Ins engbebaute Eppertshäuser Quartier Wüstfeld werden verstärkt Ordnungshüter gegen Parksünder geschickt

Zu klein für Verkehrsberuhigung

Weder auf dem Gehweg darf man Im Wüstfeld parken, noch auf der zu schmalen Fahrbahn. Für Autos (außer Anwohner-Pkw) ist dieses Feld nicht geplant. Das gibt Ärger seit Anbeginn. - Foto: Th. Meier

Eppertshausen - Die Hilfspolizisten des Ortes ab 1. Dezember verstärkt ins Wohngebiet „Im Wüstfeld“ zu entsenden, kündigt die Verwaltung an. Sie kontrollieren dann in einem Quartier, in dem die Parknot seit Gründung Ende der 1970er Jahre herrscht. Von Thomas Meier

Das Schreiben des Bürgermeisters flatterte unvermittelt in die Haushalte von „Jerusalem“, wie das Quartier Wüstfeld einst benannt wurde, seiner vielen Flachdächer wegen. Mitte/Ende der 1970er Jahre entstand das Wohngebiet zu einer Zeit, in der Wohnraum Mangelware und Bauland nicht so reichlich vorhanden war. Es entstand an der Straße „Im Wüstfeld“ mit seinen fünf abzweigenden Straßen Weißdorn-, Birken-, Buchen- und Lindenweg sowie den Begrenzungen von Konrad-Adenauer- und Nieder-Röder Straße eine enge Bebauung von überwiegend Reihenhäusern. Die Bürger waren damals noch nicht so reich mit Autos gesegnet wie heute, zumal gerieten deren Ausmaße um einiges geringer, wie sich ein Anwohner des Viertels erinnert, der bei Erhalt der amtlichen Post (zunächst) schmunzeln musste.

Denn im Rathausbrief stand geschrieben, dass kürzlich eine Verkehrsschau stattgefunden habe im Wüstfeld, Vertreter vom Polizeipräsidium Südhessen, Hessen Mobil, der Verkehrswacht Dieburg, dem ADAC und der Gemeinde hätten dort „die Parksituation eingehend und unter Beachtung der bestehenden Rechtsvorschriften“ beraten.

Einer Anregung der Verwaltung, das Viertel zum „Verkehrsberuhigten Bereich“ auszuschildern, um die Parksituation zu verbessern, „konnte aufgrund der baulichen Zustände nicht entsprochen werden“, heißt es im Schrieb. Weil nämlich der auf der östlichen Seite der Straße Im Wüstfeld vorhandene Gehweg „den klassischen Ausbauarten eines verkehrsberuhigten Bereichs mit einer Mischfläche für alle Verkehrsteilnehmer“ nicht entspreche.

So weit, so bekannt seit vier Jahrzehnten. Aber es geht weiter: „Es ist immer wieder festzustellen, dass durch auf dem ausgebauten Gehweg parkende Fahrzeuge Fußgänger gezwungen werden, auf die Fahrbahn auszuweichen. Zum Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer wird daher der Ordnungsdienst der Gemeinde ab dem 1. Dezember das Parken auf dem Gehweg ahnden.“

Damit ist das gesamte öffentliche Wüstfeld komplett parkfreie Zone, denn auch auf der Fahrbahn darf kein Auto abgestellt werden: Für ein Parken am rechten Fahrbahnrand mit einem Pkw verbleibe lediglich eine Restfahbahnbreite von etwa 2,10 Meter. „Diese Restfahrbahnbreite unterschreitet die erforderlichen Fahrbahnbreiten nach der StVO um ca. 0,90 Meter“, verkünden die Amtsleute und belehren: „Damit ist gemäß §12 Abs. 1 Nr. 1 StVO das Halten unzulässig.“ Dies gelte auch ohne entsprechende Beschilderung.

Dem zu Beginn des Lesens noch Schmunzelnden stieg gen Ende die Zornesröte ins Gesicht: „Da will sich die Gemeinde via Knöllchen die Kasse voll machen. Wo sollen denn die Leute, die zu uns wollen, parken? Am Sportzentrum in der Nieder-Röder Straße?“

Dabei ist die prekäre Parksituation von Anbeginn bekannt. Mit Schreiben vom 1. Dezember 1978 flatterte den Wüstfeldern ein Schreiben des damaligen Bürgermeisters Stephan Gruber ins Reihenhaus: „Betr.: Verkehrsregelnde Maßnahmen zur Sicherstellung des Feuerschutzes und der Müllabfuhr“. Sechs Punkte waren aufgelistet. Darunter: Die Abstellmöglichkeiten auf den Grundstücken sollten genutzt und durch bessere Grundstücksausnutzung weitere geschaffen werden. Beim Parken sollten die Verkehrsregeln besser beachtet, Bäume und Sträucher, die in den Straßenraum ragten, zurückgeschnitten werden. Letzteres, um nicht den Lack von Feuerwehr- und Müllautos zu zerkratzen. Über Punkt 5 schmunzelt unser Anwohner heute auch nicht mehr („damals schon!“): Die Anwohner der Seitenwege (–) sollen darauf achten, dass die vier Meter breite Fahrbahn durch parkende Autos nicht eingeengt wird, um die Anordnung eines absoluten Halteverbotes zu vermeiden.“ Nun, Letzteres braucht es nach heutiger Auslegung nicht, siehe Amtsschreiben 2016.

Zudem mahnte Bürgermeister Gruber einst an zu prüfen, ob durch Abrundung der Eckgrundstücke an den Seitenstraßen die Einfahrt in diese zusätzlich zu verbessern wäre. Heute stehen teilweise kleine Felsbrocken auf den Ecken der Grundstücke zum Wüstfeld hin, damit die Autos nicht über die Blumenrabatte fahren.

„Zwischendurch kamen noch einige Experimente“, erinnert sich der Bewohner erster Wüstfeldstunde. Da wurde schon mal angeordnet, auf der Straße dürfe werktags zwischen 6 und 12 Uhr mittags nicht geparkt werden, damit Müllwagen und Post nicht behindert würden. Doch kam halt nachmittags dann der Ölanlieferer nicht mehr mit seinem Tankfahrzeug durch. Und was der Anlieger von Einbahnstraßen seit jeher nicht versteht: „Warum haben die Verantwortlichen die von ihnen so eng erachteten Straßen dann erst kürzlich für Fahrradfahrer auch in Gegenrichtung erlaubt?“

Ab Donnerstag (1.) kommen die amtlichen Ahnder.

Quelle: op-online.de

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