben in unserer Gemeinde ist. Das hier ist unser Beitrag dafür“, erläuterte er. Bis zu 10 000 Euro sind im Haushalt für die Kinder- und Jugendarbeit pro Jahr eingeplant, darunter zählen auch die Ferienspiele. Wenn ein Verein einen gemieteten Bus braucht, um zum Freizeitpark zu kommen, zahlt das die Gemeinde, kleinere Ausgaben werden von den Vereinen selbst gestemmt. Zudem müssen die Eltern einen geringen Unkostenbeitrag für jede Veranstaltung zahlen.

Auf dem Hof von Beckmann stand das Tipi am Ende zwar nackt da, strahlende Kinderaugen gab es dennoch. „Meine Freunde sind hier und das Traktorfahren war cool“, schwärmte Oliver. Und der Regenguss kam erst, als der Nachmittag schon fortgeschritten war.

Quelle: op-online.de

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