„Park 45 nach wie vor optimal“

Kreis muss 2000 Flüchtlinge im ersten Quartal unterbringen

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Büssingstraße 1 im Eppertshäuser Park 45

Darmstadt-Dieburg/Eppertshausen - „Wir stehen vor einer Herkulesaufgabe“ – so bezeichnete Landrat Klaus Peter Schellhaas beim gestrigen Pressegespräch die momentane Flüchtlingssituation im Kreis. Von Corinna Hiss

Aktuelle Zuweisungszahlen belegen nämlich, dass der Strom an Schutzsuchenden immer größer wird. Und auch wenn auf eine Notunterkunft in Eppertshausen vorerst verzichtet werden kann, hält Schellhaas das Objekt im Park 45 nach wie vor für „optimal“. „Es bietet genügend Platz, hat ein extrem großes Außengelände, das ausreichend gepflastert ist, um Container hinzustellen und ist zudem eingezäunt“, sagte er. Die Bedenken von Bürgermeister Carsten Helfmann, 1000 Flüchtlinge in einer 6000-Einwohner-Gemeinde unterzubringen, sah er ebenfalls nicht: „In einer Notunterkunft muss keine Integration geleistet werden, demnach ist Eppertshausen in dieser Beziehung auch nicht gefordert.“ Aufgrund des Schreibens von Axel Wintermeyer, Flüchtlingskoordinator der Hessischen Landesregierung, sei der Plan aber momentan „Geschichte“.

Trotz Entwarnung in den hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen geben die aktuellen Zahlen Grund zu Besorgnis: Bis März werden dem Landkreis Darmstadt-Dieburg ingesamt 2000 Flüchtlinge zugewiesen, mindestens genauso viele sind im zweiten Quartal zu erwarten. „Diese Zahl hat uns kalt erwischt“, gab Schellhaas zu. Der Vergleich zum Vorjahr macht die Dimension deutlich: 2015 wurden insgesamt 1828 Asylbewerber anhand der wöchentlichen Regelzuweisungen auf die 23 Kreiskommunen verteilt. Sie leben in privaten Wohnungen oder in Gemeinschaftsunterkünften. Zusätzlich sind rund 200 Personen in der Notunterkunft in Pfungstadt untergebracht, die US-Kaserne in Babenhausen als Hessische Erstaufnahmeeinrichtung ist mittlerweile mit 850 Männern, Frauen und Kindern belegt. „Es leben 4200 Flüchtlinge im Landkreis“, so Schellhaas.

Doch wo sollen die 2000 Asylbewerber wohnen, die in den nächsten zwei Monaten erwartet werden? In Münster steht die geplante Unterkunft in der Goebelstraße noch nicht, die Sport- und Kulturhalle Altheim ist bereits belegt. Dass die Gersprenzgemeinde mit diesem Problem nicht alleine dasteht, weiß auch der Landrat. „In einem Ballungsraum wie diesem hier ist es besonders schwer, Wohnraum zu finden. Dennoch gehört es zur Aufgabe aller Kommunen, Platz für Flüchtlinge zu schaffen.“

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Der Landkreis hat nun auf die „enorm hohe Zahl“ reagiert und einen „Puffer“ geschaffen: Ab heute dient die Großlagerhalle im Pfungstädter Industriegebiet als temporäre Gemeinschaftsunterkunft für bis zu 800 Personen. „Damit geben wir den Kommunen Zeit zum Durchatmen“, sagte Schellhaas. Das heißt im Klartext: Flüchtlinge, die der Landkreis per Regelzuweisung aufnehmen muss, werden so lange in der neuen Gemeinschaftsunterkunft leben, bis in den Städten und Gemeinden im Landkreis adäquater Wohnraum gefunden wird. Pfungstadt biete sich deswegen an, weil dort bereits ein bewährtes System mit Caterer, Sicherheitsdienst und sanitären Anlagen bestehe. Zusätzlich sollen Gespräche mit dem staatlichen Schulamt geführt werden, um Unterricht und soziale Betreuung für die Kinder anzubieten.

Fotos: Bürgerversammlung zum Thema Flüchtlinge

Denn das – so der Landrat – ist der große Unterschied: In einer Notunterkunft oder Erstaufnahmeeinrichtung wird keine Integration betrieben. Die Menschen bleiben dort nur vorübergehend. In Gemeinschaftsunterkünften soll hingegen eine dauerhafte Bleibe entstehen und deren Bewohner in Kita, Schule, Job oder lokale Vereine eingebunden werden. Dass die Unterbringung in der Pfungstädter Halle suboptimal ist, weiß auch Schellhaas. „Krasse Situationen erfordern nun einmal Lösungen, auch wenn sie nicht ideal sind“, sagte er. Mit der Gemeinschaftsunterkunft will er vorbeugen, dass schon bald flächendeckend Turnhallen belegt werden.

Quelle: op-online.de

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